Vertraute Fesseln…
Philip und Alexander waren ein ungleiches Paar. Beide waren sie Berufstätig und ihre Arbeitszeiten wichen von einander ab, wie Hund und Katze nicht unterschiedlicher sein konnten. So kam es das sie selten zur selben Zeit zu hause waren und in den meisten Fällen war es Alexander, der die Wohnung seltener betrat als er sie verlies. Oft ging er früh im dunklen hinaus und kam abends im dunklen wieder heim und oft wollte er einfach nur seine Ruhe. Das was Philip zu überdreht daher kam, war Alexander zu ruhig geraten doch wie so oft ziehen die Gegensätze sich auf magische Weise an und so gingen sie Kompromisse ein und kamen gut miteinander zu recht. Wie es sich so oft in den Beziehungen der Menschen abspielt, muss ein Gleichgewicht gefunden werden. Man muss auf das Gegenüber eingehen können und gewisse Dinge in Kauf nehmen um an anderer Stelle seinen eigenen Bedürfnissen etwas Platz einzuräumen. Das Gilt für alle Situationen, welche das Leben so bietet. Sei es der Alltag, das gemeinsame Zusammenleben oder sei es der Sex.
Philip brachte eine Neigung mit in das Leben des jungen und noch recht unerfahrenen Alexander welche in der Szene, in der sie sich bewegten, sich an großer Beliebtheit erfreute. Bondage nennt man die Kunst zu fesseln und ist mit allerhand Utensilien in Verbindung zu bringen. Alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Paketband, Tesafilm oder Folie fanden gleichermaßen Verwendung wie Seile, Ketten, Lederbänder oder ganz banale Handschellen, wie man sie nur am Hosenbund eines Polizisten vermuten konnte. Letzteres war eines der einfachsten Mittel, welche man benutzen konnte und diente in erster Linie der Wehrlosigkeit. Wenn Handschellen zu fest um die Gelenke geschnallt werden, konnten sie in Verbindung mit der ohnehin schon unnatürlichen Stellungen während des Geschlechtsverkehrs eine Taubheit in der Hand hervorrufen, welche sich vom Daumenballen über den Zeigefinger erstreckte, oft den kleinen Finger in Mitleidenschaft zog und sich über mehrere Tage, meist zwei, hinziehen konnte. Dies ist als sehr unangenehm zu bezeichnen, aber nicht als schmerzhaft. Schmerzhaft konnten andere Dinge sein, welche hin und wieder Verwendung fanden und der physische Schmerz ist nichts im Vergleich zum seelischen Schmerz. Zumindest nichts was man nicht ertragen könnte.
Denn wie in vielen Situationen und grade im Zusammenleben zweier Menschen spielte beim Bondage ein wesentlicher Punkt eine tragende und große Rolle. Vertrauen… eine Sache die so schwer zu finden war wie eine Blume in der Wüste und die man so schnell wieder verlieren konnte wie man einen Fisch im Meer aus den Augen verlieren konnte.
Steve war ein alter Bekannter von Philip. Sie teilten sich die selbe Heimat und Steve und Alexander das selbe Alter. Steve kam zu besuch und blieb für ein paar Tage um sich die Stadt anzusehen und um sich, wie es der Zufall so will, mit Alexander anzufreunden. Die beiden Jungen verstanden sich gut miteinander, das zeigte sich schon in den ersten paar Minuten ihrer Zusammenkunft. Sie waren beide recht in sich gekehrt und eher von der stillen Sorte. Hatten Sinn und ein Auge für schönes in der Natur und im Menschen. Sie teilten beide die Leidenschaft für das Rauchen und gingen, wenn es die Freizeit von Alexander zulies, spatzieren. Doch schnell waren die Tage vorbei und schnell kam der Moment an dem Steve wieder in die Heimat zurückkehren musste. Von wollen konnte keine Rede sein, denn es zog ihn in die Stadt, da ihm das Leben auf dem Lande mit all seinen kleinen und großen Steinen im Weg zu wieder geworden ist. Das Wochenende stand mal wieder im Zeichen der Arbeit und so sahen sich die beiden neugewonnen Freunde nur Kurz an den zwei Tagen, welche man als Wochenende bezeichnet. Am Montag würde Steve seinen Zug zurück nehmen und so beschloss er Alexander am Nachmittag von Arbeit abzuholen. So würden die beiden noch etwas Zeit miteinander verbringen können und ein wenig über Gott und die Welt phylosofieren können. Denn daran fanden sie Freude.
So saßen sie am Nachmittag unter der Platanenallee und genossen das warme, sonnige Wetter und die trockene von Pollen durchflochtene Luft. Hier im Schatten des satten Grüns verbrachten sie die Stunden, bis es an der Zeit war zum Zug aufzubrechen und die Wege zu trennen. Hier im Gesang der Vögel viel es trotz des Lederarmbandes auf, das Steve diese typischen roten Striemen an seinen Handgelenken trug, für welche Alexander mittlerweilen ein Auge hatte und hier zwischen den Klängen von Schifferklavieren, welche eifrig von den Straßenmusikern gespielt wurden, beklagte sich Steve über eine eigenartige Taubheit, welche sich vom Daumenballen, über den Zeigefinger erstreckte und offenbar noch im kleinen Finger spürbar gewesen ist. Eine Taubheit, von der Alexander nur zu gut wusste, wodurch sie ausgelöst wurde.