Das Schneeglöckchen

Ich vernahm ein Glöckchen klar und fein

durchs Schneegestöber klingen,

es fror und fieberte ganz allein,

hört ich es traurig singen.

 

Von süßer Sehnsucht sprach sein Lied,

zwei Seelen die entrückt,

als hät’s verloren was es liebt

und sehnt sich’s nun zurück.

 

Ein warmer Fühler weckte einst,

das zarte, schmale Glöckchen,

gelbgrün der Hut, der Schirm Schlohweiß

und grasgrün seine Söckchen.

 

Von Eis und Erde war’s bedeckt,

alsbald die erste Sonne,

mit mildem Kuss den Schlummer weckt,

welch hoffnungsvolle Wonne!

 

Die sonnendurchfluteten Morgenstunden,

ein Himmel in Rosapastell,

nie hat’s solch Herrlichkeit empfunden…

waren des Glöckchens Gedanken so hell!

 

Einst brach’s zerknittert ans Tageslicht,

geweckt vom Sonnenschein,

doch Frühling war es lang noch nicht,

der Winter brach wieder herein.

 

Zu früher Glanz im Dämmerschleier,

zu früh die belebende Wärme,

noch barg der Horizont die Leier,

noch strahlten des Winters Sterne.

 

Da stand es verlassen und allein,

umgeben nun von Schnee,

zwar wollt’s ein Schneeglöckchen gern sein,

doch Kälte tat ihm weh.

 

Von Stund an hörte man`s besingen,

jenes melancholische Bild,

bis neue Wärme wird durch die Wolken dringen

und das Glöckchen in Lichte hüllt!

 

Thomas Kleinstück, 31.01.2015

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