Fieberwahn
Zurück wünsche ich sie mir nicht, die letzten Nächte. Dabei konnte ich schon damit rechnen, das sie unangenehm werden, denn schon am Tage stellten sich Kopfschmerzen ein und ließen nicht wieder ab von mir. Alles war zu grell, zu laut, zu schnell und zu viel. In mir tobte es, ein Meer, eine Gefühlssuppe. Tränen wurden von Lachen abgelöst und das Lächeln wiederum ging still und grundlos in eine Träne über. Ich biss die Zähne zusammen und machte das Beste daraus, denn der Tag würde schon vorüber gehen und am Abend konnte ich zeitig ins Bett gehen. Da saß ich nun und versuchte zu lesen, mir wurde im sitzen schwindelig und das Lesen strengte mich an. Der Kopf war ruhelos. Nicht nur die Schmerzen machten das er kurz vor dem zerplatzen war, auch Gedanken schwirrten wie wild geworden umher drückten unablässlig auf mein Gemüt. Ich quälte mich durch die Seiten des Buches. Wisst ihr wie es ist, wenn man ein paar Sätze gelesen hat und nicht mehr weiß was da stand? Wenn einem die Konzentration zu schaffen macht und einen der Tag gefangen hält? Er mich nicht los lässt, er an mir rüttelt und mir nicht die selige Ruhe der Nacht gönnt. Ich beschloss die Augen zu schließen und versuchte einzuschlafen. Die Kälte der Nachte lullte mich ein. Ich habe gefroren. Die Decke schien zu klein und unabwegig hämmerte irgendjemand mit der flachen Hand an meinen Kopf. Stunde um Stunde floh in die Schatten der Nacht und ich beschloss mir ein paar mehr Klamotten überzustreifen. Zunächst ohne spührbaren Erfolg, doch dann begann ich zu triefen. Ich fühlte mich wie eine Made in grünem Schleim und die Hitze schien fast unerträglicher als die vorangegangene Kälte. Atemnot. Wie sollte es auch anders sein, war doch das bisschen Sauerstoff der vier Wände unlängst aufgebraucht. Ich riss das Fenster auf und trank Wasser. Kälte und Hitze gaben sich nun abwechselnd die Klinke in die Hand und feierten auf meinem Körper ein berauschendes Fest. Auf meiner Stirn stand der Schweiß und ich fragte mich welcher Teufel wohl besitz von meinem kleinen wehrlosen Körper genommen hat!? Doch auch diese Nacht sollte vorüber gehen und der Morgen Kam und die Kopfschmerzen blieben und sollten mir von nun an ein geselliger Begleiter durch den Tag sein. Wie gewohnt bewegte ich mich zur Arbeit und vergas einfach für den Moment, das ich hätte nicht ins Bett gehen brauchen, da ich eh kein Auge zugetan habe. So tat ich es schon oft und so fuchste ich mich durch. Man sah mir nichts an, man bemerkte es nicht. Das konnte ich gut. Mich scheiße fühlen und trotzdem fabelhaft aussehen, eine Gabe, eine Tugend, ein Mysterium.
Am Nachmittag griff ich zum Pinsel und die Wahl meiner Farben war trüb und war finster. Das Bild welches entstand war traurig. Es beinhaltet den Tod und die Finsterniss des Seins. Blinde, schweigende Menschen. Ein Baum aus Totenköpfen, eine brennende Fabrik, ein giftiger See, Feuer. Ein paar brennende Symbole, leere Flaschen, kahle Bäume und über den Gräbern des Landes erhebt sich eine Rotbraune Sonne.
http://www.youtube.com/watch?v=jYFKFU7—M&feature=related
Doch heute sieht die Welt schon etwas anders aus und sie zeigt sich etwas klarer, freundlicher, schmerzloser, beständiger… Zuversicht.