… ein Tagtraum in Weiß…

Seit je her wundern sich die Menschen und tun dies auch offen Kund, weshalb ich oft einfach so dastehe und zum Fenster hinaus sehen würde.

 

Nun, auch wenn es verrückt klingt, aber Fenster sind zu eben jenem Zwecke da. Und an Tagen wie heute, wäre es purer Frevel es nicht zu tun! Denn es schneit. Und auch wenn vielen Menschen der zarte Schmelz aus dem Himmelreich ein unwillkommener Gast ist, so wünsche ich mir Jahr ein Jahr aus, dass wir Schnee haben. Denn den Fingerkuppen großen Froststernen zugucken zu dürfen, wie sie schwerfällig ihren Weg zur Erde bestreiten, versetzt mich jedes mal aufs Neue in eine behagliche Trance.
Doch so wie ich es heute spüre, habe ich es schon lang nicht mehr wahrgenommen…
Wie kleine watteweiche Wolkenkissen tanzen die Flocken hypnotisierend vor dem Fenster meines Schlafzimmers umher… zu einem Lied dessen Melodie von weit entrückten Instrumenten geflüstert wird… deren Tonleiter die Oktaven der Stille spielt… Es ist wie ein Traum…
Mal schneller, mal langsamer, mal scheinen sie Still zu stehen. Die einen wiegen schwer, während andere leicht und filigran wie der Flügel einer Biene vom Himmel herab schweben… grade denken sie den Weg zur Erde hinter sich gebracht zu haben, als eine eisige Böe sie wieder empor treibt. Ein geisterhaftes Schauspiel, als würde die Welt plötzlich auf dem Kopf stehen… die Zeiger der Uhr kurz still stehen und die Zeit sich dann zurück drehen…
Vor dem aschfahlen Firmament torkeln sie wie fransige kleine graue Geister auf mich zu und werden heller und weißer… fast leuchtend… je näher sie mir kommen…
… im vorbei schweben flüstern sie mir mit einem eisigen Stich den Frühling aufs Ohrläppchen, bevor sie wie Sternschnuppen auf dem schwarzen Asphalt verglühen…
… wer den Schnee sich nicht wünscht, muss wohl das Träumen aufgegeben haben…

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