Non, je ne regrette rien
Nein, ich bereue nichts…
Ok. Nach diesem Beitrag habe ich das Thema Èdith Piaf genug abgehandelt und durchgeleiert. Dann ist alles gesagt was mir zu dieser Person auf dem Herzen liegt. Doch dieses eine, ihr letztes, Interview hat mich berührt, bewegt und nicht zuletzt für mein Bild inspiriert. Daher möchte ich es gerne mit auf den Weg geben und niederschreiben und euch damit zugänglich machen…
Stellt euch bitte folgendes vor. Èdith Piaf, eine Frau von achtundvierzig Jahren die aber vom Leben gezeichnet ist, sitzt allein am Strand und strickt einen Pullover. Sie ist vertieft in ihre Arbeit, wie ein Kind schaut sie… glücklich. Eine junge, freundlich wirkende Frau kommt hinzu und setzt sich neben ihr in den weichen cremigen Sand, welcher von den Strahlen einer untergehenden Sonne gewärmt wird.
Madame: Guten Tag… man sagte mir am Strand, also… nett von ihnen dass sie das Gespräch mit mir führen.
Èdith: Es ist mir eine Freude.
Madame: Seltsam, sie so weit weg von Paris zu sehen.
Èdith: Ich bin nie sehr weit weg von Paris.
Madame: Gut. Ich habe eine kleine Liste mit Fragen. Sie sollten spontan antworten, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt.
Èdith: …sie nickt…
Madame: Alles klar? Also… Was ist ihre Lieblingsfarbe?
Èdith: Das ist Blau.
Madame: Was ist ihre Lieblingsspeise?
Èdith: Gefüllte Rinderroulade.
Madame: Wären sie bereit vernünftig zu leben, madame Piaf?
Èdith: Das tu ich schon längst.
Madame: Wer sind ihre treuesten Freunde?
Èdith: Oh meine wahren Freunde sind alle treu.
Madame: Wenn sie nicht mehr singen könnten?
Èdith: … seufzt… Dann würde ich nicht mehr leben.
Madame: Fürchten sie den Tod?
Èdith: Weniger als die Einsamkeit.
Madame: Beten sie?
Èdith: Oh ja. Denn ich glaube an die Liebe.
Madame: Was ist ihre schönste berufliche Erfahrung?
Èdith: Jedes mal wenn der Vorhang aufgeht.
Madame: Ihre schönste Erinnerung als Frau?
Èdith: Der erste Kuss.
Madame: Mögen sie die Nacht?
Èdith: Ja. Mit viel Licht.
Madame: Den Tagesanbruch?
Èdith: Mit einem Klavier und Freunden.
Madame: Den Abend?
Èdith: Das ist für uns der Tagesanbruch.
Madame: Wenn sie einer Frau einen Rat geben würden. Welcher wäre das?
Èdith: Zu lieben.
Madame: Einem jungen Mädchen?
Èdith: Zu lieben.
Madame: Einem Kind?
Èdith: Zu lieben.
Madame: Für wen ist das, was sie da stricken?
Èdith: Für jeden der meinen Pullover tragen will.
Madame: Schön. Das war`s dann. Ich hoffe es hat nicht zulange gedauert.
Èdith: … sie schüttelt den Kopf und lächelt…
Madame: Vielen Dank Madame.
… sie reichen sich die Hände…
Èdith: Danke ihnen, Mademoiselle.
Madame: Aufwiedersehen.
Èdith: Aufwiedersehen.
… Und Èdith blieb allein zurück und strickte weiter glücklich ihren Pullover, für jeden der ihn tragen möchte, im glanze der im Meer versinkenden Sonne…