“Ein Melodieloses Lied”

Wortlos entfernten sie sich voneinander, ihre Augen waren starr und leer. Keine Träne verhüllte die Worte… die Luft war trocken, still und schwer.

Wann begann seine Stimme zu verstummen, weil dein Ohr sie nicht mehr vernahm? Hörte er niemals das Klagelied summen, das durch Leere seinen Rhythmus bekam?

Sie hatten sich einfach nichts mehr zu sagen und sie ließen es lautlos geschehen… zwar steht der Raum noch voller Fragen, doch die Antworten würden sie nicht verstehen.

Wann war der Tag, als eure Träume platzten und er trotz deiner Umarmungen frohr? Wann war der Tag, als der Baum eurer Liebe seine rosanen Blätter verlor? Wann hast du gewusst dass es zu Ende geht? Wann hörtest du auf an ihn zu denken? Wann war der Moment als eure Herzen begannen, in verschiedene Richtungen zu lenken?

Nun steht er dort und du sitzt hier… unfähig zum bewegen… die Bank auf der dein Körper sitzt, scheint als einzige zu leben. Als Zeuge dieser schweigsamen Stunde steht sie deplatziert in solch regloser Runde.

Was nützt euch die Zeit? Wenn sie endlos lang. Was nützt euch der Himmel? Wenn er von Wolken verhangen. Was nützt euch die Liebe? Wenn ihr vergessen warum. Und so umhüllt euch die Kälte und alles bleibt stumm…

Ihr wolltet doch fühlen, ihr wolltet doch reden… ihr wolltet doch spielen und euch bewegen! Ihr wolltet doch rennen und mal langsam gehen… ihr wolltet genießen und zusammen stehen! Ihr bautet euch Schlösser, ganz hoch im Himmel, ihr wolltet euch treu sein im Versuchungsgetümmel! Doch fort!… hat es die Schlösser getrieben und jeder für sich ist nur übrig geblieben! Zwei kleine Seelen und ein dunkler Raum, ohne Wort und Berührung… ein sterbender Traum.

Du warst besonders, überall gern gesehen… du warst ziemlich verrückt und im Herzen schön. Du standest über den Dingen, machtest Nächte zum Tag… du wusstest immer die Antwort, warst nie klein… immer stark. Du warst stehts in Bewegung, wolltest ganz oben sein… du hast ihn gezogen, wie ein Zementblock am Bein…

Was nützt euch der Morgen und was bringt euch der Tag? Wenn er dunkel von Sorgen… wie es die Nacht nur vermag. Was nützt euch die Sonne? Wenn ihre Strahlen nicht warm. Was nützt euch das Streben? Wenn ihr doch innerlich lahm. Nichts nützt ein Blick und ein Lächeln von dir, denn er sitzt verlassen und sehnsüchtig hier. Ihr fandet euch nicht mehr! Ihr hörtet euch nicht! Umgeben von Lichtern und doch ohne Licht…

Er schreibt diese Zeilen, auf dass sie ewig verweilen und das Blatt vor ihm füllen… mehr als eure Hüllen…

Nichts mehr dreht sich, nichts mehr bewegt sich… womit er auch fülle die verlassene Hülle… seine Seele ist weg, ein farbloser Fleck… was auch immer er will, es bleibt still…

Er war der Typ mit viel Zeit, der zum fremdgehen neigte, die misstrauische Heulsuse die kein Rückrad zeigte. er war der Fisch der dich am Morgen weckte und du warst sein Schatten, der alles bedeckte. Er war begehrt, er war Freund, er war Seelenpflaster. Er war Antrieb und Bremse, ein neues Laster. Er war dein Himmel, dein Teufel, dein Heiligenschein… er war alles für dich und konnt es doch nicht sein… 

Du versuchst zu verdrängen und zu distanzieren und so sehr du Emotionen auch lenkst, deine Augen verraten und man kann immernoch spühren wie sehr du noch an ihn denkst. Ihr wolltet euch prägen und überschütten mit Segen! Ihr wolltet erhaben auf einer Anhöhe stehen und über die Köpfe der andern hinweg, grade hinauf zur Sonne sehen! Um herraus zu kommen aus eurem Sumpf, spieltet ihr aus jeden möglichen Trumph! Maßlos überschüttet, wurd das Besondere zerrüttet, bis es fiel nur noch schwer und eure Köpfe waren leer…

Doch was im Kopfe verschwand, im Herzen weiter bestand. Gedeih und Verderb liegen oft so nah… was in Anmut gedieh, was euch Kräfte verlieh, was euch mit Glanze zierte und eure Wollust schürte und mit einander verband, dieses fruchtbare Land… von all dem ist nun nichts mehr da!

Ihr wolltet die Blätter des Herbstes bemalen, ihr wolltet den Frühling mit eurer Wärme bestrahlen! Ihr wolltet die Zeugen der Geschichte sein, sie sollte von euch nur geschrieben sein! Ihr wolltet die funkelnsten Sterne falten, ihr wolltet euch gegenseitig ganz fest halten. Einen Sturz aus Höhen nahmt ihr in kauf, denn ihr wusstet der andere fängt euch auf! Doch zum Schluss war die Kraft mit dem Sturm verflogen und die Geschichte nur noch von Schatten durchzogen…

Nun sitzt er da, deinem Körper so nah… bot, als ob es was nutze, seine Arme zum Schutze… der Moment geht vorbei… wie dieser letzte Schrei…

Er sah dir tief in die Augen und Wahrheit wurd offenbar, denn das Abbild eines Prinzen, war in den Tränen immernoch nah… und so fielen sie hernieder, wie melodielose Lieder…

thomas kleinstück, 04.05.2009

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