Junge Triebe erzählen von Liebe…

Kräftige, wärmende Fühler der Sonne ziehen mit aller Kraft an meinen Armen und Beinen und schupsen mich sachte von hinten an. Sie führen mich nach draußen und ich lass es ohne jede Wehr mit mir geschehen. Eine braune, hölzerne, massive Bank läd dazu ein die Seele baumeln zu lassen und das rege Treiben auf den Elbwiesen zu beobachten und emsig jede Kleinigkeit die die würzige, von den ersten Pollen benetzte Luft einem entgegenkommen lässt, aufzunehmen und man atmet alles ein. Man saugt es in sich auf. Man vergäudet keinen Tropfen dieses köstlichen, süßen Weines. Bis das erste Gefühl von Frühlingssättigung einsetzt. Man schiebt die Zeit vor sich her. Ein wenig geht noch. Erst wenn der letzte Strahl der Sonne hinter der Frauenkirche verschwindet um die Nacht in ihrem Schatten zu verbringen fühlt man die Kühlheit des Abends. Klare Luft, fast winterlich… doch neu.

Händchen haltende, junge verliebte schlendern über die getränkten Wiesen und Wege und flüstern sich schmunzelnd und kichernd kleine Liebesschwüre ins Ohr… bleiben stehen… halten inne… genießen den Augenblick. Sie küssen sich innig, tänzeln von einander weg um sich gleich wieder schwungvoll heran zu ziehen… sie wollen fühlen, schmecken, riechen… sie können nur schwer voneinander lassen. Kurze Momente werden zu Stunden und gravieren sich in die empfindliche Oberfläche des Spiegels der Erinnerung, um dort unsterblich zu verweilen. Die Luft über ihren Köpfen ist erfüllt von rosa Wölkchen und kleinen purpurnen Herzen, während unter ihren Füßen schweigend ihre Schatten wandeln und sich hin und wieder berühren, verschmelzen, flüchtig… werden sie symbolisch eins. Doch sie bemerken es nicht, denn sie tragen ihre Häupter hoch erhoben, mit der Nasenspitze in den Wolken über ihnen und inhalieren den Duft des Frühling, den ersten wärmenden Odem der Liebe. Für sie gibt es kein davor… es gibt kein danach… sie lieben… jetzt.

Mit ihnen wandern, Strom auf oder Strom abwärts, die Einsamen, doch nicht ohne Liebe. Sie führen ihre treuesten Seelen hinaus in die Natur und erwecken dabei selber zu neuem Leben. Sie sind dafür Dankbar, sowohl Mensch als auch Tier. Die treudoofen, liebenden Augen der Hunde wandern immer wieder zum Himmel und in die Augen des Herrchens. Ist er noch da? So scheinen ihre Gedanken die Gewissheit zu suchen, dass jene Person neben ihnen auch immer noch die rechte ist. Andere gehen der Liebe zur Freiheit nach, wieder andere der Liebe zum Lesen, der Liebe zum Sport… andere sind nur mit sich selbst unterwegs und werden zu stillen Zeugen von strebendem Leben… vom Erwachen der Seelen.

Hinter mir säuselt der Wind im knöcherigen, dorren Geäst der Haselnusshecken ein Lied, wenn er flüchtig die verbliebenen, trockenen Blätter der letzten Blüte streichelt und zum erzittern bringt. Noch erstreckt sich der Rosengarten kahl und geräumig und bietet den Gedanken keinen Halt. Das unvergängliche Grün der Wiesen, Tannen und des Wacholders werden von der tiefstehenden Sonne in einen silbernen Schleier gehüllt erinnern an die Tage längst vergangener Zeiten. Wo Könige mit ihren Mätressen hier wandelten und das Geräusch von Motoren, Autos und lauten Radios noch ein schwacher Dunst in der Zukunft waren. Hier lässt es sich ruhen, genießen, treiben…

Sollte man sich hier her verirren wenn man Liebe sucht, um Liebe zu finden? Oder begibt man sich an diesen Ort, wenn man längst schon liebt?

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