Morgenstund hat Gold im Mund?
Morgenstund hat Gold im Mund, oder in meinem Fall Gelächter, Geschreie, Gepolter und Gerangel wie man es von Kleinkindern kennt. Grund für diese morgendliche, nervtötende Dauerbeschallung ist, wie sollte es anders sein, mein Mitbewohner und sein Freund. Manchmal habe ich das Gefühl, die beiden provozieren das richtig. Die machen mit Absicht laut, weil sie wissen das mich das maßlos ankotzt! Gerne tragen sie ihre stichelleien direkt vor meiner Zimmertür aus. Eines Morgens wurde ich geweckt, durch lautstarke Streitgespräche meines Mitbewohners. Ich dachte er steht vor meiner Tür und meckert irgendwas zu seiner Püppi, aber Pustekuchen! Als ich fuchsteufelswilde aus den Federn sprang, die Tür aufriss um lauthals meinem Unverständniss für derartige Störungen einen Ausdruck zu geben, musste ich feststellen das er tatsächlich unmittelbar vor meinem Zimmer stand, aber… und jetzt kommts… er redete nicht mit seinem Freund, nein er redete mit seiner Mutter am Telefon und zu allem Überfluss war er splitterfasernackt und ich war sprachlos! Heute Morgen wurde ich von ihm gefragt, ob ich einen Kaffee trinken möchte, es wäre noch welcher da. Meine Antwort war “Nein”, schon alleine um unnötigen Gesprächen zum frühen Morgen aus dem Weg zu gehen, denn ich war alles andere als gesprächig. Jetzt muss man sich vorstellen das mein Mitbewohner ein nein, niemals akzeptiert und wenn er es gehört hat, dann wird es ignoriert. In seinem Universum existieren diese vier Buchstaben nicht. Er fragt also nach fünf Minuten noch einmal beherzt nach. Dabei steht er mit der Katze im Arm vor der geöffneten Badtür und schaut mir dabei zu, wie ich die Nacht aus meinem Gesicht entferne und mein äußeres zur Tagesform modeliere. Wieder begegnet ihm ein “Nein” und das zuwerfen der Tür. Seine Worte zur Katze:”Der will dich nicht sehen Yuna.” Falsch! Ich wollte ihn nicht sehen, wieder so eine Wahrheit die er ignoriert. Wie dem auch sei sind seine letzten Worte, geschätzte weitere fünf Minuten später:”Ich habe dir den restlichen Kaffee auf die Platte zurück gestellt, da kannst du ihn dir dann nehmen.” Der Kaffee steht vermutlich jetzt noch, denn ich habe das Weite gesucht und mich spontan zu einem Spatziergang entschlossen.
Wie herrlich sich die Welt heute presentiert. Ein wunderbar nussiger Duft liegt in der Luft und alles ist von leichtem Dunste durchwebt. Das Elbtal liegt vor mir wie ein riesengroßes Gemälde, dessen Künstler das Leben ist. Die Sonne steht tief am Himmel und spielt mit Schatten und Farben der Bäume. Ihre Energie ist dennoch von großer Kraft. Sie wärmt mich hinter dem Ohr. Alles steht da und steht still wie eine Kulisse, als würde sie im nächsten Moment weggeräumt und durch eine neue ersetzt werden. Als könnte man hinter den nächsten Baum und Strauch springen und erkennen, das es nur zweidimensionale Aufsteller aus Pappe sind, welche einem größeren Sturm nicht standhalten würden. Die Umrisse eines jeden Objektes, welches die Natur und die Stadt zu bieten hat, sind gestochen scharf und trotzdem scheint alles zu einer Einheit zu verschmelzen. Viele Menschen sind unterwegs und teilen sich die Eindrücke, die ihnen der Rosengarten zu bieten hat. Unendlich viel Laub bedeckt die Wege, bunt und raschelnd läd es dazu ein hindurch zu schlürfen und nicht die Füsse zu heben. Die Platanen auf der Hauptstrasse sind noch unwahrscheinlich üppig belaubt. Ein zartes Grün wechselt in sanfte Gelbtöne und lässt den Tag in einem goldenen Kostüm am “Goldenen Reiter” verweilen. Der immergrüne Efeu, welcher mir hier und da begegnet erinnert mich an den letzten Sonntag. Ich war bei meinen Eltern und beschloss mit meiner Mutter eine Runde durch das Dorf zu laufen. Wir statteten dem ländlichen, niedlichen, kleinen Friedhof einen Besuch ab. Auch hier war die Luft so klar und würzig, das alles den Hauch von einem Märchen hatte. Einige der Gräber und insbesondere ihre Grabsteine waren mit einer sehr kleinblättrigen Art von Efeu überwuchert. Sie sahen fast einem Sessel ähnlich, einem unheimlich flauschigen. Hunde hätten es aber auch sein können. In meiner Fantasie kamen sie auf mich zu gelaufen und fingen an zu bellen. Nachher fahre ich wieder aufs Land und mal schauen was mir wird heute begegnen.