Der Dresdner Juli

Thomas Kleinstück am 12. Juli 2010 um 18:34

Auf den Straßen vorm Haus wälzen Blechlawinen, wie ein Lavastrom heiß und flimmernd. Menschen gefangen in der Klimahölle, entnervt, verschwitzt und wimmernd.

Zu warm, um in den Schatten zu hechten, zu lahm, um sich auf Arbeit zu knechten, zu brennend um sich in die Sonne zu legen, eine Zeitlupenwelt, bloß nicht bewegen.

Doch im bläulichen Schatten zwischen Sandsteinskulpturen, unter dem dichten Dach der Platanen, zu Füßen des Reiters, der wie die Sonne glüht, lässt ein Hauch von Urlaub sich erahnen.

Touristen sitzen dort auf den Bänken, Kellner sieht man Bier ausschenken, Violinenspieler erfüllen die Luft, neben Eis-, Kaffee- und Kuchen-Duft.

Die Ufer des Wassers liegen in Sicht, die Elbe scheint ein göttlicher Ort, doch frohlockt sie bei Wüstentemperaturen nicht, denn kaum Bäume und Sträucher gibt es dort.

Keinen Mensch kann man hier im Grase sehen, nur laue Lüftchen spürt man wehen, umsäuselt von See- und Brackwasser-Atem, liegt die Cosel und der Starke an ihrem Kai und warten.

Auf die Blitzlichter die sie von oben blenden, auf die Feriengäste die sich der Altstadt zuwenden und in die Brunnen im Zwinger und auf der Prager Straße, ihre Füße stecken und in die Gischt ihre Nase.

Ein Müßiggang für jung und alt, der Sommer hält alles in seiner Gewalt, selbst den Bienen und Spatzen fällt das fliegen schwer, einen so heißen Juli sah Dresden lang nicht mehr.

Am Tage über uns der Himmel brennt, nur die Nacht ein Fünkchen Erbarmen kennt und in satten Grün steht noch jeder Baum, so wird die Nacht der Schlösser zum Sommernachtstraum.

Ja die Julinächte mit ihren grünen Feen, im Rosengarten kann man sie sehen, sie tanzen auf dem Rosenball, zum lieblichen Gesang einer Nachtigall.

Auch in der Heide und im Prießnitzgrund, wo die Luft nicht versmogt sondern scheinbar gesund, wo des Tages die Hunde zu ihren Herrchen kläffen, kann man im Schutze der Nacht Glühwürmchen treffen.

So schönes birgt der Dresdner Juli, wir müssen es nur sehen. Es genießen und auf Tuchfühlung mit unserer Umgebung gehen. Macht die Nächte zum Tage, geht wandern, geht baden, genießt diese traumhafte Zeit, denn die kalten und ungemütlichen Stunden stehen nicht all zu fern schon bereit.

Zu lang war der Winter, man ersehnte den Sommer, ein Sonnenbad auf dem Balkon und Wünsche sollen doch in Erfüllung gehen, also nutzt es und habt etwas davon!

thomas kleinstück, 12.07.2010

Wir Menschen sind komisch…

Thomas Kleinstück am 5. Juli 2010 um 23:44

Es duftet nach Sommer! Ein lauer Regen prasselt hernieder und erfüllt die Luft mit dem Geruch von Teer und warmen Asphalt. Schwerfällig rollen die dicken, von Staub angereicherten Tropfen von den Dächern Dresdens und behaarlich  verweilen sie auf den großflächigen, kraftvollen Blättern der Platanen, bis sie ihrer eigenen Fülle unterliegen und mit einem lauten Platsch zu Boden plumpsen. Wer kann, flüchtet davor und wer dem unsteten Fluss des Lebens etwas abgewinnen kann, entledigt sich seiner Kleider und wagt ein Tänzchen in mitten der tausend kleinen Kegel.

Wir Menschen sind komisch… Wünschten wir uns doch so sehr den Sommer, als es noch kalt und unerbittlich auf den Straßen war und nun freuen wir uns über den Regen, der ein wenig Abhilfe gegen die unermüdliche Hitze schafft. Doch würde er beständig und anhaltend sein, so wäre es uns alles andere als recht. Ist es nicht so?

Wie eine Sonnenblume der Sonne entgegen…

Thomas Kleinstück am 29. Juni 2010 um 22:38

Die Sonne drückt den Staub auf dem Neumarkt herunter, wie Puderzucker als I-Tüpfelchen auf einem Windbeutel und wenn man den Blick über den stahlblauen Himmel schweifen lässt… vorbei an der Spitze der Frauenkirche… hinfort zum goldenen Rathausmann… so lässt sich weit und breit kein Schäfchen am Himmel entdecken, unter welches man sich flüchten könnte um der Wucht des Sommers zu entgehen. Die kleinen Cafés sind gut gefüllt, mit Touristen welche nach Eiscreme lüstern und in wahrnehmbarer Bewegung ist heute so gut wie niemand. Einzig die Augustusbrücke erinnert daran, von wie viel Leben diese Stadt doch geprägt ist und an der Elbe darunter, dort liegt es schon wieder lang.

Selbst der phirsichfarbene Orleander vor den hohen Arkaden der Altmarkt Gallerie lässt auf unästhetische Weise seine wohlduftenden Blüten hängen und wirkt gerädert und zerzaust, obgleich kein Windhauch ihn erreichte. Da hingegen sind die Sonnenblumen, welche aus ihrem wartenden Dasein unter Artgenossen erwählt wurden, um einer dresdner Singlewohnung ein wenig mehr Farbe zu verleihen, eine echte Wohltat fürs Auge. Wenn ich sage wartend, so meine ich… wartend darauf entdeckt zu werden… wartend auf jemanden der sie schön findet… wartend auf jemanden der sie erwählt und mitnimmt und bereit ist die 3 euro pro Stängel unbeständiger, schnelllebiger Pracht zu bezahlen… ein Preis der verschwindend gering ist, wenn es jemanden nur annähernd glücklich machen kann.

Ich glaube Andrea Bocelli & Sarah Brightman schwirrten grade durch die wüstenhafte Luft und trugen die Worte eines Freundes an mein Ohr welche tief drungen und immer noch am klingen sind…

… sämtliche Ketten von sich zu lösen und ungeachtet von dem was andere sagen, seine Erfahrungen zu sammeln und Entdeckungen machen, unvoreingenommen, weltoffen und vor allem gelöst und nicht mit dem Drang eine Rechenschaft ablegen zu müssen, im besten Falle nur für sich selbst…

… was er damit sagen wollte ist wohl folgendes. Sich wie eine Sonnenblume beim Floristen nebenan zu verhalten und stillschweigend in einer Vase zu stehen, darauf wartend dass die Sonne, welcher man sich zuwenden kann, vorbei gehoppelt kommt, kann unter Umständen bedeuten, dass man ewig in dieser Vase steht und nur für sich selber schön ist und schließlich einmal schön war. Denn was einer Sonnenblume verwehrt bleibt ist uns Menschen glücklicher Weise vergönnt.

Denn wir können aus unserem gläsernen Sarg entfliehen, hinausgehen, uns unter anderen schönen und interessanten Blumen suhlen, in andere Vasen hineinschauen, ja sogar hineinsteigen, die Harmonie variierender Sorten austesten und beobachten wie es denn die anderen Pflänzchen so halten. Auch wenn das ein oder andere Blütenblatt dabei verloren geht, so verliert man doch nicht an Individualität und im Laufe der Zeit erinnert man sich vielleicht mit Reue oder mit Sehnsucht erfüllt an diese und jene Vase und Pflanze zurück, was aber niemals den Blick vom wesentlichen abhalten sollte… fesseln darf… nämlich den Blick nach links, nach rechts, nach oben und unten und in aller erster Linie die Blickrichtung nach vorne…

… dass aus einer Primel keine Eiche werden kann ist wohl klar, aber das sollte sie nicht daran hindern zu wachsen.

An sich verwirrt…

Thomas Kleinstück am 28. Juni 2010 um 18:43

… denn Schlag auf Schlag ging es weiter. Frisch und fröhlich sprang ich in das kalte Meer der Arbeit und während mich Jude Law mit einem Lächeln der Marke, bisher dachte ich immer du wärst eingebildet… aber eigentlich scheinst du ganz nett zu sein, bedachte, wurden mir ein paar ganz neue Aussichten auf Arbeit vor die Nase gestellt, welche mich von nun an ebenfalls durch den Tag begleiteten.

Mit einem so prall gefüllten Gedankenköfferchen ausgestattet, ebnete sich mein alles andere als holperiger Weg durch den Donnerstag. Nebenher erfuhr ich noch dass es in Deutschland 74 Landschaften gibt, welche man als “Schweiz” bezeichnet und dass George Washington 1789 zwei Bücher einer New Yorker Bibliothek entlieh und diese nie zurückbrachte, woraufhin sich die Leihgebühren mittlerweile auf 300 000 Dollar belaufen… das ist nicht wirklich interessant, aber es regt zum Schmunzeln an und schmunzelnd machte ich mich nach getaner Arbeit auf den Weg in die Stadtoase, denn so war es für den Abend geplant…

… ich merke grade dass ich mich fürchterlich verrenne und immer noch über den Donnerstag rede, obwohl schon wieder Montag ist und das Wochenende wie im Flug vergangen ist. Da ich es aber nicht für sinnvoll halte in der Vergangenheit rum zu stochern, als wäre es eine Portion Speckkartoffeln aus der man verzweifelt versucht den Speck rauszusammeln, werde ich mich jetzt mal etwas kürzer fassen und den Schnelldurchlauf einschalten. Denn wenn ich keinen Speck mag bestelle ich mir keine Speckkartoffeln und wenn es in der Vergangenheit etwas gibt, was mich aufstößt, dann lebe ich einfach weiter, auch wenn der Donnerstag nichts aufstoßendes hatte.

Wie gesagt, wir saßen also in der Stadtoase im Ostra Gehege, dem chilligen Strand mit Blick auf die Elbe und darüber hinweg auf die zwei anderen Strände von Dresden. Ich persönlich halte mich lieber in der Stadtoase auf, da hier das Klientel bunt gemischter Natur ist und keine Klassentrennung herrscht wie am anderen Ufer. Das ist nämlich der Grund warum es dort zwei Strände gibt und zwar direkt nebeneinander, aber das steht auf einem anderen Blatt. Hugh Grant und der Junge mit dem Jeanshemd erwarteten mich schon, denn wir verabredeten uns zum Feierabendbierchen und es verging nicht mal eine Stunde und es versammelten sich allerhand neue, ein paar gegenwärtige, der ein oder andere unerwartete und einige immer gern gesehene Personen an unserem Tisch und es dauerte nicht lange und der Abend, der allmählich zur Nacht wurde bekam eine neue Grundstruktur und verlagerte sich vom Outdoorchillout zum Indoorsitting und jetzt ratet mal wohin…

… ins Boy`s. Ein Laden auf der Alaunstraße den ich im Normalfall meide, doch was ist schon normal? Hier werden die Randgruppen in der Randgruppe sichtbar und obgleich das Boy`s schon in der schwulen Schublade des Lebens steckt, entdeckt man in den Räumlichkeiten ein verstricktes Wirrwar von Schubladen und aus jeder guckt ein anderer heraus. Da wird am einen Tisch über die Sitzgelegenheiten gegenüber gelästert und hier und da wird sich lautstark unterhalten um Erhabenheit zu demonstrieren und auf sich aufmerksam zu machen, was das Zeug hält. Es riecht nach unheimlich fremd anmutenden Gerüchen und unweigerlich fliegen einem Gesprächsfetzen ans Ohr, deren tieferer Sinn in der Mundfäule einer der betreffenden Personen zu suchen ist und ob es denn schon besser geworden ist. Da hört man gerne weg und widmet sich viel lieber der Formation am Tisch, welche sich im Laufe einer Stunde schon wieder völlig geändert hat und man bekommt mit, dass es im Vorderhaus meiner eigenen Wohnhaft nicht nur skurrile Aktivitäten, Hund und Katze abwechselnd am Fenster und ausgetragene Schäferstündchen bei offener Balkontür und Festbeleuchtung zu beobachten gibt, sondern dort, in dem Haus in dem ich ehrlich gesagt nicht wohnen wollte, es sogar unheimlich syphatisches Leben gibt, in dessen Genuss man nun kommt es mal kennen lernen zu dürfen.

Und so offenbarten sich mir an einem, gelinde gesagt schnelllebigen Donnerstag, nicht nur neue berufliche Aussichten, sondern neue Bekanntschaften, neue Sichtweisen und die Festigung von alten und neuen sozialen Kontakten und als wäre das nicht schon genug für mein kleines Seelenleben gewesen erreichte  mich noch mitten in der Nacht die Nachricht einer immer wieder neuen Person aus alten Tagen, worüber ich mich sehr freute, obgleich ich mit keiner Silbe damit gerechnet habe.

Einziger Wermutstropfen dieser Tage ist die Tatsache, dass sich der Nachtelf seit einiger Zeit vor mir verbirgt und ich nicht wissend bin weshalb… ich mir nicht sicher bin ob ich etwas falsches gesagt habe… aber noch ist auch sein roter Faden in meiner Stadt verankert und so verwirrt und unübersichtlich das Ganze im Moment auch ist, so viel Spaß macht es mir aber auch und ich werde mit Genuss in nächster Zeit an dem ein oder anderen roten Faden ziehen um hier einen Konoten zu lösen und ja mag sein, vielleicht auch da einen Knoten zu festigen. Wohin es mich führt werde ich sehen, was es mir bringt vermag ich nicht mal zu erahnen. Ich weiß nur dass es unheimlich Spaß machen wird und sowohl meine Bank im Rosengarten als auch mein Tetrapackrotwein für einsame Stunden werden mir schon irgendwie dabei helfen. Ich bin optimistisch!

So

Roald Dahl, du warst der Beste!

Thomas Kleinstück am 26. Juni 2010 um 01:24

Es gibt ja bekanntlich Tage und es gibt Tage, solche und solche, ihr wisst was ich meine. Heute dreht sich die Welt etwas langsamer und im nächsten Moment klammert man sich daran fest und Kleider und Haare sind völlig vom Fahrtwind zerzaust und zerknittert. Gestern war es mal wieder so weit und es griff wirklich ein Zahnrad ins nächste und ein roter Faden nach dem anderen gab sich die Klinke in die Hand.

Denn genauso kommt mir mein Dresden vor. Verstrickt und durchwoben von einem zarten Geflecht aus hauchdünner Wolle, so dünn das sie jeder Zeit zerreißen könnte, aber dennoch gemacht ist aus feinster und allerbester Qualität. Jeder Faden für sich mit einer besonderen Note und sehr individuell. Mal ist er etwas länger, mal ist er etwas kürzer, mal etwas kräftiger und mal besonders zierlich. Eines haben sie aber alle gemeinsam, sie sind sehr sensibel, doch in der Masse geben sie ein Konstrukt das robust und äußerst stabil ist und selbst Dornröschen hätte sich mit dieser Wolle unmöglich an der Spindel gestochen, was ihr den ein oder anderen Tag länger mit ihrem Prinzen eingebracht hätte.

Doch das hier ist nicht der Märchenwald und der Blick aus dem Fenster offenbart mir weder weiße Einhörner, noch Prinzessinen die im Turm eingesperrt sind und von fiesen kleinen giftgrünen Drollen mit vergifteten Pfeilspitzen bedroht werden. Nein es bietet mir etwas, dass um Längen besser ist… die Realität… mein Dresden.

Der Tag begann normal, wie jeder andere auch. Nein nicht ganz. Die Sonne schien und ich hatte schon früh am Morgen meinen Termin bei der Kosmetik um mir die Morgenfalten aus dem Gesicht schnitzen zu lassen… einmal im Monat muss das sein und es tut zu Weilen unheimlich gut! Grade aus dem Bett gefallen und schon liege ich auf der Britsche und lass mich besäuseln. Sie weiß dass ich am Morgen noch nicht viel zu sagen habe und so höre ich eben bedächtig zu und versuche zwischen dem schmerzhaften Augenbrauen zupfen das ein oder andere befürwortende Ja ein zu werfen und mich mit kurz gehaltenen Sätzen zu diesen und jenen Themen zu äußern. Ich höre ihr gerne zu, denn die Dame, welche so fürsorglich mit meiner T-Zone umgeht ist eine sehr kluge Frau und wir haben eine große Gemeinsamkeit.

Wir kennen Das Geheimnis und wir glauben gemeinsam an das Glauben…

… frisch gepeelt, gezupft und porentief gereinigt machte ich mich wieder auf den Heimweg und verabreichte mir neben einer guten Portion Kaffee eine riesen Portion Roald Dahl. Seines Zeichens Schriftsteller von unvergleichlich schönen Kurzgeschichten und Romanen und darüber hinaus mein Lieblingsautor… denn ja, zu jenem hat er sich gemausert und gestern hat er sich noch ein paar Pluspunkte verdient. Ich erfuhr etwas, was ich bis Dato noch nicht wusste und was ihn in ein noch genialeres Licht gerückt hat. Denn es Gibt einen Film den ich sehr zu schätzen weiß. Auf Grund seiner Handlung, auf Grund seiner Darsteller und nicht zu letzt auf Grund seiner fantastischen Inszenierung, welche durch meinen Lieblingsregisseur Tim Burton erfolgte. Kurzum, “Charly und die Schokoladenfabrik” ist ein Gesamtkunstwerk der Superlative und jetzt kommt der absolute Wahnsinn… Roald Dahl ist der Autor dieses wunderbaren Werkes!

Ein fettes Grinsen machte sich auf meinem Gesicht breit und begleitete mich den restlichen Tag hindurch, der aber noch lange nicht zur Neige ging…