Ein Tag unter der Sonne des Lebens…
Blendend und gleißend erhebt sich die Sonne über den diesigen Horrizont und überflutet verschwänderisch die Stadt mit all ihrem großen und kleinen Leben das sich noch schlaftrunken hinter zugezogenen Vorhängen verbirgt und den Gassen welche das Gewimmel und Treiben noch vor sich haben und eben so verschlafen daran erinnern dass es weitaus lebhafter sein könnte und schon lebhafter war. Mit einem strahlenden Lächeln leutet sie einen neuen Tag und gleichermaßen die neue Woche ein und sieht ihr frohen Mutes entgegen. Ohne daran zu denken was war und was vielleicht sein wird weckt sie die Natur, rüttelt milde an den Wipfeln der Bäume und klopft verständnissvoll erst einmal ans Fenster bevor sie mit sanften Berührungen die Fantasien der Nächte verscheucht und die Lieder auseinander drückt um das Leben und die Kraft aufzunehmen, welches sie unverblümt mit ihrer Helligkeit aus den Schatten befreit. Während all dieser leisen und lauten Weckrufe klettert sie behäbig an den Fassaden der Häuser empor um ihren rechtmäßigen Platz am Himmel einzunehmen und von wo aus sie all die winzigen Wunder beobachten kann, welche von ihr zum geschehen animiert sind.
Dieser Tag sollte nichts aufregendes bringen, denn man lebt sich erst einmal ein in der neuen Woche und diese wirkt zum Montag zu allem Überfluss wie angestemmt. Im Hinterkopf befinden sich noch die Nachwirkungen der vorrangegangenen Tage und erst Stück für Stück macht man sich jeden Moment bewusst und es setzt sich alles wie ein Puzzel zu einem großen lebhaften Bild zusammen welches ausreichend von den Farben des Lebens getränkt und bereichert wird. Es drückt die Wärme und die Wolken am Horrizont schicken eine schwüle Luft als Vorhut, eine Luft die sich schwer auf den flimmernden Asphalt niederlegt und die Menschen beengt und ummantelt und sich träge fühlen lässt. Die Sonne meint es gut und beschehrt den Pikmentehungrigen Bürgern Temperaturen jenseits der dreißig Grad und so sehr sie sich den Sommer wünschten, so wenig wissen sie ihn zu schätzen wenn er auf einem goldenen Tablet serviert wird… angereichert mit knappen Outfits, Appetitlosigkeit, Durst und einer Bewegungsunlust die einer Schnecke den sicheren Tod bringen würde. Die sengende Hitze lässt mehr erlöschen als das sie das Temperament der Leute entfacht und so erwartet man nicht viel von den Menschen und diese Erwartung wird zu genüge erfüllt.
Doch unverhofft kommt gern und oft und so wurde die undurchlässige Front von Schweißperlen besetzten Gesichtern, deren Mundwinkel im Einkaufs-oder Kinderwagen vor ihnen verschwinden… der sich ohnehin viel zu träge bei diesem Wetter schieben lässt… durchbrochen, von zwei Personen die das Strahlen der Sonne an diesem Tage scheinbar für ihre Gesichter gepachtet haben. Jedenfalls brachten sie genügend Energie mit um ein ansteckendes Inferno zu entfachen und schon bietete der Tag außer einer erfrischenden Dusche noch ein paar weitere erfrischend, fruchtige Optionen. Man verabredete sich auf ein Käffchen am Nachmittag und wusste das der Tag noch um einiges heiterer werden würde als er ohnehin schon mit heiterkeit von Seiten des Himmels gesegnet wurde. Zunächst stand aber der Drang zum Einkaufen im Vordergrund und um den in den Kopf getzten Vorstellungen entgegen zu kommen verschlug es mich in die nächstbeste Filiale eines Textilanbieters und ich steuerte gradewegs die Kinderabteilung an. Da mir der Sinn nach Hemden stand und zwar in Holzfälleroptik und möglichst in Rottönen, mir aber Hemden im Normalfall nicht standen, passten oder gefielen, ließ ich mich ausreichend von einer sehr netten und hilfsbereiten Verkäuferin beraten. Da ich gerne kurzärmlige Hemden ergattern wollte, ich aber das Problem habe dass sich mein zierlicher Körper irgendwo in den Weiten des Stoffes verliert und nur ein paar Spaghetti links und rechts daran erinnern dass sich zwischen all den Knöpfen und aufgenähten Taschen auch noch ein Mensch befindet, stand ich dem Thema bis Dato eher skeptisch gegenüber, aber mein Wollen und mein Eifer verhalfen zum Erfolg und machten mich glücklich. Fündig wurde ich nämlich in der Kinderabteilung des Hauses und ich probierte allerhand potentielle Kandidaten an. Wir beschlossen bei der größten Kindergröße anzufangen und dieser erste Durchgang wurde von einem zweiten auch direkt überschattet. Wir gingen systematisch immer weiter runter und wählten das nächst kleinere und so wurde ich ein stolzer fünfundzwanzigjähriger Besitzer von drei Hemden in folgenden Größen: 164, 164 und 158. Das Geniale an der Sache ist dass sie erstens preiswerter waren als es die Heerenabteilung hergegeben hätte und darüber hinaus sind sie tod schick! Ich freu mich.
Dann ging es auch schon Schlag auf Schlag weiter und beflügelt von meinen Shoppingerfolgen schwebte ich zu hause ein und direkt unter die Dusche um den Branz von Arbeit und der Mittagssonne wegzuspülen und frisch, erquickend in den angenehmen Teil des Tages zu starten und mich nach zehn Minuten in der Sonne zu fragen, weshalb ich eigendlich geduscht habe. Egal. Das Kaffeekränzchen wurde zu einem freudigen Wiedersehen und der Tisch wurde nicht nur von Heißgetränken sondern auch ausreichend von Alkohol gedeckt. Gegen einen leckeren Wein ist schließlich nichts einzuwenden und dieser brachte neben guter Laune auch noch allerhand Geselligkeit mit sich. Die Stühle des Tisches waren heißbegehrte Objekte und binnen kürzester Zeit wurde aus vertrauter Dreisamkeit eine angeregte Runde in der es jede Menge zu entdecken und zu beobachten gab und das Lachen, welches die tolle Atmosphere ausmachte versiegte nie und hing einladend über unseren Köpfen. Ein beisammen sein als würde man sich ewig kennen… dabei habe ich die Hälfte der Leute noch nie gesehen… wurde hier und da von neunmalklugen Wichten unterbrochen und so wie ein Stuhl frei wurde war er auch gleich schon wieder besetzt. Ein Kreuzworträtsel und ein paar in Schwierigkeitsgrade unterteilte Sudokuraster brachten mich kurzzeitig in Schwulitäten… wobei die Konzentration auf Grund des Weines zunehmend geringer wurde… aber diese intelligente Inkompetenz wurde erfolgreich von einem Googleportal auf einem Handydisplay in Grund und Boden gestampft. Auf der Suche nach einem Begriff im Rätsel bedienten wir uns dem World Wide Web im Hosentaschenformat und mit jeder Seite die wir öfneten um unseren Ziel näher zu kommen, wurde das ohnehin schon kleingedruckte in noch viel kleineren Dimensionen dargestellt und als wir nach mehreren Seiten die vermeindliche Lösung des Rätsels endlich in greifbarer Nähe hatten, scheiterten wir an der Vollständigkeit unserer täglichen Dinge die man so in Rucksäcken, Handtaschen und Gürteltaschen ständig in unmittelbarer Nähe bereithält, denn über eine Lupe verfügte keiner der anwesenden Personen und das Kreuzworträtsel geriet in Vergessenheit, da wir uns unter ausgelassenem Gelächter über dieses Mikroskopisch kleine Internet im Handy eh nicht mehr hinreichend konzentrieren konnten. Die Gläser leerten und die Gläser füllten sich, bei den einen schneller und bei den anderen nicht so schnell, und hier und da wurde etwas zu essen bestellt. Ich habe ein Glas beobachtet das aufgefüllt wurde und auf einmal war es auch schon wieder leer, wie von zauberhand! Ohne mist, die Person welche an diesem Glas nippte wies eine Schnelligkeit beim austrinken auf, die das Auge gar nicht mehr erfassen konnte. Das menschliche Gehirn wurde quasi übergangen. Es war verrückt.
Im weiteren Verlauf des Abends wechselte ich die Sitzgelegenheit von holzig hart auf flauschig weich und wurde dazu angehalten meiner Kreativität ein wenig Freilauf zu verschaffen. Wobei gewisse Maßstäbe das erstellen eines Bildes deutlich erschwerten und dazu kam die Tatsache, das ich nur über einen Kugelschreiber verfügte… also viele Möglichkeiten blieben mir nicht zum Ausprobieren. Es sollte ein See darauf zu sehen sein, ein Junge der angelt und es sollte Tag sein und nicht mitten in der Nacht. So saßen wir also Stunde um Stunde und kritzelten aufs Papier, was uns dazu einfiel und während meine Nachbarin zwei Zeichnungen mit Potential anfertigte, erschuf ich grade mal eines und war mehr mit dem Ausbessern und setzen von gezielten dicken Strichen beschäftigt um vorrangegangene Fehler zu beseitigen und für den Betrachter undeutlich zu machen. Es war eine sehr angenehme Erfahrung, denn es war wie in der Schule wo der Lehrer sagt zeichnet das und wir zeichnen das eben. Wir sind mit unterschiedlichen Vorstellungen rangegangen und haben das Problem auf sehr individuelle Weise gelöst. Jeder für sich und jder sehr gut wie ich finde und darüber hinaus war es ungemein entspannend. Ich weis nicht welches der Bilder nun entgültig genommen wurde, aber ich werde es in Erfahrung bringen und vielleicht macht man so etwas nun auch mal öfter. Ich habe schon eine Weile nicht mehr den Drang verspührt zu malen oder zu zeichnen, um so neuer war diese Erfahrung für mich und sie hat ein wenig den kreativen Geist in mir geweckt. Da sich der Tag zur Nacht gewandelt hat beendeten wir unseren Zeichenunterricht und man widmete sich noch bei einem Glas Wein den angenehmen Gesprächen und den angenehmen Leuten.
Wir vertieften die Illusion dieses wunderbaren Abends und vertieften das Bild dieser Oase in unseren Köpfen und auch wenn es nur eine Illusion ist so macht es das ganze zu etwas Besonderen und grade deswegen ist es besonders. Auch wenn der Strandsand und die Schirme irgendwann verschwinden, so bleiben sie in unseren Köpfen immer erhalten und überall wo uns Kälte ummantelt werden sie in unseren Gedanken einen Hauch von Sommer hervorrufen und dieser Gedanke ist beständig.
am 28. Mai 2009 um 03:15 Uhr.
Eigentlich hielt ich es nicht für möglich, doch nun ist es passiert.
Ein Schauer der Erregung kriecht gleichsam mit dem Auftstellen der Nackenhaare den Rücken hinauf und wieder hinunter, das auch mir gewidmete Video und die Erinnerung an gerade vergangene Momente lassen mich mit einem Gänsehaut gefühl zurück. ich frage mich, wie man dieses Gefühl für zumindest einige Zeit konservieren kann, um davon zu zehren und sich immer wieder bewusst zu ma chen, wie vergänglich der Moment sein kann, wie schnell sich das Blatt wieder wenden könnte.
Somit danke ich für die Erinnerung, für die Inspiration und einfach für den Augenblick und wünsche mir, es möge so schnell nicht enden.