Von Schinken und komischen Hobbys…
Mit Fug und Recht kann ich behaupten, das meine Arbeit, welcher ich täglich aufs neue und so weit es mir möglich ist gewissenhaft nachgehe, Spaß macht aber gleichermaßen anstrengend ist. Fünzehn Stunden meiner Samstage werden großzügig von meinem Arbeitgeber verplant und lassen daher selten Langeweile aufkommen. Ich sollte schnell sein, ich sollte mehrere Sachen nebenher tun können, ich sollte genau und gründlich sein und ich muss reden… reden, reden und nochmals reden und dabei lächeln und freundlich sein. Klappt wunderbar! Zumindest erlebe ich häufig die Resonanz von Kunden und ohne mich hier in ein rechtes Licht zu rücken, es kommt oft vor das die Leute mir mitteilen, das sie gerne zu mir kommen. Natürlich auch zu meinen Kollegen, denn im großen und ganzen sind wir ein gelungenes Kollegtiv. Da ist für jeden was dabei und wir haben auch für jeden den passenden Spruch auf lager. Sollche unendlich scheinenden Samstage basteln wir uns meist so zurecht, dass es immer mal was zu lachen gibt. Diesen Samstag stand einmal mehr zur Frage, ob es sich bei dem aufgeschnittenen Schinken um einen Serrano Schinken oder um einen Parma Schinken handelt, da die Person welche diesen bereitstellte unlängst Feierabend hatte. In der Tat sind die Schinken im aufgeschnittenen Zustand eher schwer auseinander zu halten, beide hauchdünn, beide mit Schwarte und beide echt lecker! Zeit für ein wenig Klugkackerei meiner Seits und einen echten Brüller, über den ich gestern noch feixen musste, über meinen eigenen Mist. Da ich eine Schwäche für Schinken habe, probier ich hier und nasch ich da und so kam es auch am Samstag, das ich mehrmals von dem fragwürdigen Stapel etwas entwendete. So wurde die Frage auch an mich getragen und ich konnte tatsächlich Antwort geben und meldete Zielsicher an, das es sich um Parma Schinken handeln würde und schickte die Begründung direkt hinterher: Den habe ich heute nämlich schon ein Paar ma gekostet!
Wers nicht versteht, das war ein Wortwitz und meiner Meinung nach mal ein guter. Auf jeden Fall haben wir ordentlich gelacht und recht hatte ich auch. Serrano und Parma-Schinken sind zwar nicht leicht auseinander zu halten, aber sie unterscheiden sich schon sehr in der Färbung und im Geschmack. Serrano ist heller, aber bräunlicher in der Farbgebung und Parma Schinken ist dunkler und mehr naturell. Naturell würde ich ebenfalls den Geschmack vom Parma Schinken beurteilen, er ist mild aber würzig und Serrano Schinken würde ich als würziger beurteilen und anstrengend wenn er zu dick geschnitten ist, aber hauchdünn ist er dem Parma Schinken vorzuziehen. So ist jedenfalls mein Empfinden. Nun gut, genug der Schinkenlehre, denn es gibt noch andere Dinge mit denen man dem Arbeitsalltag entrinnt und nach einem anstrengenden, langen Tag abschalten kann. Wenn ich hier und da zum besten gebe was ich in meiner Freizeit so mache, dann stoße ich vielerorts auf Fragezeichen. Einen Freund besuchte ich an einem Sonntagnachmittag und er war grade im Begriff sein Bett zu machen. Es ließ darauf schließen, das er diesem grade erst entsrungen ist und dem war auch so. Als ich ihm erzählte das ich an diesem Morgen schon spatzieren war begrüßte mich ein von Unverständniss bekleitetes: Was warst du?!… und in seiner Stimme war deutlich zu merken, das er sich darüber etwas lustig machte oder nennen wir es “sich wundern”. Bin ich komisch? Eine Freundin von mir findet es lustig wenn ich sage, das ich im Theater war. Ebenso amüsant scheint es zu sein, wenn man mit vierundzwanzig lieber ein Buch liest, anstatt mal jedes Wochenende auf irgendeine Party zu rennen und sich die Hucke voll laufen zu lassen. Wenn man lange Spatziergänge tut und diese alleine begeht, ist man dann eigenartig?
Wenn man den ganzen Tag Leute um sich hat und jeder einem Fragen stellt und man den ganzen Tag lächeln soll, finde ich es nicht sonderlich abwegig, wenn man nach hause kommt, die Tür wortlos schließt und einfach nur einen Moment der Stille genießt. Als ich gestern Abend einen Lauf an der Elbe tat, welcher sich von einer geplanten Stunde auf sage und schreibe zwei Stunden ausdehnte, nur Gott weiß wie ich das geschafft habe, sah ich eine Frau. Erst stand sie nur da, dann begann sie sich zu bewegen, sie rutschte hin und schlitterte zurück, sie sprang, sie schlurfte und für mich sah es nahezu wie ein Tanz aus. Ich passierte sie wortlos und platzte fast vor Neugier, aber ich lief weiter und drehte mich ab und zu noch einmal um. Sie ging weiter ihrer Wege, aber kurz hinter der Brücke vollbrachte sie noch einmal ihren eigenartigen Tanz. Auf dem Rückweg bemerkte links des Weges zwei Enten, welche in einer Fütze saßen und rechts des Weges bemerkte ich Buchstaben im Schnee, welcher sich langsam aber sicher in grauen Matsch verwandelte, denn das Termometer stand schon den ganzen Tag über Null. Der erste Buchstabe sah aus wie eine “Neun”, aber wenn ich ein Wort lesen wollte, so konnte es nur ein “G” sein, welchem offensichtlich ein “I”, ein “F” und ein “T” folgten. Wenn es sich nun tatsächlich um ein “G” handelte und nich um eine “Neun”, so stand dort das Wort “GIFT”. Die Frage welche mich nun beschäftigte, war folgende. Handelt es sich jetzt um das deutsche Wort “Gift” im toxischen Sinne oder handelt es sich um das englische Wort “Gift”, welches übersetzt “Gabe” heißt. Dieser Schriftzug wiederholte sich noch fünf mal, wobei er von mal zu mal größer wurde und angesichts dieser Begegnung stellt sich mir erneut die Frage: Bin ich komisch? War das, was ich da sah nicht viel fragwürdiger als das was ich da tat? Eine Antwort auf dieses Vorkomniss werde ich wohl sicher nicht bekommen, was mich nicht stört, denn das Ereigniss allein macht meinen Spatziergang zu einem Besonderen und ich habe etwas fragwürdiges gesehen, was jene die mein Hobby in Frage stellen wohl niemals sehen werden und das wiederum finde ich komisch.