Von einem der das Glück halten wollte.
Ich sagte ja ich würde den Tag nicht vor dem Abend beurteilen wollen und damit tat ich gut. Im Laufe der vierundzwanzig Stunden riss tatsächlich der Himmel auf und die Sonne schien als täte sie es zum ersten mal in ihrem Leben. Ich habe die letzte Behandlung meines Knies über mich ergehen lassen und darf mich jetzt offiziell als genesen betiteln. Das tu ich dann mal auch und freue mich darüber, obgleich ich auch immerwieder gerne in das Haus der magischen Fähigkeiten zurückkehren würde. Ich kann mich noch genau an den ersten Tag, an dem ich dieses Haus betrat und an die damit einhergehenden Beklemmungen, erinnern. Die erste Behandlung, der erste Heiler und die Stille, welche dieser Zeremonie beiwohnte. Ich begnete ihm noch ein weiteres mal und dieses Aufeinandertreffen war anders. Er erzählte mir eine Geschichte, eine in der es darum ging, wie es seinem eigenen Bein mal erging und er sich nach meiner ersten Therapie beim Doc erkundigte wie es genau zu stande kommen konnte. Er gab mir Tipps, wie ich es besser machen könnte und er gab mir mit auf den Weg, das schwimmen in meinem Fall eine fantastische Alternative wäre. An einem weiteren Tag, musste eine Heilerin meine Therapie übernehmen, da der Oberschamane sich bei der Entbindung seines ersten Kindes befand. Wir sahen uns das erste mal und redeten recht ausgelassen. Die Zeit war wie im Flug vorbei. Das wäre bei keinem der beiden anderen so passiert, aber mit ihr ging es. Lag es daran das sie eine Frau war? Jedenfalls ergab das neu erworbene Wissen um das junge Vaterglück völlig neue Gesprächsperspektiven, während der letzten Behandlung, welche von ihm, dem Chef am Platze, durchgeführt wurde. Mal ganz davon abgesehen haben wir schon vorher ein gutes Thema gefunden. Wir unterhielten uns über Bücher. Die Geburt seiner Tochter ist aber natürlich ein weitaus schöneres Thema für ihn und für mich ebenso. Auch wenn ich mit Kindern nicht so besonders viel anfangen kann, so habe ich mich für ihn gefreut, denn er machte den Eindruck eines guten Vaters. So wünschte ich ihm noch alles Gute und viel Spaß mit den neuen Herausforderungen und den neuen Freuden, welche das junge Familienglück bereit hält und er bedankte sich. Die Wege trennten sich.
Ein Probelauf an der Elbe werde ich noch eine Weile vor mir herschieben, denn ich möchte noch nichts riskieren. Das werde ich erst versuchen wenn ich die Tablettentherapie vollendet habe. Bis dahin muss ich mich mit ein paar Bauch-Beine-Po Übungen zufriedengeben, aber auch diese haben den gewünschten Effekt.
Im weiteren voranschleichen des Tages, traf ich den Spielzeugmann. Wir haben uns schon eine Weile nicht mehr gesehen. Er ist aber auch viel beschäfftigt! Wenn er sich einmal ausruhen möchte, müsste man schon die Zeit anhalten und das würde sich sehr schwierig gestalten, da man ja vorher mit all den anderen Menschen auf der Erde reden müsste ob es in Ordnung wäre mal kurz das Rad der Zeit zu bremsen. Das wäre eine Aufgabe die erst recht unmöglich zu bewältigen wäre. Einmal hat es jemand probiert, doch er starb, bevor er auch nur bei der Hälfte der Menschen angekommen war. Heute hätte er es vermutlich geschafft, denn es gibt Telefone, Internet, Flugzeuge, der Komunikation und der Art sich fortzubewegen sind keinerlei Grenzen auferlegt und eine breite Masse zu erreichen ist einfach im Vergleich zu damals. Es gab lediglich Schiffe und Kutschen zur Fortbewegung und drei Kontinente waren noch nicht einmal entdeckt. Er wollte die Zeit anhalten um den schönsten Tag in seinem Leben für immer genießen zu können. Den Tag an dem sein erster Sohn geboren war, die Frucht der Liebe zu seiner frisch vermählten, jungen und wunderschönen Frau. Sein Vorhaben konnte kein größerer Liebesbeweis sein, doch sie wurden unabhängig von einander alt und nicht gemeinsam, so wie es sich für eine junge, glückliche Familie gehörte. Sein Leben hätte wohl eine günstigere Wendung erlebt, wenn er nicht so überzeugt von seinem Tatendrang und dem daraus hervorgehenden Ergebniss gewesen wäre. Denn schon der sechzehnte Mensch, so sagt man zumindest, der ihm begegnete und der von ihm gefragt wurde ob er einverstanden wäre die Zeit anzuhalten war der Sohn eines Bestatters. Dieser wollte so schnell wie möglich groß werden und wie sollte das Geschäft des Vaters laufen, wenn plötzlich die Lebensuhren nicht mehr ticken würden. So beantwortete er die Frage mit einem entschiedenen Nein und der reisende ging weiter seiner Wege, denn schließlich gab es ja noch mehr Menschen auf dem Erdenrund. Eine Tragödie.
Als der Spielzeugmann sich verabschiedete, er kam einer Kollegin wegen, gab er mir mit in den Tag, dass er früher wegen mir gekommen wäre. Tu das nicht. Komm nicht wegen mir, komm weil du es möchtest.
Als mich der Arbeitstag in den Feierabend entließ, war es tatsächlich schon Abend und dunkel. Wie konnte es auch anders sein, denn sonst würde es ja Feiertag heißen. Jedenfalls hat sich die Sonne mal wieder erfolgreich vor meinem Auge gedrückt. Nicht ein einzig wärmenden Strahl hat sie mir aufgehoben oder dagelassen. Ungerecht. Stattdessen scheuchten Nebelschwaden durch die Täler der Straßen und verweigerten mir auch in der letzten Nacht den Blick zum Himmel. Das kam mir ja schon bekannt vor. Der Dunst brachte etwas gruseliges mit sich. Ich sah in der Nacht schreckliche Bilder, doch zum Glück wachte ich auf!