Die Nacht und ihr Scherge

Und wieder geht eine Woche zu Ende und zerberstet in den steinigen, schroffen Schluchten der Vergangenheit… oder war es nur ein Tag?… ich kann es nicht deuten, es ist zu verschwommen und nur die Blessuren und Male, die sich wie kleine Erinnerungen auf meinem Körper niedergelassen haben, erzählen leise die Geschichten der zerronnenen Zeit… viel zu schnell war sie vorüber…

… sie reden von rechts und fragen von links, immer meine Aufmerksamkeit auf sich ziehend und meine Unachtsamkeit herausfordernd… diese Stimmen… diese Farben… diese Bewegung… alles nur Ablenkungsmanöver, welche die Stunden zu Sekunden machen und all die kleinen Momente in die Vergangenheit schieben und in die Versenkung des Vergessen… nein, in die Versenkung des… nie erfahren zu haben… ohne dass man nur den Hauch einer Chance gehabt hätte auch nur einen von ihnen bis zum Erbrechen auszukosten…

Wie sie schmecken?… werde ich wohl nie erfahren… wie sie sich anfühlten?… wie Wind, der die kleinen Haare auf meinem Arm kurz aufstellt und genauso schnell verflogen ist wie er aufkam… was sie sagten?… wäre es wichtig gewesen, so wären sie zurückgekommen… all diese kleinen, lauten, vielfältigen Augenblicke die wie Irrlichter an mir vorüberrauschen und sich wie Glühwürmchen nicht von mir einfangen lassen und doch sind sie reell und greifbar und während sie mich höhnisch beäugen, versuche ich noch flüchtig den Halter der Marionettenkreuze ins Visier zu nehmen, um ihm einen strafenden Blick zu zuwerfen…

… ja, ich versuche ihn mit meinen Blicken zu strafen…diesen Schelm… der sie dort tanzen lässt und unentwegt ein Netz um mich herum spinnt, welches mir eine flauschige kleine Wolke für die Nacht bieten soll. Der Tag ist ihr Scherge und treibt mich in ihre Fänge und ich werde froh sein, das weis er, mich in dieses gemachte Bett fallen zu lassen… es genießen und noch bevor ich anfange einen dieser verloren gegangenen Momente wieder zurück zu holen wird sie mich auch schon betäubt haben und dann… dann wird sie mich fressen… so wie immer…

… und immer und immer wieder wird sie mich hochwürgen und wieder ausspeien und mich frisch und unverdorben in die nächste Etappe spucken… in die nächsten Tage, die es zu durchrennen und in die Vergangenheit zu schieben gilt… und doch… ich freue mich auf die Nacht. Denn sie hält einen blassen, mir fremden Stern bereit. Sie schickt ihn wann immer sie will und er wird mir erzählen… mich fragen… mich lächelnd machen und ich… werde mich ihm anvertrauen… weil es gut tut…

… es ist nicht alltäglich, nahe zu surreal… doch ich weis, dass ich prädestiniert  dazu bin, solche Geschichten magisch anzuziehen und ich werde sie mit Wohlwollen bereichern, denn ich bin dankbar…

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