MHD der Liebe…
Und alles kehrt zurück zum Anfang. Nicht im Sinne von Asche zu Asche und Staub zu Staub, sondern eher im Sinne von “alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei”. So kalt und unangenehm die letzten Tage auch waren so angenehm mild kommt der Heutige daher. Ich finde es fühlt sich an wie Ostern da draussen.
Das Telefon klingelte heute früh und ich überlegte kurz es einfach klingeln zu lassen, denn ich wusste wer sich am anderen Ende befand, nur wusste ich nicht was er denn wollte. Ich wollte es eigendlich auch gar nicht so recht wissen, aber dennoch hob ich überraschender Weise den Hörer ab und meldete mich mit einem kurzentschlossenen “Ja?”. Seine fragen waren wie immer von nicht all zu großer Bedeutung, aber eigenartig war die Art, wie er doch auf etwas bestimmtes hinaus wollte, es sich aber nicht so recht traute das Thema an zu sprechen. Er wollte wohlmöglich einfach nur eine vertraute Stimme hören um seine Gefühle zu äussern und freien Lauf zu lassen. Ich weis noch wie ich meine Mutter anrief, wenn es mir schlecht ging. Ich wusste ich wollte weinen und wenn ich die Stimme von ihr hörte konnte ich es eigenartiger Weise auch. Auch war ich mir dessen sicher das sie mich ein Stück weit auffangen konnte, einfach nur mit dem Gefühl, das sie da ist, auch wenn man die Person nicht sieht. In seiner Stimme war ein wenig Verzweiflung zu erkennen und eine Spur von Ratlosigkeit. Ich wollte ihn am liebsten in den Arm nehmen, er tat mir Leid und ich konnte nichts tun in diesem Moment. Dabei wusste ich nur zu gut wie er sich fühlte und ich war überrascht und etwas geschmeichelt, das er nun ausgerechnet mich auswählte um mir den Bruch seiner Beziehung zu unterbreiten. Eine Gemeinschaft, die auf eine fast einjährige Vergangenheit zurück blickte. Das ist zwar gemessen an den Beziehungen und Ehegemeinschaften unserer Eltern und Großeltern eine recht kurzweilige Geschichte, aber für schwule Verhältnisse schon eine kleine Ewigkeit. Warum nur ist das so? Wie kommt es das unsere Eltern schon 25 Jahre und Großeltern sogar an die 50 Jahre wohlbemerkt verheiratet sind und unsere Generation über vier Jahreszeiten hinaus nicht mit einander zurecht kommt? Diese Leute kennen sich meist schon seit dem Jugendalter und haben des öfteren nicht einmal andere Beziehungen vor den jetzigen Lebensgefährten geführt und trotz alle dem wirken sie und sind es auch noch, glücklich. Selbst mein Bruder der sich im Alter zu mir nur mit vier Jahren unterscheidet und seine Freundin, welche gleich meinem Alter ist blicken auf einen gemeinsamen Weg von sechs oder sogar schon sieben Jahren zurück. Respeckt! Ich ziehe ernsthaft meinen Hut. Ich freue mich sehr für die Beiden und ich sehe das sie ganz wunderbar miteinander harmonieren. Ich müsste lügen wenn ich behaupten würde nicht ein kleinwenig neidisch zu sein. Wo aber liegt das Geheimniss? Wo gibt es das Rezept für die Beziehung? Das Rezept für die Liebe? Warum ist dieses Thema überhaupt so allgegenwärtig und bestimmt so vieles in unserem Alltag, im Gefühlsleben, in unserem Tun und unserem Entscheiden? Nur selten gibt es im Kaufhaus des Lebens das Produkt mit der Aufschrift Liebe im Angebot. Hinzu kommt die Tatsache, das wir nicht immer offen sind für diese Art von Schwingungen und manchmal sogar blind dafür. Auch definiert jeder für sich diese Thematik anders. Nicht jeder verpackt die gefundene Liebe gleich in ein paar Meter Packpapier und schnürrt es kräftig zu um es noch mit der Aufschrift “Meins” zu versehen. Offene Partnerschaften sind wohl schwer im kommen und das Wort “Beziehung” hat sich wohl zum Schrecksymbol nummer eins gemausert. Kein anderes Wort lässt einen automatisch weniger Atmen und legt einem die Fesseln der Versuchung an. Man lebt dann für zwei und nicht all zu selten wird das Wort Liebe zu schnell und rücksichtslos benutzt. Dabei sollte es doch den Grundsatz und das A und O für den Zusammenhalt einer Gesellschaft bilden!? Es sollte etwas sein, worauf man sich freut und nicht etwas vor dem man sich fürchtet. Die Furcht wieder an einem Punkt zu stehen, an dem man alleine in der Welt steht und man sich erst wieder Stück für Stück anderen Menschen gegenüber zu öffnen wagt, ja nicht zu viel und lieber noch etwas mehr verschließen, denn noch mal verletzt zu werden verkraften wir nicht. Gibt es ein Mindesthaltbarkeitsdatum für die Liebe? Und wenn ja, warum fällt es unterschiedlich aus? Oder können wir bei vergangenen Beziehungen und Verliebtheiten gar nicht von Liebe reden, da der Weg auch ohne die beteiligten Personen wieder sonnig, klar und sogar meist noch schöner wurde?
Also sollten wir das Produkt “Liebe” wenn es uns das nächste mal in die Hände fällt erst dreimal umdrehen und genaustens auf seine Haltbarkeit untersuchen. Darüber hinaus sollten wir uns mit den Lagerbedingungen genauso vertraut machen, wie man der Frage nachgehen sollte, ob man es vor Gebrauch nicht doch erst einmal schütteln sollte und ob es nach dem schütteln überhaupt noch zu gebrauchen ist? So können wir vielleicht ein Stück weit selber entscheiden wie lange wir uns im Rosa Safte suhlen wollen und wenn uns die Geschichte nach einem Jahr und mit Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums zu entgleiten beginnt, machen wir uns um so weniger Gedanken und selbstschuldzuweisende Vorwürfe!