Es ist der Mai und nicht der April, der nicht weiss was er wirklich will!
Was machen nur die Tage dort draußen! Sich auf das Wetter einzustellen fällt schwer, wo wir doch von mehreren lauen Sonnenwochen verwöhnt sind. April! April! Der weiß nicht, was er will. Bald lacht der Himmel klar und rein, Bald schaun die Wolken düster drein… so bemerkte Heinrich Seidel die durchwachsene Beschaffenheit des Monats mit dem Hasenmond zurecht und richtete ein paar poetische Zeilen an die Unbeständigkeit seines Wesens. So präsentierte sich dieser auch in den Jahren zuvor und brachte mit seiner althergebrachten Art ein wenig Stehtigkeit in sein sprunghaftes dasein. Der vergangene April war jedoch anders. Zeichnete er sich durch wolkenlose und sonnendurchflutete Wohlfühltage aus und brachte damit eine völlig neue Seite an ihm zum Vorschein. Dabei ist es doch die Fee des Aprils, der Sternentänzer Namin, welche sich durch das hin und her tanzen zwischen mehreren Möglichkeiten auszeichnet und damit im wesentlichen seinem eigenen Dasein und dem Wesen des Monats Ausdruck verleiht… nämlich Unbeständigkeit.
Was aber macht der Mai? Er bedeckt die Sonne und lässt gigantische Blauwale am Himmel bedächtig ihre Kreise ziehen und nur ab und zu verirrt sich ein Strahl der Sonne zwischen den schwingenden Flossen hindurch und findet den Weg auf die Oberfläche unseres grünenden Planeten. Schlimmer noch! Ihre riesigen Schwanzflossen peitschen bedrohlich der Erde entgegen und schleudern uns unstehte Stürme erfüllt von tosender Gischt um die ach so empfindlichen und schnupfenanfälligen Nasen. Wenn auch Virida, deren Name “grün wie der Frühling” bedeutet, ihr Werk vollbringt und jeden kalen Fleck der Erde mit frischem Grün bedeckt… auf das wir auf den Wiesen picknicken können um einen ordendlichen Schluck von der Maibowle zu uns zu nehmen… so ist der Beiname Wonnemonat etwas fehl am Platze und Veronica wird bei diesem Wetter wohl eher dem Faulenzen nach gehen und nicht die Genüsse des eigendlichen Lenz genießen, wie es einst Fritz Rotter prophezeite. Zeitweise bekam man das Gefühl es würde beginnen zu schneien und die Kälte machte die Anwesenheit der Schneekönigin so real. Doch sie war es nicht, die über der Erde tanzte, sondern ein Regen aus flauschigen Pollen und den seidigen Blütenblättern der Obstbäume, welche verspielt im Winde umherwirbelten um sich zugleich auf den Gehwegen und Straßen nieder zu lassen um dort zu verweilen und mit Regen getränkt zu einer schmierigen braunen Masse zu veröden… welche einem achtlos beseitigten Kaugummi ähnelt, der durch Menschenfuß und Witterungseinflüssen zu grau-braunen Opfern der Zeit verkam.
Nun gut. Genug der Gefühlsdusellein um die graue, kühle Beschaffenheit eines eigendlich bunten und angenehmen Monats. Ist es um den Frühling im eigenen Gemüt nicht schon sperrlich genug bestellt, so müssen wir uns nicht auch noch über das fragwürdige Verhalten des Hasenmondes und des Feenmondes kümmern. Es bleibt uns zu hoffen dass mit dem ersten Maitag, der den Beginn der hellsten Zeit des Jahres einläutet, uns vielleicht noch ein paar lichte Momente beschehrt werden, denn der Monat ist schließlich noch lang und bis dahin können wir uns wünschen dass wir in den verbleibenden Tagen vielleicht der Fee Virida begegnen. Ein schluck Maibowle soll das erscheinen der Fee begünstigen und man sagt es wäre eine besonders sinnliche Erfahrung… na dann… Prost!