Ein Wald, kein Wolf, aber viel Rotkäppchen!!

Raus aus der Stadt, wir gehen in die Pilze! so stand es uns im Sinne und so taten wir es gestern auch. Wir packten unsere Körbchen ein, suchten uns ein gängiges Schneidewerkzeug in den heimischen Besteckkästen und zogen fest entschlossen etwas zu finden in den Kampf gegen Flechten, Moose und diversen Geziefer. Die Fahrt war unendlich und das Ziel namenlos. Mein Fahrstiel war wiedermal meisterhaft abenteuerlich und das machte die Odyssee ungemein interessant. Ebenso interessant muss es wohl ausgesehen haben, als mein Auto ruckartig rechts abbog und wie vom Erdboden verschluckt, standen wir im Wald. Kein Weg, kein wirklicher Parkplatz aber für meinen kleinen Flitzer war Platz genug, ein Dickicht versperte uns den Blick und lies unsere Herzen höherschlagen, denn wir waren uns einig… hier musste es Steinpilze geben. So nannten sich nämlich unsere Favoriten. Unsere Wahl der Körbe ist eindeutig zu gross ausgefallen. Da wir die späten Nachmittagsstunden erwählten, um unserem Sammlertrieb zu folgen waren wir uns der Tatsache bewusst, das schon Plünderer… vorzugsweise Silverager… vor uns ihr Werk verrichteten und angesichts ihrer vorhandenen Zeit auch wesentlich erfolgreicher waren. Zahllose Schnittstellen waren stille Zeugen. Das gesammte Fassungsvermögen der Körbe betrug ca Zehn Liter und dieser Aspekt war wenig Motivation, denn wir hätten wohlmöglich bis in die frühen Morgenstunden sammeln müssen um diese zu füllen. Vorausgestzt man findet auch und sucht nicht nur. Denn die erste halbe stunde ließen sich keine beigefarbenen Hutträger blicken aber wir wussten die frische Luft und Bewegung im Wald genügend zu schätzen um den Spass an der Sache nicht zu verlieren. Auch nicht als wir uns verloren und wir laut rufend durch den Forst irrten. Unsere Handys waren ebenso zwecklos, denn wie beschreibt man denn etwas das überwiegend grün, braun, borkig, blättrig und moosig aussieht, eben alles um uns sah aus wie Wald. Misch und Nadelgehölz ohne grossen Schnörkel. Am Auto irgendwann, bemerkten wir das die Ausbeute eher dezent ausfiel, was natürlich auf die Tatsache zurück zu führen war das wir doch mehr mit dem Suchen von uns selbst beschäfftigt waren als mit dem eigendlichen Hintergrund unserer Waldläuferei. Nebenbei saß uns noch der Gedanke an Zecken, Spinnen und anderem garstigen Insekten im Nacken, während wir durch kinnhohe Farne jagten. Das beschleunigte unsere Geschwindigkeit natürlich ungemein. Auf dem Rückweg hielten wir noch kurz bei Mc Donalds, denn unser geplantes üppiges Pilzmahl, würde wohl niemanden wirklich satt machen. Ausserdem brauchten wir nen starken Magen und starke Nerven, denn mein Fahrverhalten an diesem Tag, war unverändert nervös. Good luck!

Zu vortgeschrittener Stunde bewaffneten wir uns mit einer Flasche halbtrockenen Rokäppchen Sekt und gesellten uns zu einer abendlichen Plauderrunde, wie sie in der Neustadt wohl vielerorts zu finden ist, aber stehts hinter geschlossenen Türen stattfindet. Jeder Neuankömmling schien zu wissen, das man mit Sekt in der Hand gleich doppelt herzlich begrüßt wird und so blieb es nicht bei einer Flasche, sondern es waren zum Schluss fünf die alle wurden und zwei die immer voller liefen. Nämlich ich und mein Begleiter. Mir tat es in der Hinsicht gut, da ich meine Prüdheit, mit welcher ich abgestempelt wurde, ablegen konnte und die ein oder andere Spitze gegeben habe. Wobei andere ihr angespantes Verhältniss zum Landleben nicht ablegen konnten oder wollten. Muh! Die Runde war bunt und unterhaltsam, schon in ihrer Zusammenstellung. Es gab eine Mutti, eins zwei Madames und eine Kuh, aber alle waren wir Männer. Zwei die ernergisch über die Diven der Schwulenszene plauderten, sie gingen förmlich auf dabei und drei welche Schach spielten. Ich kam mir dumm vor, denn die Regeln dieses Spiels waren mir nicht vertraut. Das müssen meine Grundschullehrer versäumt haben mir bei zu bringen, denn der Rest der Gesellschaft war sich einig, das es zum Lehrstoff gehörte und sie haben es alle dort gelehrnt. Höchstwahrscheinlich zwang mich mein rüpelhaftes Wesen, schon damals dazu die Schule zu schwänzen und dabei muss es mir entgangen sein. Das war ein Scherz! Jedenfalls hat mein Leben auf dem Land mir die Erkenntniss gebracht, wenn einer rülpst und man ihn Bauer nennt, es durchaus seine Berechtigung hat. Denn früher konnte ich oft beobachten, wie Landwirt X zum Tor A ging, einen Apfel aus seiner Hosentasche zog, genüsslich hinein biss und lauthals rülpste. Schön waren die Zeiten und ruhig war es dort. Ein Bestand den man zu schätzen wissen sollte, denn sonst sollte man das ländliche Leben lieber meiden. Der Tag wurde später, die Augen kleiner und die Sinne dank permanent gefüllter Sektgläser… an dieser Stelle sollte man den Gastgeber loben… immer benommener. Auch nahmen die Stichellein in meine Richtung immer mehr zu, so kam es mir vor. Was sicherlich darin begründet lag, das ich mich nicht mehr wehren konnte und was sollte ich entgegnen, ich kannte schliesslich niemanden so recht. Zumindest keinen meiner verbalen Peiniger. Ich ließ also die Stichellein an mir vorbeiziehen, denn jede Äusserung meinerseits hätte nur neuen Zündstoff gegeben und ich überlegte mir, ob diese Küche eine von den typischen Gerüchteküchen war und mit jedem Wort das fiel, wurde der Eintopf würziger und delikater und jeder rührte mal den Löffel um, zum nachvollziehen welche Zutat noch fehlte und welche schon zu viel drin war. Die Szene ist bekannt für ihren Klatsch und Tratsch und es gibt sicher viele Vertreter, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, dieses Klischee am leben zu halten. Was von den Dingen brauchbar ist, kann jeder für sich entscheiden und was überhaupt noch der wahrheit entspricht wenn etwas an die Ohren dritter gelangt ist ebenfals fraglich, denn häufig ist es so, das frisch ausgesprochene Dinge nicht mal mehr der Wahrheit entsprechen, sei es aus Selbstschutz oder aus Geltungsbedürfniss. Und wenn man jemanden nicht kennt sollte man sich ein Urteil oder eine Zensur gänzlichst verbieten. Genug der Moralpredigt, denn dieser Abend hatte eine angenehme Wirkung und einen schönen Charakter und kam wenig gestellt oder gekünstelt daher. Dies konnte natürlich auch eine Illusion meinerseits oder eine Nebenwirkung des Alkoholkonsums sein. Jedenfalls sang Katja Ebstein im Player ihr „Theater“ und mir Gefiel dieses Stück wirklich gut. Eine Zugabe wäre mir genehm.

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