… es ist 1:27…

Freie Zeit kann etwas schreckliches sein. Man kommt zur Ruhe und man fängt an nachzudenken. Im ersten Moment nichts schlechtes, doch ist es keine Erfüllung. Ruhe und Isolation… habe ich gemerkt… sind ausschlaggebend um schreiben zu können, abgelenkt sein ist nicht hilfreich um im Kopf fantastische Welten entstehen zu lassen. Kopfkino ist etwas schönes und die Welten, welche entstehen, sind nett, doch nett ist die kleine Schwester von Scheiße und Scheiße wirds wenn man sich verliert. Wenn alles sich im Kopf abspielt dann hat man verspielt. Die tollsten Erlebnisse kann man haben und die genialsten Gespräche führen… in Gedanken… doch wie sieht es im richtigen Leben aus? Um die Welt in sechs Millionen Farben zu sehen muss ich mir kein HDTV, BlueRay oder einen LCD Flachbildschirm zulegen, nein, ich muss einfach mal nach draußen gehen und Menschen treffen. Doch statt dessen sitze ich hier um ein Uhr nachts, habe kalte Füße und eine Katze auf dem Schoß die sich nach meiner Nähe sehnt.

Was macht es mir denn so schwer auf Menschen zuzugehen und das wirkliche Leben zu suchen und zu finden? Zu reden, Dinge zu erfahren, das Kribbeln zu spühren wenn man neue Leute kennenlernt. Austesten, Erkunden, Schmecken, Fühlen, Lachen und maßgeblich ein Teil dieser Welt zu sein? Das ich es kann zeigt mir doch meine Arbeit. Dort bin ich gezwungen mit Menschen umzugehen, auf sie zuzusteuern und das ich das nicht ohne Erfolg mache zeigen mir viele positive Reaktionen, für die ich sehr Dankbar bin. Ich gehe ja schließlich auch mit meinen Kollegen um und komuniziere mit ihnen, das ist wichtig, das weis ich… doch bringt mich diese Erkenntniss keinen Schritt weiter. Neulich im Zwinger… ich war allein, mit meinem Fahrrad und genoss das warme Wetter… ein sehr sympatisches älteres Paar wurde auf die kleinen Gnome aufmerksam, welche überall im Zwinger scheinbar die Mauern stützen und tragen. Sie fragten sich was das für eigenartige Wesen sind und hielten ihre Unterleiber für die von Pferden. Ich kam nicht ohnehin das Gespräch zu verfolgen und brachte ein wenig Licht ins Dunkel als ich ihnen mitteilte das es sich wohl um Satyre handeln würde… halb Mensch halb Ziege. Der Nette Mann bemerkte das ich recht hatte denn die gespaltenen Hufen wiesen darauf hin. Er setzte sich zu mir und bemerkte das ich wohl ein ”studierter” wäre und ich musste ihn enttäuschen. Ich beschäftige mich eben ab und an damit. “Wir Dresdner, wir sind helle” sagte er zugleich und ich erwiderte ” zumindest hoffen wir es zu sein”. Wir unterhielten uns noch eine Weile und ich hätte noch Stundenlang zuhören können, denn es war eine sehr angenehme Begegnung, doch mein Französischkurs wartete bereits und so wünschte ich noch einen angenehmen Aufenthalt und sie wünschten mir einen Angenehmen Abend. Ich hatte das Gefühl, dass diese kleine Unterhaltung nicht nur mir in schöner Erinnerung bleiben würde, sondern auch dem netten Paar aus der Mitte deutschlands.

Was ich damit sagen will, ist das es sich manchmal lohnt einfach nur zu warten und zu sehen was passiert, aber das ich diese kleinen aber feinen Augenblicke viel häufiger erleben und genießen könnte, wenn ich nur ab und zu den Mut hätte die Zügel einmal selber in die Hand zunehmen.  Das fällt mir zuweilen schwer und das wiederum missfällt mir und doch sehe ich mich nicht im Stande es von heut auf morgen ändern zu können. Das macht mich schwach… auf einmal klingt das Wort allein einfach nur “nett”…

Ein Kommentar zu “… es ist 1:27…”

  1. spontiv

    Hmm, vielleicht sollte man manchmal einfach weniger denken und grübeln. Sondern eher mal die Situation nutzen oder etwas wagen und einen eventuellen Misserfolg nicht als Begründung dafür nehmen das man sich wieder in sein Schneckenhaus zurückzieht.

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