Ein Morgen im April
Das aufgeregte und verspielte Zwitschern der Vögel drang an sein Ohr und die Sonne legt sich warm über seine Wange, welche von leichten Bartstoppeln in sanften Grau schattiert wurde. Sein voller Mund war leicht geöffnet und langsam taten es ihm seine Augen gleich. Seine Hand tastete langsam und gefühlvoll die andere Hälfte des Bettes ab und jetzt wo er nach mehrmaligem Zwinkern die Augen offen halten konnte sah er klar und deutlich, dass er das Bett für sich allein hatte. Sven war ein Frühaufsteher und die Frühlingstage des April lockten ihn mit herrlich milden Temperaturen in den frühen Morgenstunden hinaus in den Garten. Lukas benetzte verschwänderisch sein Gesicht mit eiskaltem Wasser und die Durchblutung brachte langsam wieder einen angenehm rosigen Ton in sein Gesicht. Jetzt wo man ihm die Auswirkungen der letzten Nacht nicht mehr ansah legte er sich das Betttuch um die Hüften und folgte dem gemächlichen Windhauch in Richtung der Terassentür, welche weit geöffnet den Blick auf den Garten preis gab und durch die Sonne, welche durch die weißen, im Wind schwebenden Vorhänge schien einen hauch von Himmel vermittelte.
Tatsächlich war es in eben diesem Moment auch das Tor zu seinem Himmel, denn draußen auf einem Stuhl aus Korbgeflecht saß zusammengekauert mit angewinkelten Beinen sein Engel in diesen Tagen und rauchte eine Zigarette. Sven war ein junger Mann mit knabenhafter, schlanker Gestalt und saß nur mit einer Jeans bekleidet im Garten unter der großen japanischen Kirsche welche ihn in ein rosafarbenes Meer tauchte.
Lukas lief langsam aber zielsicher über die weißen Kiesel mit welchen die Terasse bedeckt lag. Seine kräftigen aber nicht zu großen Füße versanken mit jedem Schritt etwas in den runden, sich fast weich anfühlenden Steinen und jedes Auftreten war so angenehm wie eine Massage zu spühren und hinterließ kleine Dellen auf dem Boden, so das jeder seiner Bewegungen sichtbar wurde. An der kleinen Stufe zum Garten und zur Wiese hielt er inne und setzte sich auf die kleine Granitmauer, welche die Terasse umrandete und von dem bepflanzten Teil des Gartens abgrenzte. Links und rechts der Stufe stand ein mit Aloevera versehener Teracottatopf. Sein Blick hatte nur ein einziges Ziel und Sven schien, während er die Zigarette mit seinen schmalen, fast garnicht vorhandenen Lippen umschlung um einen leichten Zug zu nehmen, nicht den Hauch einer Ahnung zu haben dass er beobachtet wurde. Gedankenverloren beobachtete er den blaugrauen Qualm seiner Zigarette, welcher hypnotisierend aufstieg und verspielt, fast tanzend vom Winde bewegt wird. Immer wenn er die Hand zum Mund führte rutschte das kleine, zierliche Silberarmband an seinem dünnen Arm auf und ab. Lukas ließ den Blick auf sein eigenes Handgelenk sinken wo sein Auge eben das gleiche Armband fand. Ein Symbol ihrer Verbundenheit.
Die Sonne legte einen goldenen Schimmer um das kantige, schmale Gesicht von Sven. Seine blonden, kurzen Haare waren noch etwas verstreut und der Wind tat das seine zum Werk der letzten Nacht dazu. Wie ein Heiligenschein legte sich die noch tiefstehende Sonne um den Kopf und den restlichen, fast nackten Körper des Knaben, als plötzlich kleine Falten am Winkel seiner braunen Augen, welche sich zu einem spalt schlossen, sichtbar wurden und sein Mund sich öffnete und seine weißen Zähne zum Vorschein kamen. Er lachte still, so wie er es immer tat, wenn er wusste das er von Lukas beobachtet wird. Er Genoss die Blicke auf seiner Haut, denn er spührte das sie ohne Zensur waren, deswegen ließ er sie zu.
Nun setzte Lukas seinen Weg fort und schließlich stand er an Sven seiner Seite und beobachtete einen Moment lang, was Sven so in Gedanken verfallen ließ. Dann hockte er sich vor ihm und nahm die Zigarette, welche sich ihrem Ende näherte aus der Hand des Jungen und genoss den letzten Zug, bevor er sie in der Schale neben dem Stuhl unter dem festen Druck seines Daumen vergrub. Dann legte er seine Unterarme auf die Lehnen des Stuhls und berührte mit seinen starken Händen sanft streichelnd die Seiten von Sven, während er sich etwas hochstreckte und den erwartungsvoll geöffneten Mund des Knaben küsste. Seine Lippen tasteten sich sanft an der Oberlippe von Sven entlang und für eine kleine, wunderschöne Ewigkeit hielt er inne und genoss den leichten, rauchigen Geschmack auf seiner Zunge. Er liebte die kleinen Lippen von Sven. Auch wenn man es ihnen nicht ansah, es waren die weichesten Lippen, welche er je küssen durfte. Er zog etwas mit seinen Lippen, als sie sich daran machten den innigen Kuss zu lösen, an denen von Sven, denn es fiel ihnen schwer von einander abzulassen. Auch wenn Lukas sollche Momente sprachlos machten und sie keiner Worte bedurften sagte er mit leiser, belegter Stimme:”Wie werden die Tage wohl aussehen, wenn das alles hier einmal nicht mehr ist? Ich meine Du… Ich… wir beide…” Sven seine Blicke starten an Lukas vorbei und vergruben sich tief in der Decke aus Blütenblättern. Ein Moment der Stille ging vorrüber und Sven sagte schließlich:” Warum möchtest du über den Regen reden, wenn doch die Sonne so herrlich scheint?”