Einen Orgasmus im Kopf oder Erdbeeren im Winter?

An einem Ort wie Dresden gibt es Seiten, welche ich hochgradig liebe und schätze.

Auch wenn man sich in mitten der Stadt von Zeit zu Zeit etwas einsam fühlen kann, so müsse man keine großen Wege auf sich nehmen um es auch tatsächlich zu sein und zu leben, so wie in den Wäldern der Heide.

Am nächsten Morgen war die Einsamkeit der Nacht vorübergehend verflogen und ich traf mich zum Spaziergang im tief verschneiten Prießnitzgrund mit Laura, einer Tagesmutti hier in Dresden und engere Bekannte von mir.

Wir trafen uns ab und an, dem gemeinsamen Interesse halber, zum joggen, was unserem Bekanntheitsgrad einen Gewissen lockeren Touch verlieh, ihn aber noch nicht in den „ultra engen Freundschaftshimmel“ erhob. Wir sahen uns hin und wieder und plauderten ausgelassen, aber konnten auch gut damit leben, wenn dies nicht geschah.

Laura war eine dieser selbstbewussten, sportlichen Frauen, mit den Haaren von Amanda Seyfried und den feurigen, schwungvollen Lippen von Kat Dennings.

Süß aber dennoch ein Vamp, durch und durch eine Lolita. Während ihr Erscheinen oft kindlich naiv wirkte, waren ihre Ansichten durchaus erwachsen und respektabel. Wenn ihr mich fragt erstklassige Voraussetzungen für den Umgang mit Kindern, von denen auch wir, die sich als nahezu erwachsen fühlten ab und zu profitieren konnten.

Ihrer Ansicht nach benötigte weder der Liierte noch der Single ein Antibiotikum zur Genesung, da sie es weniger für einen Zustand, als vielmehr für eine Wahrnehmung hielt. Denn so wirklich alleine konnte man doch gar nicht sein, selbst wenn man sich noch so sehr Mühe dabei gab. Mann müsse sich doch nur mal umschauen und schon würde man bemerken, dass man selbst hier im Tal, wo die Prießnitz fließt, hinter jedem knöcherigen Baumstamm und jedem dornigen Strauch auf Menschen treffen konnte.

Ein wirkliches „Alleine“ konnte es demnach nicht geben und ich stimmte ihr zu, doch nicht ohne den Einwand zu bringen, dass es wohl einen Unterschied gäbe zwischen physischer und psychischer Einsamkeit. Laura musste eingestehen, dass ich durchaus recht hätte, denn sie selber würde zwar einen physischen Orgasmus bevorzugen, habe aber trauriger Weise schon häufig erfahren müssen, dass der Orgasmus im Kopf weitaus besser war.

So konnte man es freilich auch formulieren, doch ich vergleiche es dann doch lieber mit der Situation, wo man etwas sehr Appetit anregendes sieht, sich fest, süß und saftig vorstellt, statt dessen aber hart, fade und trocken bekommt und maßlos davon enttäuscht ist… wie Erdbeeren im Winter!

Was mich zu der Einsicht brachte, dass ich hätte frühstücken sollen bevor wir uns trafen. Da ich mir denken konnte, dass eine Konversation zwischen uns zweien stets drei Meinungen ins Visier nahm:  Lauras, meine und die sehr eigenständigen Gedanken von Lauras stark ausgeprägter Libido.

Unterdessen beobachteten wir, wie ein junger Mann seine junge Freundin unter die Arme greifend stützte und sie somit vor einem Sturz auf eisigem Boden bewahrte. Ich vermutete während ich einen posttraumatischen Spaziergang tat, handelte es sich bei dem Pärchen möglicher Weise um einen postkoitalen, der das romantische Valentinsdate und die darauf folgende wilde Valentinsnacht ausklingen lassen sollte.

Und ich war erschüttert, dass hier in den Wäldern anscheinend nicht nur andere Menschen spazieren gingen, sondern ganz offensichtlich auch meine Problemchen und Sorgen.

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