Walt Disneys “Pinocchio”
Vor nicht all zu langer Zeit, da geschah es… keine Angst, denn es wird kein Märchen sein welches ich in mühevoller Kleinarbeit auf eure heimischen Monitore zementiert habe um euch die allabendliche Langeweile vor dem zu Bett gehen zu versüßen, obgleich ich mich im folgenden Text mit einer fantastischen Geschichte befassen werde. Wer also schon als Kleinkind kurz nach den Worten “Es war einmal…” sabbernd den Kopf in den Nacken legte, oder vor dem schlafen gehen ein Märchen der Gebrüder Grimm als natürliches Brechmittel serviert bekam, der Möge an dieser Stelle diese Seite verlassen oder besser noch… macht den Computer aus und beschäftigt euch andersweitig. Zum Beispiel mit euren Hobbys, wie das bauen von Gewürzregalen um Muttis Ikeaküche um eine Atraktion reicher zu machen, oder beschäftigt euch mit eurem Mann oder eben eurer Frau… macht ihnen Komplimente, oder geht sie suchen… vielleicht schaut ihr auch mal wieder nach euren Kindern, es könnte schließlich sein dass sie wieder etwas gewachsen sind… ja ja, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und es liegt ganz bei euch. Ach so… und wer denkt das Carlo Collodi der schief singende Pizzabäcker von nebenan ist, der sollte gegebenenfalls ebenso das weite suchen und für alle die sich für Zeichentrickfilme interessieren… sie heiße ich herzlich wilkommen!
Vor nicht all zu langer Zeit, da geschah es, dass sich die gut verriegelte und streng überwachte Panzertür desTresors der Dineyfilmarchive erneut öffnete und ein weiteres Meisterwerk der Disneyfilmgeschichte erbrach… verzeihung… offenbarte. Pinocchio reiht sich nämlich in die Riege der Raritäten ein und ist somit eines der vierzehn Meisterwerke welche sich mit Fug und Recht als Platinum Meisterwerke betiteln dürfen. Siebzig stolze Jahre hat dieser Evergreen schon auf dem Buckel und scheint, dank modernster Überarbeitungen in Ton und Farbe, um keinen Tag gealtert zu sein.
Doch zunächst zur Story, welche… davon gehe ich aus… zumindest in groben Zügen weitläufig bekannt sein dürfte. Ein kleines Dorf, eine kleine Werkstadt und ein kleiner alter Schreiner… ein Spielzeugmacher trifft es wohl eher… namens Geppetto. Grade vollendete er sein bisher schönstes Werk. Eine Holzmarionette wellcher er, sehr zum Trotze der Katze Figgaro und des Goldfisches Cleo, den Namen Pinocchio schenkte und welche in der Optik an einen kleinen Schuljungen erinnert. Erfüllt von aufblühenden Vatergefühlen wünscht sich der alte Mann in der folgenden Nacht einen richtigen Jungen zu haben, einen Sohn. Da es sich aber zu einer Zeit begab, als Wünsche noch in Erfüllung gehen sollten, besuchte eine Blaue Fee diese kleine Spielzeugoase und erweckte den Pinocchio zum Leben. Wenn er es schaffen würde sich als Tapfer, Aufrichtig und Selbstlos zu erweisen, so würde er zu einem richtigen Kind aus Fleisch und Blut werden und die neunmalkluge Heuschrecke Jiminy Grille soll fortan sein Gewissen sein und die Wege des Knaben begleiten.
Sei es nun sein fortgeschrittenes Alter welches Geppetto in seiner neu erworbenen Vaterrolle maßlos überfordert oder doch eher die Tatsache dass sein, eben in sein Leben gestoßener, neuer Sprössling im wahrsten Sinne des Wortes ein mutmaßlicher Holzkopf ist, überlassen wir mal der Fantasie… jedenfalls braucht weder er noch das Puplikum sich darüber zu wundern , dass bei dem süßen, kleinen Fratz schon recht zeitig der Wurm drin ist und dieser schon am nächsten Tage seine eigen Wege geht, wellche nicht immer die rechten sind und von welchen selbst Jiminy Grille es nicht vermag ihn abzuhalten. So wird er schon auf dem Weg zum ersten Schultag von zwei Gaunern an den gemeinen Puppenspieler Stromboli verkauft welcher fortan mit der Marionette ohne Fäden das große Geld in aller Welt wittert und der kleine Pinocchio ist natürlich begeistert ein Künstler zu sein. Das was der Grashüpfer nicht schaffte, erledigt Gott sei Dank die Blaue Fee und schon bald ist das Holzpüppchen wieder auf freiem Fuße. Doch schon nach wenigen Schritten erhält er eine Karte, eine Eintrittskarte, für die Vergnügungsinsel. Eine Insel im Meer wo junge Burschen sich austoben dürfen, die Schule schwänzen, Cigarre rauchen, prügeln, pöpeln und kaputt machen von Dingen, die ihnen nicht gehören… halt alles was so ein verkorkstes, männliches Balk gerne tut wenn es sich nicht gerne Regeln unterwirft. Davon ist der kleine Pinocchio natürlich hellauf begeistert und schon bald findet er sich auf besagter Insel wieder. Er wird umgeben von Eseln und droht selbst einer zu werden wenn er weiterhin diesem närrischen, tölpelhaften Leben nachginge. Doch an dieser Stelle fährt Giminy dazwischen und tut sein Werk um damit schlimmeres zu verhindern und wer jetzt denkt es ist geschafft der irrt.
Geppetto ging fort um Pinocchio zu suchen und wurde dabei von Monstro dem Wal verschluckt. Dort im Bauche des Ungetümes lebt er nun mit Katze und Fisch auf einem alten Wrack und kann nicht fliehen aus eigener Kraft. Doch der hölzerne Mann sucht mutig nach dem Wesen im Meer und findet ihn schließlich und eilt seinem Vater zur Hilfe. Diese Mutige Rettungsaktion leitet das erhoffte Happyend ein und der Wunsch von Geppetto und auch der von Pinocchio wird gänzlichst erfüllt von der guten Blauen Fee. Das sollte also in groben Zügen die Handlung sein und wenn sie nicht gestorben sind so leben sie noch heute… Das ging jetzt vielleicht ein wenig sehr schnell, doch ich wollte das Lesen dieses Blogeintrages für euch nicht zum Abendfüllenden Programpunkt machen, da könnt ihr euch ebenso gut einen Film angucken. Darüber hinaus ernte ich meist Kritik über zu lange Abhandlungen… watt soll`s!
Dieser Zeichentrickfilm, der als zweiter abendfüllender Film aus dem Hause Disney hervorging, feierte am 07.02.1940 seine Us Premiere und wurde in Deutschland erst am 23.03.1951 Uhraufgeführt. Ich denke ich muss nicht erläutern weshalb dies der Fall war. So sind es also siebzig Jahre die der Film schon überlebte und ich habe ihn grade zum ersten mal gesehen. Das hat schon fast Seltenheitswert bei mir, wenn es sich um Disneyfilme handelt. Ich kannte natürlich andere Versionen des Titels, der auf der Geschichte von Carlo Collodi “Die Abenteuer des Pinocchios” aus dem Jahre 1883 basiert. Doch so recht beschäftigt habe ich mich damit noch nicht. Lasst euch aber sagen dass dieser Film mich zu Tränen gerührt hat… was im allgemeinen nicht wirklich schwer ist… aber gerechnet habe ich nicht damit. Ein so bunter, liebevoll gestalteter Zeichentrickfilm ist mir selten unter die Augen gekommen und das er mit seinen moralischen Werten, welche er vermittelt, trotz der Jahre unwahrscheinlich zeitgemäß ist finde ich einfach nur bewundernswert. Es wird die Geschichte vom Leben erzählt, vom erwachsen werden, vom Fehler machen und daraus lernen. Es wird erzählt wie wichtig Regeln und Rituale im Leben eines Kindes sind und dennoch ist es wichtig das sie ausprobieren, ertesten, erleben und ihre ganz persönlichen Erfahrungen machen… nicht immer zur Freude ihrer Eltern. Er zeigt das Einflüsse wichtig sind, doch dass sich aus diesen eine eigene Meinung bilden muss und so findet jeder, der einmal Kind war und Kind sein durfte, ein Stück von sich selbst in diesem Klassiker wieder.
Im übrigen lassen sich wiedereinmal eine Menge nebensächlicher, aber dennoch bemerkenswerter, Dinge entdecken. Zum Beispiel das Gemälde der “Mona Lisa”. Man findet es im Haus der Zerstörung auf der Vergnügungsinsel und die Eintrittskarte für dieses vermeindliche Paradis ist das Pik Ass, welches beim Kartenlegen den Tod symbolisiert und in der Billardszene schiebt sich verdächtig oft die Kugel Acht in den Focus der Kamera, welche ebenfalls den Tod symbolisch darstellt. Die Disneyzeichner haben alle nichtmenschlichen Figuren des Filmes mit nur drei Fingern und einen Daumen bedacht. Dies wird besonders deutlich wenn Pinocchio sich in einen richtigen Burschen verwandelt und er erstaunt seine fünf Finger betrachtet. Als die Blaue Fee zum ersten mal das Bild erfüllt und mit ihrer sinnlichen Stimme und ihren blutroten Lippen zu unserem kleinen Hauptdarsteller spricht dachte selbst ich als aller erstes an Marilyn Monroe. Doch weit gefehlt ist dieses Gerücht, welches ausschließlich aus der maßlosen und sehr experimentierfreudigen Hexenküche des World Wide Web entsprungen ist. Es ist bestenfalls als interessante Feststellung zu betiteln und ihr alle wisst ja was gemeint ist, wenn ihr etwas kostet und hinterher zögerlich sagt:”Hmm… es schmeckt… interessant!” Marilyn Monroe erschloss nämlich erst 1946 ihren ersten Vertrag als Nachwuchsschauspielerin, quasi sechs Jahre nach dem Leinwanderscheinen von Pinocchio. Doch die ähnlichkeit ist wirklich sehr verblüffend.
Im großen und ganzen war der Film damals weit weniger erfolgreich als sein Vorgänger “Schneewittchen und die sieben Zwerge”, obgleich er 2,6 Milionen Dollar an Produktionskosten verschlang und somit fast eine Milion Dollar teurer war als Schneewittchen. Doch das ist wohl der unglücklichen Zeit des zweiten Weltkriegs zu verdanken, in welche Pinocchio hineingeboren wurde. Aber dennoch ist er einer der Liebevollsten und Detailverliebtesten Filme die je das heimische Regal in Form einer silbern, glänzenden Scheibe veredelten und so ist er nicht nur für Kinder ein absolutes Muss. Selbst die Times wählte den Film erst kürzlich unter die einhundert besten Filme aller Zeiten und diese Ehre wurde vor ihm noch keinem anderen Animationsfilm zuteil. 1994 wurde der Film selbst ins National Film Registry aufgenommen, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat besonders gute Filme für die Nachwelt zu erhalten und in dieser Reihe befindet er sich sogar zusammen mit seinem Vorgänger “Schneewittchen” und verdient seinen Platz dort zurecht. Denn dieser Film kann auch den Erwachsenen vermitteln, das es keine Schande ist, wenn man sich auf seinem Werdegang und Lebensweg hier und da mal wie ein Esel verhält und zu einem solchen macht.
Das Lied “Wenn ein Stern in finsterer Nacht” – “When you wish up on a star” wurde im übrigen zur Disneyhymne erhoben und ist in jedem Disneyvorspann wieder zu finden. So hat er sich also doch einen Namen gemacht und für immer verewigt. Der Song erhielt 1941 den Oscar als bester Song in einem Film und ein weiterer Oscar für die beste Filmmusik sollte folgen. Na wenn das kein Erfolg ist!