Wie eine Sonnenblume der Sonne entgegen…

Die Sonne drückt den Staub auf dem Neumarkt herunter, wie Puderzucker als I-Tüpfelchen auf einem Windbeutel und wenn man den Blick über den stahlblauen Himmel schweifen lässt… vorbei an der Spitze der Frauenkirche… hinfort zum goldenen Rathausmann… so lässt sich weit und breit kein Schäfchen am Himmel entdecken, unter welches man sich flüchten könnte um der Wucht des Sommers zu entgehen. Die kleinen Cafés sind gut gefüllt, mit Touristen welche nach Eiscreme lüstern und in wahrnehmbarer Bewegung ist heute so gut wie niemand. Einzig die Augustusbrücke erinnert daran, von wie viel Leben diese Stadt doch geprägt ist und an der Elbe darunter, dort liegt es schon wieder lang.

Selbst der phirsichfarbene Orleander vor den hohen Arkaden der Altmarkt Gallerie lässt auf unästhetische Weise seine wohlduftenden Blüten hängen und wirkt gerädert und zerzaust, obgleich kein Windhauch ihn erreichte. Da hingegen sind die Sonnenblumen, welche aus ihrem wartenden Dasein unter Artgenossen erwählt wurden, um einer dresdner Singlewohnung ein wenig mehr Farbe zu verleihen, eine echte Wohltat fürs Auge. Wenn ich sage wartend, so meine ich… wartend darauf entdeckt zu werden… wartend auf jemanden der sie schön findet… wartend auf jemanden der sie erwählt und mitnimmt und bereit ist die 3 euro pro Stängel unbeständiger, schnelllebiger Pracht zu bezahlen… ein Preis der verschwindend gering ist, wenn es jemanden nur annähernd glücklich machen kann.

Ich glaube Andrea Bocelli & Sarah Brightman schwirrten grade durch die wüstenhafte Luft und trugen die Worte eines Freundes an mein Ohr welche tief drungen und immer noch am klingen sind…

… sämtliche Ketten von sich zu lösen und ungeachtet von dem was andere sagen, seine Erfahrungen zu sammeln und Entdeckungen machen, unvoreingenommen, weltoffen und vor allem gelöst und nicht mit dem Drang eine Rechenschaft ablegen zu müssen, im besten Falle nur für sich selbst…

… was er damit sagen wollte ist wohl folgendes. Sich wie eine Sonnenblume beim Floristen nebenan zu verhalten und stillschweigend in einer Vase zu stehen, darauf wartend dass die Sonne, welcher man sich zuwenden kann, vorbei gehoppelt kommt, kann unter Umständen bedeuten, dass man ewig in dieser Vase steht und nur für sich selber schön ist und schließlich einmal schön war. Denn was einer Sonnenblume verwehrt bleibt ist uns Menschen glücklicher Weise vergönnt.

Denn wir können aus unserem gläsernen Sarg entfliehen, hinausgehen, uns unter anderen schönen und interessanten Blumen suhlen, in andere Vasen hineinschauen, ja sogar hineinsteigen, die Harmonie variierender Sorten austesten und beobachten wie es denn die anderen Pflänzchen so halten. Auch wenn das ein oder andere Blütenblatt dabei verloren geht, so verliert man doch nicht an Individualität und im Laufe der Zeit erinnert man sich vielleicht mit Reue oder mit Sehnsucht erfüllt an diese und jene Vase und Pflanze zurück, was aber niemals den Blick vom wesentlichen abhalten sollte… fesseln darf… nämlich den Blick nach links, nach rechts, nach oben und unten und in aller erster Linie die Blickrichtung nach vorne…

… dass aus einer Primel keine Eiche werden kann ist wohl klar, aber das sollte sie nicht daran hindern zu wachsen.

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