“Erwache…”

Thomas Kleinstück am 13. März 2011 um 22:44

Sonne…

… streich kitzelnd über schlafende Lider…

… leg in warmer Farbe dich, auf blasse Glieder…

… bring Licht an Stelle, wo nur ein Schatten hin drang…

… tau auf… das Herz,

welches im Schnee versank!

Thomas Kleinstück, 14.03.2011

Die Farbe des Kapitalismus 6

Thomas Kleinstück am 10. März 2011 um 16:09

Seine Sätze begannen mit einem Streifzug durch die weiten und scheinbar alles bereithaltenden Welten der Konkurrenz, ein Wort und eine Gesellschaft, welche keinesfalls bedeutungslos ist und schon gar nicht zu unterschätzen. Dieser Tatsache war sogar Alexander sich bewusst und er wusste, wenn man unter Mitbewerbern aufrecht gehen möchte und standhalten möchte, so sollte man vor ihnen nicht die Augen verschließen sondern wachsam sein und sich gegebenenfalls sogar einmal unter sie mischen… und genau um so eine Situation formte die Geschichte ihre Worte…

Es war ein kleiner Laden, fern ab vom Schuss, weder Stadt noch Siedlung säumten ihn und eine Möglichkeit zu parken suchte man dort vergebens. So begann er mit seiner Geschichte und er fuhr fort in dem er den Laden betrat und wieder seiner Erwartungen vor Begeisterung erstarrte, als er sah wie stark frequentiert und wie fabelhaft besetzt diese kleine, unscheinbare Boutique, irgendwo im Nirgendwo, doch war.

Die Verkäuferinnen, so lobte er, waren über die Maßen freundlich und sehr bemüht im Umgang mit ihrer Kundschaft und auch wenn das rege Treiben zur ein oder anderen Wartezeit beitrug, so hatte man Spass beim Beobachten, man ging auf beim Zuhören und unbeachtet blieb man dennoch nicht. Denn heißer, frisch gebrühter Bohnenkaffee oder wahlweise ein Glas Tee wurde nahezu jedem angeboten der den Laden betrat, um die aufgebrachte Geduld bis zur Erfüllung der Wünsche zu entlohnen, wenn man nicht jetzt schon, wunschlos glücklich war.

Und ach die Verkäuferinnen, sie bedienten nicht einfach nur, sie verscherbelten nicht einfach nur ihre Wahre, nein, sie priesen an… sie berieten… sie verzauberten, denn zu jedem Kleidungsstück, welches ihre Hände berührten, hatten sie eine Geschichte parat. Sie kannten sich aus… sie wussten was sie da berührten… und sie erzählten darüber und legten den Menschen Storys nahe…

… Alexander wurde hellhörig und richtete sich wieder auf, während er den süßen Satz auf dem Grund der braunen Brühe hypnotisierend weiter rührte. Seine grünen Augen kniffen sich vor Erwartung zusammen… Erwartungen darauf, was nun folgen würde. Denn Geschichten mochte er und so freute er sich innerlich auf jene Dinge, die nun folgen sollten, obgleich er keinen Schimmer hatte zu welchen Ausschweifungen dieser Geschichtenerzähler in der Lage sein könnte… nein, er traute es ihm ehrlich gestanden nicht einmal zu und auch dieses mal sollte seine Einschätzung einer Person die Realität nicht verschönen oder in utopischen Sphären angesiedelt sein und die darauffolgenden Worte trafen ihn weniger wie ein Stein, als vielmehr wie eine tätschelnde Hand mit den Worten begleitet, “Na, was hab ich dir gesagt?!”…

… Denn nicht weniger als 12,5 Millionen Dollar Umsatz, brachte dieser winzige, unscheinbare Laden im Jahr und bescherte damit dem Besitzer ein seliges Lächeln und ein beruhigendes Kissen. Mit diesen Worten schlug der Erzähler die Hände vor seinem Bauch zusammen und beendete seinen kleinen Ausflug ins Jenseits seiner eigenen Realität.

… Fortsetzung folgt…

Die Farbe des Kapitalismus 5

Thomas Kleinstück am 8. März 2011 um 14:15

Er sah zum Fenster und seine Blicke und Gedanken verirrten sich im stählernen Blau des Himmels an diesem Wintermorgen. Der Tag war jung und schon so bedeutungsvoll… die Kälte quietschte mit ihren Krallen an den Fensterscheiben entlang und hinterließ dabei Blumengrüße aus Eis, als wolle der Tag damit sagen: “Guten Morgen Alexander. Ich schenke dir Veränderung, an diesem atemberaubenden, polaren Tag…”

Draußen auf der Straße, war ein Fahrzeug damit beschäftigt den Schnee von den Straßen zu entfernen, doch ein Vorsprung des Daches verhinderte den Blick und so sah Alexander gebannt dabei zu, wie eine riesige Fontäne aus Schnee, in die Lüfte steigend, am Fenster vorüber zog. Ein zartes Lächeln machte sich auf seinen Lippen breit, denn er stellte sich vor, es wäre der Blas eines Wales, welcher auf den Wellen eines Flusses herbeigeeilt kommt und ihn fortträgt in eine andere, fantastische Welt! Doch so schnell wie er kam, verschwand der Wal aus dem abgetrifteten Gedankenkarussell des Jungen wieder und mit ihm das Lächeln aus seinem Gesicht.

Der Mann mit dem Straight Flush erhob nun das Wort und aller Augen richteten sich ausnahmslos auf ihn. Er war ein kräftiger Mann, ein Fels in der Brandung und er saß aufrecht und standhaft. Nichts und niemand vermochte ihn wohl zu erschüttern, so dachte Alexander, doch in seinem Gesicht konnte man eine lange Geschichte von Einsamkeit und Sehnsüchten lesen.

Es war still im Raum und niemand wagte es sich nur einen Millimeter zu bewegen, sich zu räuspern oder auch nur irgend einen Ansatz von menschlichen Verhaltensweisen an den Tag zu legen, während die Luft und die Gedanken der Anwesenden mit den Worten des Mannes geschwängert wurden. Es war als würde hinter jedem von ihnen eine unsichtbare, aber extrem ausgeprägte Autorität stehen, welche mit einem kräftigen Griff ins Genick zur Starre zwang.

Alexanders Blick fiel auf den Tisch und ersäufte sich in der Tasse mit dampfenden Kaffee, welcher vor ihm stand. Er war gespannt was nun wohl folgen würde, denn er wusste, wenn jener Mann dort an der Stirnseite zu einer Erzählung, ja einer Geschichte ansetzte, so würde diese in der knallharten Realität angesiedelt sein und wenig fantasievoll daherkommen und als ob er es geahnt hätte fanden die folgenden Worte ihren Ursprung auf dem harten Boden der Realität, anstelle dort zu enden.

… Fortsetzung folgt…

Die Farbe des Kapitalismus 4

Thomas Kleinstück am 3. März 2011 um 12:45

Und überhaupt… grade mal drei von den Anwesenden haben bestenfalls ein “Three of a kind” auf der Hand und von diesen wiederum hat einer noch nicht mal sein Pokerface geübt… er wird schon rot wenn man ihm nur guten Morgen sagte.

Einer in der Runde beherbergte ein “Straight Flush”, das war ein offenes Geheimniss. Er wusste wie er sich seine Lorbeeren verdiente und er war sich dessen bewusst, dass sie ihm keiner streitig machen konnte und wenn, so wüsste er sie auf jeden Fall  zu verteigen.

Dann gab es noch den bebrillten Bürohengst in der Runde. Er für seinen Teil musste wohl der Dealer sein, hier und da teilte er aus… wichtig war er, da gab es keinen Zweifel… doch wirklich mitwirkend war er nicht im Verlaufe dieses Spieles und Alexander fragte sich, was er hier eigentlich wollte, waren die anderen nicht schon genug an Autorität? Warteten an seinem Pc, im Büro oben drüber nicht noch ein paar Auswertungen? Waren da nicht noch ein paar Bilanzen zu ziehen? Lungerten auf seinem Desktop keine Nullen und Einsen mit denen er nach Herzenslust jonglieren konnte, um ein paar Hochrechnungen aus dem Zylinder zu zaubern? Konnte er nicht ebenso gut via Google Chrome in Erfahrung bringen, wie das Wetter morgen wird?

Wie dem auch sei… wer den “Royal Flush” auf der Hand hatte, war wohl allen an dieser Tafel bewusst… er saß Alexander direkt gegenüber und legte nun, in optimistische und erfolgschwangere Worte gekleidet, neue Herausforderungen und Verantwortungen in dessen junge, dynamische Hände und er, willigte ein.

Wer sich mit dem Kapitalismus verbunden fühlte, musste wohl auch die Kunst zu Pokern beherrschen. Alexander für seinen Teil war weder mit den Regeln noch dem Verlauf des Spieles vertraut und so nahm er unsicher seine Karten in die Hand und viel in eine tiefe Abwesenheit, ohne sein Blatt zu bemerken und ohne es schätzen zu wissen.

… Fortsetzung folgt…

Die Farbe des Kapitalismus 3

Thomas Kleinstück am 1. März 2011 um 13:05

Doch wo sich eine Tür im Leben schloss, wurde meist auch eine andere schon geöffnet und so wurde für Alexander zwar schemenhaft aber real, in nicht all zu weiter Zukunft eine Kerze ins Fenster gestellt, welche ihm den Weg zu einem Türspalt weisen sollte, der sich neben jenem Fenster offenbarte und den er, wenn es so weit war, nur noch aufstoßen musste und mit empfangenden Armen rufen konnte… “Hallo, du neues Leben! Du spannender, neuer Abschnitt!”…

Er sah es als Gnade und als ausgleichende Gerechtigkeit, denn zu Schulden kommen lassen hatte er sich nichts und vorzuwerfen ebenso wenig und so ging er seiner Arbeit vorläufig an anderer Stelle nach. Wo er sich wohlfühlte und sich ein klein wenig auf die kommenden Tage vorbereiten konnte… sowohl physisch als auch psychisch… wenn man so wollte, wartete er, bis ihn die Sonne eines neuen Frühlings wach küsste, wie ein Schneeglöckchen, welches im Schnee verborgen liegt.

Und hier an diesem Tage, hier in jener Runde, sollte die Tür endlich aufgestoßen werden und die frohe Kunde ihn ereilen. Gerüchte die immer lauter wurden, sollten nun feierlich tiefe Wurzeln schlagen, doch zum Feiern war ihm nicht zu mute.

Denn eben wie ein Schneeglöckchen saß er in seinem Stuhle. Mehr oder weniger zerknittert und vom Winter noch leicht benommen, als wäre er eben erst aus dem Bett gestiegen, hörte er sich an, was man ihm zu sagen hatte und alles an was er dachte war: Warum habt ihr mich geweckt?

Warum erzählten sie ihm Dinge, welche längst schon beschlossene Sache waren? Warum fragten sie nicht zunächst einmal, wie Alexanders Vorstellungen im Bezug auf seinen Werdegang aussehen? Warum redeten sie von jungen, engagierten Mitarbeitern, während einer von ihnen nur halbherzig lächelte als das Urteil verkündet wurde und nun wie eine Rauchwolke von Zigarren und Zigaretten  genährt über einem Pokertisch hing, an dem mindestens eine Person mitzockte, der die Regeln des Spiels überhaupt nicht verstand, oder sie besser gesagt… nicht wahr haben wollte?

… Fortsetzung folgt…