Die Physik und Intimität der Teilchen

Ein Phänomen, dass die Wissenschaft vielleicht mit Polarer Atombindung erklären würde. Wobei die Standpunkte der Individuen unterschiedlicher Ausgeprägt nicht sein können, sie aber dennoch einen minimalen Prozentsatz der entgegengesetzten Ladung in sich beherbergen, auf Grund früherer Polarisierung.

In diesem speziellen Fall stehe ich, auf Grund einer Vergangenen Liaison noch etwas… wenn es sich dabei auch nur um die wagen Erinnerungen daran handelt… mit Liebe behaftet und mit beiden Beinen fest im Singleleben, einem Kopf über in Wolke sieben steckenden und von Amors Pfeilen durchlöchertem Venusopfer gegenüber.

Der zwar in rosa Plüsch eingelullt ist und sich dort sichtlich wohl fühlt, aber seiner Vertikalstellung verschuldet die Augen… wenn auch verschlossen…  in Richtung Boden und somit in seine eigene, singlelastige Vergangenheit gerichtet hat.

Im idealsten aller Fälle würde beim Aufeinander treffen zweier so unterschiedlich geladener Teilchen ein Ladungsausgleich stattfinden, welcher dazu führt dass ein neues Molekül entsteht.

Was im Kontext bedeuten würde, dass ich plötzlich von Liebe erfüllt seine Hand ergreifen würde und sagen würde: Meins! oder er im Gegenzug von den Freuden des Singlelebens angesteckt seine Freundin verlassen würde, mir auf die Schultern klopfen würde und mit mir zusammen ein Bier kippen geht, oder mit mir… wie auch immer!

Da er aber so überzeugend hetero war wie der Papst katholisch und ich auf gar keinen Fall ein Bier kippen würde, war der Raum unserer Begegnung nicht erfüllt von uns, sondern nur durchwirkt. Überall waren Schwachstellen, Risse und Löcher, die dazu führten, dass es zu Schwankungen in der Spannung kam, wie das nächtliche Bild einer Großstadt, deren Stromnetz völlig überlastet ist.

Hinzu kommt erschwerend dass wir… wenn ich sage wir, dann meine ich vielmehr mich… es nie zuließen unsere Smal-Talk-Themen über das übliche „Hallo wie gehts?“ und „Hui… es schneit schon wieder!“ hinauswachsen zu lassen. Lediglich ein paar Rahmeninformationen konnte der Sherlock Holmes in jedem von uns erhaschen oder kombinieren.

Ein flüchtiger Blick auf sein Portmonnaie während er seine Bahnkarte wegsteckte, als ich ihm an der Haltestelle Bautzner-Ecke-Rothenburger begegnete, verriet mir zum Beispiel dass er eine Freundin hat. Da das einzige Lichtbild was er mit sich trug eine junge Frau zeigte, welche zu alt war um seine Tochter zu sein, zu jung war für seine Mutter und ich davon ausging, dass sich hinter diesem jungen Mann keine gar zu perverse Realität verbarg, kam ich zu diesem Schluss.

Gefestigt wurde meine These, als er mir etwas später ungefragt den Input auf`s Brot schmierte, dass er demnächst mit seiner Freundin in den Skiurlaub fahren würde, was mir die Zusatzinformation brachte, dass er wohl sportbegeistert sei und mich unwillkürlich vor die Frage stellte: Von was können sich Studenten einen Urlaub und derart teure Hobbys leisten?

Und mich für meinen Teil verriet mein Schlüsselbund. Es war wohl das daran befestigte regenbogenfarbene Armband was ihn darauf kommen ließ, dass ich am anderen Ufer angeln würde. Er hinterfragte es nie und ich dementierte es nie und so wussten wir es beide, aber keiner sprach es aus.

Im großen und ganzen wussten wir von einander nicht zu viel und nicht zu wenig, so dass unsere Ausgangsposition gar nicht so befremdlich war. Wir genossen bloß nicht das Quentchen Nähe und Intimität welches zum Energie- oder Impuls-Austausch geführt hätte.

Unser Fall begünstigte weniger die atomare Bindung, als vielmehr den Zerfall und was in der Kernkraft als schwache Wechselwirkung bekannt ist, würde sich zwischen uns mit einem weit weniger wissenschaftlichen Wort beschreiben lassen…

… Desinteresse! Ein klarer Fall.

Es war also kein Wunder, dass er mich, wo wir uns quasi überhaupt nicht kennen, in die Flucht schlug indem er mir, bei keinerlei intimer Atmosphäre, eine derart gewichtige Frage stellte!

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