Wolltet ihr mich bekehren oder mich verarschen?
Ich weis nicht ob es daran liegt dass ich das ganze nicht für bahre Münze genommen habe, jedenfalls sind meine Hände und Füße kalt und hindern mich daran die ersehnte Nachtruhe zu finden und zu genießen. Es geschah am Samstag Abend. Ein schweißtreibender Arbeitstag lag hinter mir und ich war froh endlich einen Parkplatz für mein kleines Automobil gefunden zu haben. Es war schon etwas nach acht Uhr am Abend, als ich die fünf Minuten Fußmarsch in kauf nahm, die mich vom Orte meiner Wohnhaft trennten. Ich übertreibe nicht wenn ich sage dass es arg dunkel und arg kalt war und mir der Wind arg ins Gesicht peitschte, was wohl der Grund für meine winzigen, geröteten Augen gewesen sein kann, aber wahrscheinlich war ich auch einfach nur müde.
Sei es drum. Ich rechnete mit gar nichts und daher nahm ich die Person und ihre Stimme im ersten Moment nicht wahr. Ein Junger Mann, vielleicht fünfundzwanzig, in eine dieser fernöstlichen Schuluniformen gezwängt, ermunterte mich in gebrochenem Deutsch zum stehen bleiben… nein, auf Grund seines Begehrs würde ich sogar sagen er bittete mich zum inne halten. Nun ja, ich hatte natürlich noch ein paar Sekunden zum verschenken in meinem Umhängetäschchen und so erfüllte ich dem frommen Gemüt diesen Wunsch und war gespannt, was er wohl zu solch unchristlicher Stunde von mir wollte. ” Glauben sie an Gott?”… “Bitte!?”, das hat er jetzt nicht wirklich gesagt. Hier in dieser dunklen Seitenstraße, hier wo ich grade stehe, neben diesem wilden Parkplatz auf dem sich eine weitere Gestalt herumtreibt… die sich als sein Compainon herausstellt… hier wo ich nicht weis ob es das alte, verwesende Laub aus dem Vorjahr oder ein Haufen Hundeexkremente ist in dem ich zum stehen gekommen bin, fragt der mich allen Ernstes ob ich an Gott glaube!? Ich muss mich wohl verhört haben…
… “Ich bitte um Entschuldigung, aber ich bezweifle, dass ich der richtige Ansprechpartner für sie bin.”, sagte ich forsch, aber nicht unhöflich und wollte mich verabschieden. “Aber der Glaube an Gott kann eine Bereicherung für sie sein.”, sagte er milde und so einstudiert, als ob es seine volle Überzeugung währe. Meine Güte, ihr Jungs seid gut! “Tut mir Leid, ich glaube nicht an Gott und ich möchte es auch nicht. Im Moment weis ich, dass ich müde und geschafft bin und ich glaube fest daran, dass jetzt eine heiße, lange Dusche, ein gediegener Schluck Tetrapackrotwein und ein gutes Buch wahre Wunder bewirken könnten und ich mich darauf freue, weil ich glaube mir damit einen schönen Abend machen zu können und selbigen wünsche ich ihnen.”
Nun, ich möchte nicht bestreiten dass sie mich zu jeder anderen Stunde hätten erwischen können und ich ein ebenso wenig offenes Ohr für ihr Belangen gehabt hätte, aber in Anbetracht der gewählten Tageszeit, meiner mentalen Verfassung, der verruchten Örtlichkeit und dem wenig zu Outdooraktivitäten einladenden Wetter, mit welchem ihnen wohl ihr Gott einen Strich durch die Rechnung gemacht haben muss, bin ich der festen Überzeugung, dass sie besser gekommen wären, wenn sie sich hinter einem Dornenbusch verkrochen, diesen angezündet und von dort aus das Wort an mich gerichtet hätten. Mit dieser Taktik hätten sie sicherlich das ein oder andere verirrte Schäfchen bekehrt.