Es beginnt im Kopf…

Es war einmal, vor gar nicht all zu langer Zeit, da wurde das Vertrauen eines Jungen masslos enttäuscht. Stets hatte er die Wahl im Leben und stets traf er die falsche Entscheidung, auch wenn sie sich für den Moment als die Richtige anfühlte. Er wurde betrogen und er fühlte sich ausgenutzt und so kam es dass er sich verschloss. Er schirmte sich ab, er verbarg sich, er lies sich körperlich und seelisch gehen und wohin er auch sah und mit wem er auch sprach, es fiel ihm schwer glauben zu schenken und sich einfach mal fallen zu lassen. Obgleich es nicht immer so war, denn es gab durchaus Zeiten in denen er sich mit Vergnügen ins Leben stürzte und sich vor neuen Herrausforderungen und neuen Menschen nicht scheute. Doch die Fülle der Tretminen, welche seinen Weg pflasterten zwang ihm zum Rückzug und machte ihn über die Maßen misstrauisch. So kam es dass ein jeder, der auf ihn zuging, mit skepsis und kritischen Blicken betrachtet wurde. Fragte man ihn wie es ihm ginge, so ging es ihm nicht gut. Er suhlte sich in Selbstmitleid und er machte auch keinen Hehl daraus, dieses nach besten Kräften nach außen zu tragen und einen jeden, der seinen Weg kreutzte, daran Teil haben zu lassen.

Wenn Menschen seine Bekanntschaft machen wollten, mussten sie ihn schon ordendlich bauchmietzeln um zu erreichen was sie gerne erreicht hätten. Mit viel Geduld hörten sie sich sein Klagelied an und sprachen ihm beständig und ausdauernd gut zu. Doch ohne Erfolg. Jedes Wort was ihm entgegnet wurde drehte er dreimal um und hinter jedem Gesicht befanden sich Abgründe, Hintergedanken und ein ganzer Berg schlechter Gewohnheiten, wie sie ihm auf seinem Wege zu genüge begegnet waren. Er war unzufrieden, mit allem und jeden und am meisten mit sich selbst. Er wusste nicht was er will und wusste nicht was er hat und am allerwenigsten wusste er wie es weitergehen soll. Vielleicht suchte er mit seinem Verhalten nach einer helfenden Hand, die ihn mit Kraft und Ergeiz aus seinem Sumpf ziehen würde… einen Sumpf der sich von Minute zu Minute weiter um ihn ausbreitet und das nur weil er behäbig an seinen eigenen Wehrten festhielt. Die Menschen waren sehr geduldig und hörten sich an was er zu sagen hatte, doch je mehr sie merkten, dass es sich immer wiederholte und er nur darüber redete ohne etwas zur Besserung seiner Situation beizutragen, begannen sie sich abzuwenden. Es gab schließlich genügend andere nette Personen, die weitaus einfacher Hand zu haben waren und mindestens ebenso interessant sind.

So geschah es, dass er mit dem Nachdenken nicht mehr fertig wurde und langsam aber sicher in seinem Moorast zu ertrinken drohte. Er nahm seinen Geist zusammen und kniff die Arschbacken fest aneinander und ging auf wackeligen Beinen ein paar Schritte gradeaus. Auch wenn es hinter seinen Kulissen noch sehr wüst aussah strebte er nach vorn und begann sich mit seinen Problemen ausseinander zu setzen und die Erfahrungen die er sammelte waren keineswegs schlecht. Ganz im Gegenteil. Er küsste sogar den ein oder anderen Frosch und unter denen befand sich sogar ein verwunschener Prinz.

Das klingt jetzt zwar wie ein Märchen, doch das ist es keineswegs. Den Prinz den er fand gibt es in seinem Leben schon lange nicht mehr, aber das Vertrauen an sich selbst hat er nicht verloren. Er hat aufgehört die Schuld an seinem Dasein bei anderen zu suchen und sieht sich als den Schmied seines eigenen Glücks. Fraglich ist nur, warum er es hat so weit kommen lassen? Warum stellte er sich stets ins falsche Licht? Warum hat er nicht versucht aus den begangenen Fehlern das Positive und den Lehrneffekt herauszupicken? Wir alle streben nach dem Wohl für uns selbst. Wir wollen für uns selbst nur das Beste und das Beste ist uns grade mal gut genug. Wir bauen ständig an einer Baustelle die für uns im Moment die wichtigste zu sein scheint. Getreu nach dem Motto: Meine Frau, mein Haus, meine Kinder, mein Auto, versuchen wir die vielen kleinen Bestandteile des Lebens unter einen Hut zu bringen und zu einem harmonischen ganzen zusammen zu fügen. Doch die Mittel mit denen wir dies zu erreichen versuchen sind oft mals die Falschen.

Wenn wir uns permant selber schlecht reden und uns ständig Fehler zusagen, welche im Grunde genommen keine Fehler sind, so hat das den Vorteil, dass wir beim ersten realen Treffen einen besseren Eindruck hinterlassen als das Bild welches im Kopfe des Gegenübers bis dahin entstanden ist, wenn es sich nicht schon längst abgewendet hat, oder sich dagegen entschieden hat diesen ersten Eindruck erneut statt finden zu lassen. Wir hinterlassen aber eine Menge Fragezeichen. Denn wo ist denn da die Glaubwürdigkeit? Wir sind nicht selbstbewusst, wir sind enttäuscht, misstrauisch, wir kommen mit uns selber nicht klar, doch unser Auftreten vermittelt einen völlig anderen Eindruck. Wir lachen, wir sind redseelig, wir sehen gut aus und reden mit einem Bewusstsein über unsere Vergangenheit dass man nur schwer den Eindruck bekommt dass irgendetwas an dieser Szene falsch sein muss. Nur was? Im Endeffekt lässt unsere eigene Glaubwürdigkeit zu wünschen übrig und das Gegenüber sollte das Misstrauen hegen. Ich habe die Erfahrung gemacht, das es anstrengend ist und die Menschen in unserem Umfeld strapaziert, wenn wir rigoros nach Mitleid haschen. Natürlich ist es kein Fehler andere nach einem guten Rat zu bitten, doch im Grunde sollte dieser Rat nur zur eigenen Urteilsfindung beitragen und nicht die eigenen Perspektiven ersetzen. Sich selber treu bleiben ist das Zauberwort. Doch guter Rat ist teuer, wenn man sich selber noch nicht so recht gefunden hat. Auch wenn der berufliche Werdegang und das soziale Wesen schon klar deffiniert ist so kann in der Frage zur Orientierung im sexuellen Sinne nur einer die Antwort geben und das sind ausschließlich wir selbst.

Ich habe leichtes Reden. Mein Weg ist geebnet. Mit fünfzehn habe ich mir schon meine Gedanken drum gemacht und mit achtzehn wusste ich genau was ich wollte. Es dauerte zwar und war von vielen Zweifeln und Fragen begleitet, aber das ich Schwul bin steht für mich außer Frage und ich weis was ich in dieser Hinsicht möchte. Mein commingout habe ich zwar erst gewagt als ich jemanden hatte den ich meinen Freund nennen konnte… denn es gibt ungemein Rückhalt… aber ich habe nie mit dem Gedanken gespielt mich irgendwann einmal wieder in ein Mädchen zu verlieben. Nun gestaltete sich bei mir alles recht einfach und unkompliziert, denn ich habe eine wunderbare Familie, die ganz wunderbar damit umgeht und dafür bin ich über die Maßen dankbar. Aber ich könnte ja auch mit dem Gedanken durch die Welt rennen die Augen nach dem Nächstbesseren offen zu halten… sei es nun Männlein oder Weiblein… nein, ich tu es nicht. Ich könnte warten bis sich aus einem riesigen Pool von Erungenschaften das absolute, einmalig schöne, prestigeträchtige Wesen an meine Seite heftet, welches alle meine Ansprüche erfüllt und mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit auch noch die Ansprüche der Menschen, die mich umgeben, aber wenn ich diesen Diamanten zwischen den Krohnjuwelen des englischen Königshauses suchen würde, wäre der Weg wohl mit wenig Erfolg gekröhnt und ich müsste mich kurz über lang mit dem Gedanken anfreunden meinen Weg alleine zu gehen. Im großen und ganzen ist es ratsam sich selbst erst einmal am besten zu sein und ständig an seiner eigenen Prestige zu pfeilen um gewisse Zielgruppen dann nach meinen Wünschen anzusprechen. Denn auch wenn die Frage geklährt sein sollte ob ich nun Mann oder Frau bevorzuge, so gestaltet sich die Orientierung unter diesen zwei Kategorien um eine ganze Menge vielseitiger und nicht jeder Topf harmoniert mit jedem Deckel. Wie diese Harmonie auszusehen hat muss jeder erst einmal für sich selber entscheiden und nach diesen Faktoren gilt es dann zu suchen… Es beginnt alles im Kopf.

4 Kommentare zu “Es beginnt im Kopf…”

  1. spontiv

    um sich selber treu zu bleiben muss man erst einmal wissen wer man selber eigentlich ist.

    das wissen aber leider nur die wenigsten.

  2. Heffa

    Aber sie ahnen es und können die Zeit nutzen um genügend auszuprobieren und daraus resultierend irgendwann einmal zu wissen wer sie sind.

  3. spontiv

    Hmm. Nö. Ich glaube viele ahnen es nicht einmal. Viele Menschen glauben das ihr Leben von den Rahmenbedingungen abhängt – und die halten sie nicht für änderbar.

  4. Heffa

    Aber der Rahmen sprengt sich doch hier und da… ohne ein Zutun… von selber und man ist gezwungen Veränderungen in Kauf zu nehmen. Spätestens dann sollte der Groschen gefallen sein und die Einsicht Einzug halten, dass es so etwas wie einen Rahmenlehrplan oder Rahmenbedingungen für das Leben nicht gibt. Oder glaubst du das es Menschen gibt, in deren Leben derartige Gradlinigkeit herrscht dass sie förmlich warten müssen dass die Sonne untergeht, damit sie schlafen können?

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