Blue Jeans

„Mach dir einen schönen Abend mein Schatz. Ein schönes Glas Merlot, eine kuschelige Decke… draußen ist`s kalt… ich glaube im Fernseher läuft heute „Ein gutes Jahr“… die kleine Französin Marion Cotillard, die siehst du doch so gern… „, Lars gab Steve einen Kuss auf die Stirn, „… so ich muss los. Warte nicht auf mich!“.

Mit jener Geste und diesen Worten verabschiedete sich Lars von Steve und floh in die Arme eines anderen und wie zum Hohn sang im Radio Lana del rey… „Blue Jeans“.

Ein Szenario welches Steve geläufig ist und an welches er sich im Laufe der fünf jährigen Partnerschaft längst gewöhnt haben müsste, doch von Zeit zu Zeit beschäftigte es ihn mehr als er es zulassen wollte und es fiel ihm schwer mit dieser erzwungenen Einsamkeit um zu gehen.

„…. but he headed out on Sunday, said he’d come home Monday, I stay up waitin`… “

Trotz der Kälte des Winters war es ein so wunderschöner Tag. Sie genossen gemeinsam die freien Stunden und gingen mal wieder nach Herzenslust shoppen. Sie suchten sich gegenseitig verspätete Valentinstagsgeschenke, erprobten in der Parfumabteilung von Karstadt die Düfte der Stars… sie fanden es aufregend herauszufinden wie David Beckham, Sarah Jessica Parker, Britney Spears und Co. wohl duften mögen…

… sie liebäugelten mit einem herrlich rustikalen Holzstühlchen bei Jo+Co, stöberten und wühlten sich eine gefühlte Ewigkeit durch die vor Büchern überquellenden Regale im Haus des Buches und nachdem sie ein wohlverdientes Haselbauer verzehrten, stellten sie sich im Perfetto ihr perfektes Abendessen zusammen.

„… anticipatin`…“

Steve beschäftigte sich unweigerlich mit der Frage, warum es Lars, nach einem Tag der so offensichtlich im Herzen verband, in die Nähe eines anderen zog. Denn auch wenn man es Steve nicht ansah oder anmerkte, so sehr er seiner Umwelt wie ein Fels in der Brandung erscheinen mochte, die salzige Gischt der Liebe ging auch an ihm nicht spurlos vorüber.

Selbst wenn beide den Aspekt der fleischlichen Liebe in ihrer Beziehung aussparten, so wäre Steve seiner Ansicht nach ein Kuschelabend ein gelungenerer und erholsamerer Abschluss an jenem Tag gewesen. Denn ein gefühltes „Ich liebe dich“ hatte doch immernoch um Längen mehr Zauber als Sex.

Und eben weil er Lars liebte und ihm nur das Beste wünschte ließ er ihn gehen… wortlos mit einem sanften Lächeln.

„… but when you walked out that door a piece of me died…“

Er hatte Angst.

Angst davor, dass Lars eines Tages nicht mehr zurückkommen würde. Angst davor, dass es Lars jemand anderen Gegenüber leichter fallen würde ich liebe dich zu sagen. Angst davor, dass er irgendwann zu jemandem ins Bett steigt mit dessen Geist er sich besser amüsierte… mit dessen Verstand er sich besser unterhielt… in dessen Arme er sich behüteter fühlte… an dessen Brust er ohne Gedanken und ohne Zweifel einschlafen konnte.

„… i will love you till the end of time…

… i would wait a million years…

… promise you`ll remember that you`re mine…“

Steve verschwieg seine Ängste und Zweifel um die starke Fassade nicht bröckeln zu lassen und ebenso wenig verlor er je ein Wort darüber, wie er seine Abende verbrachte, wenn er es war der das Haus verließ und andere Unterhaltung als Lars in Erwägung zog.

Er bewahrte Stillschweigen über die geselligen Kneipentouren mit Freunden durch die Neustadt…

… behielt sie für sich, die stundenlangen, stummen spaziergänge an der Elbe und durch die nächtlichen, leeren Gassen der Stadt…

… er verdrängte einfach und sah sie als Opfer für die Liebe,

die fünf langen Jahre ohne Sex.

„… i will love you till the end of time.“

Einen Kommentar schreiben: