Tamala und Ravel beraten sich
… Selbst jetzt wo es dunkel war, sah sie wunderschön aus. Ihr braunes Haar fiel weich über die Schultern und war keineswegs verfitzt oder zerstruppelt. Es ließ darauf schließen, dass sie noch nicht einmal im Bett gelegen haben musste. Sie trug noch die selben Sachen wie am Nachmittag und hatte ihr gelbes Band noch immer um den Kopf gebunden, damit ihre Haare nicht wie wild ins Gesicht fielen. Ihre Art sich zu kleiden wirkte etwas eigenartig, aber irgendwie passte alles gut zusammen. Ein altes verschlissenes, schwarz/rot gestreiftes T-Schirt trug sie über ein grünes Tanktop und dazu einen ebenso gestreiften Faltenrock. Der so kurz war dass sie darunter immer Schorts zu tragen pflegte. Um ihre Arme und Beine trug sie stets lange Stulpen, wobei die Beinstulpen immer dazu neigten bis knapp über die Knie zu rutschen. Alles passte nahe zu perfekt und egal was sie trug, in Ravel seinen Augen sah sie immer toll aus. Das schönste an ihr waren ihre großen, blauen Augen, die selbst dann noch umwerfend schön waren, wenn sie grimmig guckten. Er mochte ihre bedachte und einfühlsame Art. Sie tat nie etwas unüberlegtes und dennoch war sie unheimlich spontan. Wie jetzt eben auch, wo sie so mir nichts dir nichts in der Hintergasse auftauchte und den selben Gedanken hegte wie Ravel, der seiner Seits unentschlossen in seinem Bett herumrutschte. Sie wollte ebenso wie er die Neugier mit Wissen füttern und befriedigen und den Fragen um die Pfützen im “Blauen Viertel” ein jähes Ende bereiten. Sonst könnten sie und so dachten sie beide, wahrscheinlich für den Rest ihres Lebens nicht mehr ruhig schlafen.
“Was denkst du über die Geschichten von Großmutter Merle?”, fragte Tamala zu Ravel, der noch eifrig seine Jacke zuknöpfte, damit sie endlich aufbrechen konnten. “Ich meine was sie gesagt hat ist immerhin mehr als wir vorher wussten, aber einige Sachen kommen mir seltsam vor. Die Behauptung das es keinerlei Tiere in der Stadt gibt zum Beispiel…”, fuhr sie nachdenklich fort,” … es gibt Pferde… du weißt schon… jene die die Kutschen ziehen und davon nicht zu knapp. Und dann, das vergas sie in ihrer Erzählung, gibt es noch millionen von Ratten die, wie wir wissen, in der Kanalisation einen wunderbaren Nährboden finden. Warum also sollte es nicht auch irgendwo einen Elefanten geben?” “Nun ja…”, begann Ravel,”… ein Elefant scheint mir schon etwas weit hergeholt, aber die Stadt ist riesengroß und wir beide haben noch längst nicht alle Winkel von ihr erkundet. Mir fällt es also schwer zu entscheiden was ich davon glauben soll und was nicht. Genauso wenig möchte mir einfallen, was ich an dieser Stadt in Frage stellen soll und warum sie so fragwürdig sein soll?” “Ich denke wenn wir vor einer Frage stehen, werden wir es merken und in welcher Weise es wichtig ist werden wir wissen wenn wir die Antwort gefunden haben. Das es wohl ein paar ungereimtheiten in Bezug auf Kapo gibt, steht außer Frage, denn unser Vorhaben jetzt ist alles andere als unfragwürdig und ich glaube wir brechen jetzt besser auf, denn vom Nachdenken und rumstehen werden wir auch nicht schlauer.” Mit diesen Worten beendeten sie das kurze Gespräch und brachen in die dunklen, menschenleeren Gassen von Kapo auf….