Ort der Ruhe…

Die letzte Nacht brachte einen sanft fallenden Regenschauer mit sich, welcher die Stadt von Dreck und Staub des letzten Tages befreite und sie in ein jungfräuliches Gewand hüllte, welches ihr nach und nach wieder entrissen wurde um zu einem prachtvoll sonnigen Sommertag heran zu reifen. Den gesamten Vormittag hindurch zog es meine Gedankenwelt, wie magisch, an einen für mich sehr magischen Ort. Die Seele im Rosengarten baumeln zu lassen und seine Schönheit zu genießen ist eine Wohltat für die Sinne. Wohl tut mir auch die Einsamkeit, welche ich dort zu suchen pflegte und stehts auch wieder gefunden habe. So auch heute. Nur mit einem Buch bewaffnet trat ich ein in den Garten, welcher 1936 am Königsufer, das erste mal mit 6000 Rosen zum Spatzieren einlud. Heute findet man nicht mehr annähernd so viele, da menschliche Schwäche, in Form des zweiten Weltkrieges, und Launen der Natur, welche sich durch die Jahrhundertflut äusserten, nicht nur den Rosengarten stark beutelten. Dennoch verkörpert er heute noch das Gegenstück zur Architektur betonten altstädter Seite, genau wie damals. Für mich verkörpert er die Freude an kleinigkeiten und die Flucht vor dem Errichten von Statussymbolen, welche auf der gegenüberliegenden Elbseite hinreichend demonstriert ist. Zwar ist es beeindruckend zu beobachten und an Meisterhaftigkeit kaum zu übertreffen, aber dennoch,es ist was es ist, eine Fassade. Hinter welcher sich ein Wald von Einkaufszentren erstreckt und scheinbar nie aufhört zu wachsen. Dort die Schönheit der Natur zu finden fällt natürlich schwer und daher komm ich in den Rosengarten und denke an die ersten Boten des Frühlings welche sich hier im Februar an den Rändern der Wege verstecken. Auch erinner ich mich an die rosafarbene Blüte der Japanischen Kirschen im April, welche mit dem verlieren ihrer Blütenblätter einen zartrosanen Teppich über die Wiesen und Wege legen. Heute im August stehen die zahlreichen Rosen in voller Blüte und man wartet darauf, das gleich ein weißes Kaninchen vorbeieilt und man sich vor der Herzkönigin verantworten muss, während Kartenmännchen damit beschäftigt sind die fälschlicher Weise weiß blühenden Rosen rot zu bemalen, wie in Alice im Wunderland. Auf einer Bank sitzend las ich mich Stunde um Stunde aus einer Welt der Hektik in den „Chinesischen Liebesgarten“. Einer Lektüre, vollgepackt mit Erzählungen aus der Ming-Zeit. Ich weis nicht ob es das frivol anmutende treiben in der Geschichte oder die Streicheleinheiten der wärmenden Sonnenstrahlen war, aber an diesem Nachmittag erreichte mich der sinnliche Kuss einer Muse.

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