Vernarbte Welt

Der Rosengarten scheint zum Ende seiner Blüte noch einmal richtig auftrumpfen zu wollen. So wirken seine Blüten, von welchen er der Tage noch unendlich viele hervorzubringen scheint, kräftiger und prachtvoller als in den letzten Monaten. Sicherlich tut die graue Leinwand, die der Himmel bildet, die Tiefe der Farben und ihre Klarheit unterstreichen aber der atemberaubende Duft, von dem die Luft dort erfüllt ist, lässt in anbetracht der trüben Kullisse, den Garten voll und warm erscheinen. Man fühlt es besonders wenn einen die Kälte wieder eingenommen hat.

Meine Welt fällt derzeit garnicht groß auf, denn sie ist genauso klein und in kühles Blau gefärbt wie der Rest der Welt. Es gibt nicht sonderlich viel zu entdecken, alles ist übersichtlich und wirkt sortiert. Es lenkt ab vom eigendlichen Durcheinander. Die Szenerie wird überwiegend von drei am Boden befindlichen Narben bestimmt. Man übersieht sie nicht. Ich glaube es sind so eine Art Gräber, welche irgendwann in der Vergangenheit gut gefüllt und zugeschüttet wurden sind. Eines dieser Hügel ist von einem Stück saftiger Wiese umgeben, welche überwuchert von Vergissmeinicht da liegt und ab und zu von sanften Winden bewegt wird und dadurch meine Aufmerksamkeit erhascht. Ich sehe es sehr gerne an. Es ist eine von den Narben, welche trotz ihrer Emotionen gut verheilt ist und immer wieder mit Neugier und Freude in Erinnerung zurückkehrt. Von der Narbe an sich ist gar nichts mehr zu sehen. Sie ist ein Hügel welcher reichlich von Lavendel bedeckt wird. In einer anderen Richtung liegt eine Sumpflandschaft. Irrlichter weisen einem stehts den falschen Weg, aber dennoch führen sie zu nur ein und dem selben Punkt, welchen ich unweigerlich dort erreiche. Eine Narbe, welche mit Ketten aus Stahl verschlossen wurde. Und dennoch tut sich der Schnitt immer wieder auf. Er pulsiert permanent, als hätte die Narbe ein eigenes Herz. Manchmal drängt grüner Dunst aus ihr und manchmal quillt ein dickflüssiger Schwall von stinkendem Eiter aus ihr heraus und vernichtet alles, was sich daran versucht die Narbe zu überwuchern. Dann gibt es noch jene Narbe, welche auf einem Stück Brachland zu finden ist und Momentan noch von jedem Punkt meines Planeten zu erspähen ist. Immer wieder drängelt sie sich ins Bild. Sie ist von frischer Erde abgedeckt und hier und da ist auf ihr schon der erste Frühblüher zu deuten. Doch auch ein Maulwurf hat sich am Hügel zu schaffen gemacht und stösst immer wieder die Erde auf und gibt den Blick auf das nackte, junge Fleisch frei. Selten sind die Tage geworden an denen sich keine dieser drei Flecke in meinen Weg stellt. Vom Sumpf her dringen Giftige Schwaden. Von den anderen beiden Narben kommen warme und kalte Luftmassen und erzeugen ein Gewitter über meinem Kopf. Ich habe das Gefühl, das hinter mir eine Dunkle Gestalt lungert, welche die Hand nach mir Streckt und schon kurz über meiner Schulter ist. Ich könnte ihn nicht sehen, selbst wenn ich mich umdrehen würde. Wie ein Schatten der an mir Heftet und der den Weg vor und die Fussstapfen hinter mir verdunkelt. Manchmal schneidet er rechts und links meiner Wege ein paar Blüten mit seiner Sichel ab und bestätigt mir damit seine Anwesenheit. Ist er der Grund für die kalten Füsse und die kalten Fingerspitzen? Die anderen Planeten, liegen derweilen im Dunste von Nebel. Ich sehe nicht in welche Richtung sie schauen, auch weis ich nicht um ihre derzeitige Geschwindigkeit und die Richtung in die sie sich bewegen.

Mir kam das Lied “Blonde on Blonde” in den Sinn und geht mir nicht aus dem Kopf. Momentan das jüngste Gewitter.

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