“Küsschen, Küsschen!” von Roald Dahl
Als ich vor kurzem ein wenig durch mein Bücherregal stöberte und auf der Suche nach etwas Ablenkung war, sprang mir ein abgegriffener Schinken ins Gesicht und übersähte mein Gesicht mit Küsschen. Seit diesem Tage hegte ich des Abends und manchmal auch am Tage einer Verabredung mit Roald Dahl nach zu gehen, ein Schriftsteller von dem ich vorher noch nicht wusste und einer der nicht mehr unter den Lebenden weilt… leider, muss ich eingestehen. Doch seine Hinterlassenschaft ist groß und umfangreich und bietet mir damit die Möglichkeit mich immer wieder mal mit ihm zusammen zu setzen und seine herrlichen Geschichten zu genießen.
Das Buch, von dem die Rede ist, ist eine Zusammenstellung verschiedener Werke und darüber hinaus ein Buch, welches meinen Geschmack zu tiefst getroffen hat. Elf wundersame Geschichten umfasst dieses Buch, welches der Einfachheit halber sogar in großer Schrift gedruckt wurde… somit muss man nach anstrengenden Arbeitstagen, wenn es mit der Konzentration nicht mehr ganz so klappt, die Augen nicht zu sehr überanstrengen und einfach nur lesen und genießen… was ich dann auch tat. Makabere Erzählungen, deren Ende meist recht unerwartet daherkommt sind eindeutig seine Stärken und diese hat er erstens recht einfach, aber unglaublich detailverliebt geschrieben, zweitens immer mit etwas Raum zur Eigeninterpretation geschrieben und drittens hat er viele dieser kleinen Küsschen noch ausreichend in Fantasie gebaden und sie mir damit wie auf den Leib geschneidert. Womit er aber zusätzlich meinen ganz persönlichen Nerv getroffen hat, ist folgendes. Bei vielen Büchern kommt es vor, dass ich sie einfach nur lese aber nicht weiter verinnerliche und so zwinge ich mich über Seiten hinweg… zwingen ist etwas übertrieben, denn wenn ich etwas nicht lesen möchte dann tu ich es nicht… ohne wirklich zu erfassen was dort eigentlich geschrieben stand. Das Abschalten und die Konzentration beim lesen fällt mir meist recht schwer und so sind meine Gedanken meist irgendwo, nur nicht auf den Seiten vor mir. Bei einem Roman ist das nicht wirklich schlimm, denn die Geschichte im ganzen erfasse ich trotzdem, aber Details entfallen mir häufig und dass schon nach dem Umblättern einer Seite. Doch Roald Dahl hat mir gelehrt, dass es tatsächlich auch anders geht. Seine Geschichten sind meist um die fünfzig Seiten lang und dennoch habe ich sie stets in einem Zuge gelesen und bin buchstäblich in sie versunken. Mein absoluter Favorit war die Geschichte eines Antiquitätenhändlers “Des Pfarrers Freuden”, der mit seinem listenreichen Vorgehen, um an Kostbare Einrichtungsgegenstände zu gelangen, seiner eigenen Schlitzohrigkeit zum Opfer fällt und mit ihm sein wahrscheinlich kostbarster Fund. Erschüttert hat mich die recht kurze Geschichte “Genesis und Katastrophe”, die mit dem Zusatz “eine wahre Geschichte” angekündigt wird und die Geburtsstunde von Adolf Hitler beschreibt. Doch auch wenn sich ein paar Lieblinge herauskristalisierten so ist jede Geschichte es wert gewesen sie zu lesen und zu genießen.
Und so bleibt mir nur noch zu sagen: Wer ein Freund von schwarzem Humor ist und Roald Dahl noch nicht kennt, der sollte ihn definitiv einmal ausprobieren und kennen lernen. Auch wenn seine Erzählungen manchmal um Haaresbreite am Bereich des Möglichen vorbeischrammen, ein kleines Stückchen Wahrheit ist jeder von ihr zu entnehmen, auch wenn diese manchmal etwas kruselig daherkommt und unerwartete menschliche Abgründe beschreibt… mir hat es unglaublich gut gefallen!