Zwischen Yasmin und Amèlie…

Zeiten des inneren Umschwungs, bringen zwangsläufig den Drang nach äusserlichen Veränderungen mit sich. So decken sich die einen mit Bergen von neuen Klamotten und modischen Accessoirs ein, andere besorgen sich eine neue Frisur in der Hoffnung das mit ihr ein neuer Mann einher geht und wieder andere suchen den Wandel in ihrer direckten Umgebung. Sei es ein spontaner Urlaub, neue Leute oder ein Frühjahresputz im Spätsommer. Der Fantasie sind in Sachen Sinnes- und Lebenswandel keinerlei kreative Barieren in den Weg gestellt und sie wird aufgefordert zur freien Entfalltung, in sofern es der Geldbeutel natürlich zulässt. Ich für meinen Teil versuchte den Grundgedanken meines Zimmers von “Eigentlich bin ich eh nie zu hause” in “Hier ist ein Platz zum glücklich sein” um zu schustern. Ich fing also damit an sämtliche Dinge, welche mich an ihn erinnerten, in einen Schmuckkarton zu legen und den Deckel für unbestimmte Zeit unberührt zu lassen. Getreu dem Motto “aus den Augen, aus dem Sinn” war mein Zimmer nun sauber und frei von den Nachwirkungen meiner Gefühlsduseleien der letzten Beziehung und damit bereit für den Einzug, diverser Erinnerungen an die Vergangenheit vor der Vergangenheit. Mit zahlreichen Fotos, Postkarten und anderen Erinnerungsstücken ist diese auch ausreichend dokumentiert und wartet nur darauf neuenddeckt zu werden. Da mein Zimmer aber generell nach etwas Ordnung schreit, musste eben diese erst einmal geschaffen werden und was bietet sich besser zum putzen an als ein leckeres Gläschen halbtrockenen Müller Thurgau und eine Platte voll klassischer Musik. Wohl bemerkt das es sich hierbei um Klassiker der “Generation Doof” handelt welche irgendwann einmal während vermeindlich guten Filmen entdeckt und zu seinen Lieblingsstücken auserkoren wurde. Diese sind selbstverständlich nicht so Salonfähig wie Beethovens Mondscheinsonate oder etwa Vivaldis Herbst aber irgendwo zwischen Yann Tiersen`s Comptine d`un autre Ètè und Nobuo Uematsu`s Balamb Garden ist auch etwas Feingefühl und Entspannung zu finden und Klasse haben sie allemal. So beflügelt fing ich damit an die kalkweißen Wände meines Zimmers mit allerhand bunten und bemerkenswerken Schnipseln zu bekleben. So erinnern Flugtickets an diverse Urlaubsziele, Eintritskarten an die dort besuchten Stätten der Kultur, Fotos an Menschen und eigenen Schöngeist, Postkarten an Urlaubsgrüße der Lieben und eine Willy Wonka Schockolade an meine Zeiten in der Schockoladenfabrik. Das entspricht zwar nicht ganz der Wahrheit aber ich besitze tatsächlich eine, mit samt der goldenen Eintritskarte. Den Abschluss bildete ein dringendes Fensterputzmanöver um den letzten warmen Sonnenstrahlen dieses Sommers ungehinderten Zugang zu meinem über alles geliebten Yasmin zu ermöglichen. Ja ganz recht, ihr geht es nach wie vor gut bei mir. Natürlich hoffte ich ins Geheim, das der ein oder andere Strahl auch mein Herz ein wenig erreichte und mir möglicherweise die ein oder andere Träne der Freude ins Auge treibt. Wie damals auf der Hauptstrasse, als sich die Wolken auftaten und gleißendes Sonnenlicht mich in einen herlich lauen Mantel hüllte, kurz nach einem heftigen Aprilschauer. Glücklich fühlte ich mich. Es war also wenig verwunderlich, das mit den alten Erinnerungen auch neue Gedanken Einzug hielten. Sowohl in meinem Kopf als auch in meinem Zimmer. Ich hätte diese faszinierende Wühlkiste vergangener Tage noch ewig lang und unendlich tief erkunden können, aber ich war noch verabredet an diesem Abend und Zeit hatte ich noch mehr als genug dafür.

 Waren es vermutlich die Sonnenstrahlen oder waren es die ersten sanften Berührungen eines Mannes, welche mich während der Schlacht um Mittelerde am Abend erreichten, es ließ mich entspannen und ich ließ es zu.

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