Wer viel fragt, geht viel irre…

Ich war gestern beim Zahnarzt. Da ich im gegensatz zu meiner Wohnhaft auf dem Lande, den Zahnarzt doch behalten habe, musste ich ein paar Kilometer fahren um diesen zu erreichen. Wie viele andere Menschen es hegen und haben, besitze ich kein gespaltenes Verhältniss zum Zahnarzt oder zum Zahnarztbesuch als dieses. Ich habe keine Angst davor und ich bin nicht nervös wenn ich im Wartezimmer geduldig darauf warte endlich aufgerufen zu werden. Mir ist das ganze sogar ziemlich egal. Denn meist setze ich mich hin und werde schon fünf Minuten später aufgerufen um mich dann für gefühlte zwei Minuten in den Stuhl zu legen und meine Wangenakrobatik unter Beweis zu stellen. Wenn ich etwas nicht mag, dann ist es der Zahnarzt selbst, aber das hat dann eher mit der Person an sich zu tun und den kenne ich nicht wirklich gut, also darf ich mir nicht einmal ein Urteil erlauben. Ich habe aber eher selten davon gehört das jemand ein besonders inniges Verhältniss zu seinem Docktor hegt, eines das über das Sprechzimmer hinaus geht. Wie dem auch sei, ich hatte gestern nicht einmal die Zeit meinen Artikel im Spiegel zuende zu lesen, ich bin nicht einmal zehn Seiten weit gekommen. Und dafür dreißig Kilometer (eine Strecke) und noch zehn Euro Praxisgebühr!? Teurer Ausflug und noch nicht mal ein besonders toller.

Ich habe hinterher meiner Oma und meinem Opa einen Besuch abgestattet, welche im selben Ort wohnen, in dem sich auch mein Zahnarzt befindet. Ich sehe sie sehr selten. Das tut mir leid. Der Kaffeeklatsch mit Oma hat spaß gemacht. Ich habe immer große Angst vor zu langen und zu vielen Gesprächspausen, ich habe Angst davor nicht zu wissen was man sagen soll. Dem war gestern nicht so, wie ich fand. Gut es gab die ein oder andere Pause im Gespräch, aber das Schweigen wurde immer wieder gebrochen. Diese Denkweise meinerseits begegnet mir nicht nur wenn ich zur Oma fahre, sondern auch allgemein im täglichen Leben. Wenn es darum geht mich mit Leuten zu treffen bin ich äußerst zögerlich, da genau dieser eine Fall eintreten könnte. Was ist wenn man sich gar nichts zu sagen hat? Was ist wenn nicht wenigstens ein Interessengebiet für genügend Gesprächsstoff sorgt, das man gut und gerne eins, zwei Stunden damit füllen könnte? Was ist wenn man der Meinung ist was sagen zu müssen und daher anfängt ein Haufen sinnloses, zusammenhangsloses Zeug daher zu reden (darin bin ich spitze)? Was ist wenn man sich beim reden überschlägt und so viel sagen will, aber es nicht schaft sich schnell genug auszudrücken (auch eine Gabe, welche ich in letzter Zeit häufig bei mir beobachte)? Stellt euch nur mal vor man würde telefonieren und all diese dummen Umstände würden eintreten!? Bei einer direkten Gegenüberstellung hätte man wenigstens noch jemanden vor sich, den man angucken kann, da muss man vielleicht garnicht zwangsläufig reden. Gibt es ein Rezept dafür lange Pausen im Gespräch zu vermeiden und zu umgehen? Man könnte singen, wenn man es kann. Man könnte auch anfangen zu tanzen, wenn man es kann. Damit wäre das Gegenüber wunderbar unterhalten und irgendeinen Eindruck von der Person wird er auf jeden Fall mit nach hause nehmen. Fraglich ist bloß wie dieser Eindruck aussieht!?

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