Komplett anders und doch der Selbe! 2

Thomas Kleinstück am 31. Juli 2016 um 23:49

Beide Frauen waren wunderschön und so unterschiedlich vom Typ, dass sie gleichermaßen einen gewissen Reiz auf Marco ausübten.

Seinen doppelten Espresso servierten sie jedenfalls tadellos und so war es ein erregender Hochgenuss für ihn herauszufinden, ob sie an anderer Stelle auch so serviceorientiert wären und vielleicht sogar den ein oder anderen Fetisch bedienten.
Der kleine große Abenteurer in ihm war jedenfalls geweckt und so bekamen im Abstand von zwei Tagen sowohl Laura, als auch Lydia, beide nichts ahnend voneinander, nebst einem prahlerischen Trinkgeld, etwas, in Marcos Augen noch viel wertvolleres zugesteckt… nämlich seine Nummer.
Ein Schwerenöter durch und durch!
Dass er jedoch keinen Hehl daraus machte, schob ihn in ein sympathisches Licht.
Doch nicht beide Mädels sprangen gleichermaßen darauf an.

Während Lydia ihn als die Cola in der Wüste sah und ein freies Herz für befreite Leidenschaft unter ihrem hervorstechend gepushten und von Rüschen gesäumten Dekolleté mit sich trug, gab es in Lauras Leben zwar keinen bestimmten Mann dem sie hätte eine Rechenschaft ablegen müssen, jedoch begegnete sie seinem fahrigen Lebensstil mit Skepsis, da sie immer wieder an Männer geraten ist, denen sie gerne eine Rechenschaft abgelegt hätte, sie es aber nie von ihr verlangt hätten, da sie Lauras lockere, unkomplizierte Art auf die ganze Beziehung zu ihr assoziierten.

So kam es dass Laura und Marco zwar ständig in Kontakt standen, sie ihn aber nie über die begrenzten Pixel ihres Handydisplays hinaus an ihn heranließ.
Warum auch?
In nahezu jedem zweiten Satz bekundete er seine Rastlosigkeit und dass er sich höchstens noch drei Wochen hier in Dresden sah. So lange wie sein Job hier eben noch dauerte.
Seine Aufgabe bestand darin, dafür Sorge zu tragen, dass Kunstgegenstände und Schätze aus aller Welt und aus allen Sammlungen, seien sie nun im privaten oder staatlichen Besitz, geschützt und unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen von A nach B gelangen konnten.

Wenn beispielsweise der Harsdorfer Pokal, einer Sonderausstellung wegen, den Weg aus dem Bayrischen Nationalmuseum München in die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden antreten soll, so holt man sich entweder die Gelben Seiten, oder jemanden der sich damit auskennt.

Sowie Marco.

Gegenwärtig, so konnte man sagen, war er sogar in himmlischer Mission unterwegs und handelte im Auftrag Gottes.
Es galt seine hingebungsvolle Obacht und Fürsorge der Madonna Di Foligno zu widmen,welche erstmals die heiligen Hallen der Vatikanischen Museen verlassen durfte, um im Rahmen einer einzigartigen Ausstellung, Seite an Seite mit der Sixtinischen Madonna, die ehrwürdigen Wände des Zwingers zu erleuchten und mit ihrem Glanz zu adeln.
Es war fast schon eine ulkige Laune des Schicksals, dass wenn die heiligen Relikte die Stadt wieder verlassen würden, sie von einem Satansbraten wie Marco begleitet werden sollten.
Denn was er auf die paar bunten Pixel von Lauras Handydisplay brachte, war alles andere als Christlich und eine klare Ansage in Wort und mit Vorliebe auch in Bild!
Doch Hunde die bellen beißen nicht und in Lauras Fall wäre es für Marco ein Granitfelsen gewesen. Zu verlieren hatte sie nichts und ein wenig musste sie sich eingestehen, dass die Verlockung doch schon groß war.

Eine flüchtige Affäre. Etwas wildes, aufregendes, verruchtes. Kurzweilig und zu tiefst belebend!

Aber nein, sie ließ die Finger von ihm und so bestellte er bei Laura vergebens, was er an anderer Stelle wesentlich leichter und schneller serviert bekam.

… Fortsetzung folgt…

„Unterm blauen Himmel“

Thomas Kleinstück am 31. Juli 2016 um 23:38

 

Ich schlag meine Hände im Nacken zusammen und werfe mich zurück,

zwischen Gräsern, Klee und Pusteblumen, verlier ich mich ein Stück.

Zwischen weißen Wölkchen badet die Sonne, die warm und sommerlich brennt,

wie ein Tagtraum fliegt mein Blick hinauf zum stahlblauen Firmament.

Ein milder Wind umsäuselt mich und hält mich an zu lauschen,

ein salzig Hauch liegt in der Luft, das Meer beginnt zu rauschen.

So spür ich das Prickeln und fühle das Kitzeln türkis umspülter Waden,

seh flinke Flundern und schwerelos Quallen in lauen Wogen baden.

Grab tief die Zehen in den weichen Sand, mein Blick schweift in die Ferne,

zwischen den Wellen ein Sonnentanz, wie tausend weiße Sterne.

Das Rauschen und der Ruf der Möwen lullen mich wohlwollend ein,

und ich lass mich auf meiner Sandbank fallen und schlafe selig ein.

Ein blaues Bild erfüllt mich nun, ein warmer Tag am Meer,

nichts dämmt und trübt die Klarheit ein, nichts macht das Leben schwer.

Sollt dieser Tagtraum mir je entrinnen, wie Sand durch meine Hand,

ich wieder auf meiner Wiese liegen und nimmer am cremefarbnen Strand.

Dann mal ich mir diesen Tag am Meer hoch oben ins Himmelblau,

denn voller Sonne soll mein Himmel sein und niemals wieder grau.

Thomas Kleinstück, 26.05.2014

Komplett anders und doch der Selbe!

Thomas Kleinstück am 27. Juli 2016 um 19:14

Seit fünf Jahren kannte sie Marco nun schon. Hin und wieder sah sie ihn in der Stadt. Meist aber nur von weiten.

Ein Wortaustausch, oder gar Blickkontakt kam schon seit Jahren nicht mehr vor und das obwohl sie eine ganz eigene Faszination auf die Männerwelt ausübte. Daher rechnete sie grundsätzlich mit allem. Mit ihm jedoch, schon lang nicht mehr.

 Als er vor Jahren in die Stadt kam, arbeitete sie in einem Café am Altmarkt. Die Kunst war es, die ihn nach Dresden trieb und sein Sinn für die herrlichen Dinge in die Arme von so manch schöner Frau.
Marco war ein Abenteurer mit Leib und Seele. Er war überall zu Hause wo auch die Kunst zu Hause war und man sie zu schätzen wusste… auf allen Kontinenten der Welt. Und er besaß das Talent von seinen Reisen und Erlebnissen mit überzeugend großer Klappe zu berichten. Doch auch ohne ein Wort von sich zu geben, mimte er den Robinson sehr überzeugend, denn alles an ihm rief, Wild!
Seine natürlich gebräunte Haut. Seine sehnigen Oberarme. Die muskulösen Waden, die angespannt unter seinen zerschlissenen Bermudas hervorlukten.

Auf seinen Streifzügen rund um den Globus ließ er sich nicht lumpen und trieb genüsslich auf den mannshohen Wogen seiner Sexualität. Er war sich bewusst welchen Ruf man ihm andichtete und er bediente sich hinreichend jenem Klischee.

Getreu dem Motto „Spass macht, was gefällt“, avancierte er nie zum Vollmatrosen, hatte aber dennoch in jedem Hafen eine Nutte… und, ohne einen Hel daraus zu machen, stand er auch dazu.

Es war ein heißer, wolkenloser Septembertag, als Marco, auf der Suche nach einer Erfrischung, sich das erste mal in das kleine Café im Herzen der Stadt verirrte. Die Sonne flimmerte über den Sandsteinfassaden und alles Leben in der Stadt schien sich in Zeitlupe zu bewegen, wenn es nicht grade an einem der Brunnen, unter den Sonnenschirmen, oder einfach nur faul an der Elbe verweilte.
Hier Kleiner! So waren die Worte, mit welchen sie ihm schwungvoll seine grüne Fassbrause servierte.

Ein spitzes Lächeln zierte ihr freches Gesicht und ihre kurzen, schwarzen Haare unterstrichen ihr saloppes Auftreten. Laura war eine gute Mischung aus frech und unnahbar und ihre Trinkgelder waren der Beweis, dass dies ein erfolgversprechender und darüber hinaus sehr köstlicher Cocktail war.

Im kurzen Smalltalk offenbarte Marco ihr sein Leben und gab unmissverständlich zu verstehen, dass sein sprunghaftes Dasein die perfekte Plattform für unkomplizierte, leichte Affären bot.

Eine unkomplizierte Frau war sie durchaus, doch ein leichtes Mädchen auf gar keinen Fall!

Charme jedenfalls hatte er, das musste sie sich eingestehen und ein Augenschmaus war er außerdem, was auch der anderen Kellnerin im Revier nicht entging.
Wenn man Laura neben Lydia sah, so konnte man erahnen welche der beiden der Engel und welche der Teufel war.

Lydia war blond und mit einem sanft gerundeten Gesicht gesegnet, welches mit einem Hauch von Rouge an den Teint einer Porzellanpuppe erinnerte.

Sie war zu unscheinbar um eine Lara Croft zu sein und zu selbstbewusst für eine Bridget Jones. Doch mit ein paar Kilo weniger auf den fraulichen Hüften, war sie durchaus eine passable Marilyn.

-Fortsetzung folgt-

Damals und Heute

Thomas Kleinstück am 15. Juli 2016 um 12:14

Nichts ist so beständig wie der Wandel…

… Oh Gott. Wie oft ich dieses Thema wohl noch durchkauen möchte? Zäh und unnachgiebig wie ein längst schon geschmackloser Kaugummi, aber dennoch zu Schade um es ins Rinnsal der Vergessenheit zu spucken. Denn auch wenn man im Angesicht dieses immer wiederkehrenden Themas das Gefühl nicht los wird, dass sich so gar nichts verändert hat, tut sich doch in unser aller Leben eine ganze Menge.

Während die Einen den Prozess verlangsamen, indem sie unwillkürlich und zu ihrer eigenen Last darüber nachdenken und ja, sogar hin und wieder stehen bleiben um den Prozess gar zu stoppen, scheinen andere so routiniert durch den Zerfall der Zeit hindurch zu rennen, dass sie nur noch die Zahl sehen, die sich verändert, jedoch nicht den Menschen und dabei völlig den Blick dafür verlieren was hinter ihnen liegt, sei es auch noch so wertvoll.

Ein gestriger Dialog, wenn auch nur virtuell, beinhaltete eben jenes Thema. Es ging um den Wandel, die Zeit, das Unabdingbare und das stete Bewusstsein zu wissen was der nächste Schritt wäre. Denn dass es einen nächsten Schritt geben muss, um unsere Zukunft einzuläuten, steht völlig außer Frage. Getan werden muss er. Und darin liegt das eigentliche Problem… die Angst.

Angst vor Neuem, Angst vor Schwierigem, Angst vor Ablehnung und Angst vor Integration. Gesichter hat sie viele, diese Angst, aber kaum eine liegt so schwer auf dem Herzen, wie die Angst davor zu versagen und kostbare Zeit in etwas zu investieren, was am Ende doch nicht so aussieht wie wir es uns vorgestellt haben.

Ich kann mich noch daran erinnern als ich klein war. Nicht Kindergarten- oder Vorschul-Klein… eher dieses „noch-bin-ich-niedlich-stehe-aber-kurz-vor-der-Schwelle-zu-den-Abartigkeiten-der-Pubertät-Klein“. Ihr wisst schon, jenes süße von bunten Träumen und ersten Schamhaaren beseelte Alter, in dem man noch barrierefrei auf seine Zukunft zurennt und jede Unsicherheit mit einer blöden Grimasse in den Orbit der Banalität befördern durfte.

Damals, als die „Backstreetboys“ mit „As Long As You Love Me“ ein riesen Gefühlskino um unseren ersten Kuss herum projiziert haben und „Oops… I Did It Again“ zu unseren Prüfungsvorbereitungen vor sich hin Ohrwurmte. Nichts ahnend dass einige das Vergnügen haben werden, den ganzen Stress noch einmal zu haben. Sei es nun ungewollt oder aus freien Stücken. Und all diesen schier unlösbar scheinenden Problemen unserer Pubertät traten wir mit der Coolness von „The Offspring“ gegenüber und waren ganz lässig… „Pretty Fly, For A White Guy“! Was dem einen ganz souverän gelang, meisterten die anderen mit der Attitude eines „Genie In A Bottle“, aber aus unseren verhätschelten Kinderschuhen hinaus und in die verantwortungsbewussten Latschen eines Erwachsenen hinein, sind wir zu guter letzt doch alle gewachsen.

Und zwischen all diesen mehr oder minder glanzvollen Sternstunden der Popmusik entstand etwas ganz wunderbares in unseren Köpfen. Denn dort, genährt von kindlicher Naivität und getränkt vom Feeenstaub unseres jugendlichen Leichtsinnes, florierte ein blühendes Zukunftsuniversum, von dem es außer Frage stand, dass es so und nicht anders auszusehen hatte.

Ganz feucht vor lauter Vorfreude riefen wir: Hallo meine Frau… Hallo meine Kinder… Hallo mein Haus… Hallo mein Auto… Hallo, mein wertübersteigertes Ich!

Hallo … im hier und jetzt!

Denn zwanzig Jahre Später schwirrt das Zukunftsuniversum nicht mehr in utopischer Reichweite, sondern ist uns gefährlich viel näher gerückt und offenbart so manch eine fehlerhafte Wahrheit, die von weitem noch ganz anders aussah.

Freilich kann ich nur von mir reden und ein paar verirrten Schäfchen, von denen ich es unmittelbar mitbekomme. Aber ich bin mir ganz sicher dass mindestens fünfzig Prozent der Menschen da draußen heute nicht dort stehen, wo sie sich vor zwanzig oder achtzehn Jahren sahen.

Sei es nun einer Bewusstseinsveränderung zu verdanken oder den unvorhersehbaren Kapriolen des wildläufigen Schicksalsflusses, aber irgendwie kann man gar nicht genug damit beschäftigt sein die Bausteine des Alltages wieder neu zu ordnen und etwas ansehnliches daraus zu bauen, während man mit seinem Hintern, unachtsamer Weise, neue Baustellen verursacht, wo man sich eigentlich schon lange fertig gesehen hat.

Und das, wo wir uns in einem Alter befinden, in dem eine unwissende, um Verzeihung bittende Grimasse nicht mehr niedlich sondern peinlich ist. Und wenn wir recht darüber nachdenken, in einem Alter, in dem wir uns zunehmend vor uns selber rechtfertigen und entschuldigen wollen. Ist es nicht so?

Für mich jedenfalls, als Dauersingle ohne Auto, kann ich nicht ansatzweise erfassen, wann dieses chaotische Theaterstück auf harmonischeren Bühnen gespielt wird, aber eines kann ich vom ersten Akt mit Gewissheit sagen: Der Soundtrack ist Klasse!

„Reisende“

Thomas Kleinstück am 14. Juli 2016 um 23:16

Frei von Pflichten, frei von Hast, trägt uns warmes Licht,

unverstellt sind unsere Wege, ungetrübt die Sicht.

 

Neugier treibt das Rad der Zeit, nehmt ab die Augenbinden,

denn reisende sind wir im Herz, wollen suchen und etwas finden.

 

Folgen strebsam goldener Wege, den Blick nach vorn und nicht zurück,

wolln auf eigenen Beinen stehen, wolln entfliehen dem Kinderglück.

 

Baun aus Federn, Lehm und Zweigen, unserm Herz ein sichres Nest,

suchen Liebe zu empfangen und wen der sich lieben lässt.

 

Sehn uns nach Beständigkeit, zu Wasser und zu Land,

ein Herz das mit uns reisen möcht, zwei reisende Hand in Hand.

 

Doch wir lassen soviel liegen, Streben stets nach neuem Glück,

heute schwimmen und morgen fliegen, immer wieder fehlt ein Stück.

 

Man sagt, die Zeit heilt alle Wunden, bringt uns Freud und lindert Schmerz,

wenn wir auch längst das Glück schon fanden, ein Reisender bleibt unser Herz…

 

Thomas Kleinstück, 18.02.2014