„Ein geschenkter Tag“ von Anna Cavalda

So wie ich erfolgreich „Das Labyrinth der Wörter“ entwuselt und mich einem Spaziergang unter der Frühlingssonne gleich wieder herausgefunden habe überkam mich plötzlich ein Gefühl…

… „Ich wünschte mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet“ und als ich den Stapel noch ungelesener Bücher sah, welcher glücklicher Weise von mehr Fülle gesegnet ist, als sich Erinnerungen an ausrangierte Liebhaber in meiner Molle suhlten… umgekehrt wäre es weitaus weniger erträglich, war ich mir sicher, dass auch dieser Wunsch mir in Erfüllung gehen sollte.

Denn mit dem Adieu Marie-Sabine Roger, kam gleichermaßen ein Salut über meine Lippen und ich schloss, eine mir gute, alte Bekannte in die Arme, von welcher mir zwei Dinge noch in wohl gehegter Erinnerung lagen, denn ich wusste…

… mit ihr „zusammen, ist man weniger alleine“ und jener Tatsache war ich mir bewusst denn…

… „Ich habe sie geliebt“…

… und so ließ ich mich ein Stück meiner weiteren Wege von Anna Cavalda begleiten und sie schenkte mir ihrer Seits einen Tag. Denn vielmehr benötigte es nicht um die 138 Seiten ihres Neulings zu durchschwimmen und mich von den Wellen dieses zauberhaften Roadtrips forttragen zu lassen.

Dass sie sich einen Platz am Tische meiner Lieblings Autoren und Autorinnen ergattert hat ist nichts neues und oft schon habe ich sie erwähnt und auf ihre fabelhaften Künste hingewiesen. Doch dass sie es auch immer wieder schafft ihren Thron erfolgreich zu verteidigen ist im Grunde genommen sogar mir ein Rätsel… klingt komisch, ist aber so…

Denn anders als die meisten Schriftsteller, welche sich um durchstrukturierte und in sich geschlossene Geschichten bemühen, hat man bei Anna ihren Erzählungen das Gefühl, dass sie aus dem Nichts heraus beginnen und im Nirgendwo enden würden… viel Platz für Eigeninterpretation ist also vorprogrammiert und keinesfalls negativ zu wehrten!

Schlägt man das Buch „Ein geschenkter Tag“ das erste mal auf, so ist es, als würde man in alten, ewig verborgenen Tagebüchern stöbern und willkürlich eine Seite darin aufschlagen um einfach mit dem lesen zu beginnen. Zunächst hat man mühe sich hinein zu versetzen… ähnlich als würde man nach etlichen Jahren wieder beginnen „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zu gucken… doch es dauert nicht lang und die vertraute Sprache und das blumige Gefühl ihrer Art zu schreiben berauben einen der Realität und ehe man sich versieht, sitzt man mit Simon, Garance und Carine im kleinen roten Vehikel und ist auf dem Weg zu der Hochzeit eines Verwandten…

Ein Ehemann welcher vielmehr seine Frau erträgt, als sie zu lieben… eine Ehefrau, welche in jeder Mikrobe das Ende ihres eigenen Lebens wittert und die Schwägerin, ihres Zeichens Schwester des Mannes, welche sich aus Viren und Bakterien absolut gar nichts macht und auf Grund eines ungeschickten Händchens mit Männern, ein unabhängiges, unbeständiges Lotterleben führt, legen Gespräche und Gedanken an den Tag, welche zum Schmunzeln, Nachdenken und Beobachten anregen.

Man befindet sich auf einem Roadtrip in die verworrenen Konstrukte einer Patchworkfamilie und erwartet brav angeschnallt auf dem Rücksitz sitzend das dazu stoßen von Lola… der zweiten Schwester im Bunde und eben so frei wie die erste weil, grade frisch geschieden… ihr seht also an Gesprächsstoff ist eine Menge vorhanden, an Langeweile ist nicht zu denken und man rast in einer roten Ente geradewegs auf den Gipfelpunkt zu, welcher darin besteht, dass der vierte Geschwisterteil der Hochzeit nicht beiwohnen wird und die übrigen Geschwister sich klangheimlich aus dem Staub machen um ihren Bruder zu besuchen.

Den Dunstkreis ihrer zusammengewürfelten Familie hinter sich lassend, tauchen die vier für einen Tag und eine Nacht noch einmal in die Gefühlswelten der Vergangenheit ab und genießen eine Zeit, von der ein jeder von ihnen glaubte, dass sie längst verloren gegangen ist und dass sie so nie wieder statt finden würde… sie holten sich das wohlige, unbeschwerte Gefühl ihrer Kindheit zurück und schenkten sich somit einen traumhaften Tag.

Und ich? Ich erhielt das Geschenk mitten drin statt nur dabei zu sein, denn wie keine andere versteht es Anna Cavalda mich in ihren Bann zu ziehen.. mich zu fesseln… mich schmunzeln, lachen und weinen zu lassen… mich zum beobachten zu verführen und mir zu wünschen, dass dieses Buch nie ein Ende finden würde.

Denn es fühlte sich genauso an, wie die Szenerie, welche erhaben den Einband ziert… eine rote Ente in mitten eines endlosen Meeres aus blühendem Lavendel!

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