Ein geschmackloser Apfel…

… Es war ein großer Markt der sich über die ganze Länge des Blauen Viertels erstreckt. Natürlich musste man nicht den ganzen Markt erkunden um der gewünschten Dinge habhaft zu werden, welche man anstrebte zu erwerben. Das Angebot wiederholte sich nach ein paar Blöcken, so bewarte man die Übersicht des ganzen und die Leute wurden nicht so strapaziert um am Ende noch zu müde zum kaufen zu sein, denn das wollten die Händler vermeiden. Es gab allerhand Dinge und eigendlich, so konnte man sagen, gab es alles. Von frischem Obst und vielfältigem Gemüse über aromatische Kräuter und tausenden Teesorten, gab es außerdem auch Fisch und Fleisch und Süßigkeiten von denen man gerne auch mal probieren konnte, denn man war nicht gezwungen etwas zu kaufen, was einem nicht schmeckte. Alles war zu riesigen Haufen in Holzstiegen aufgetürmt und mit den Farben der Waren wurden bewusst Kontraste gesetzt, damit es dem Auge des Käufers nicht langweilig wurde. Da lagen gelbe Honigmelonen direkt neben den blauen Pflaumen gleich gefolgt von grünen, prallen Weintrauben. Schwarzer Pfeffer neben roten Chillies, Orangen neben Passionsfrüchten, gelber Mais neben roten Zwiebeln, Muskatnüsse und Macis neben Kardamom und Koriandersamen, roter Basilikum zwischen Lorbeer und Zitronengras, frische Feigen neben Erdbeeren und Kiwis, Schokolade gefolgt von Marzipan und Krokant, getrocknete Früchte, verschiedene Kaffesorten und aller Arten Nüsse. Dem Auge wurde was geboten und der Charme des Marktes wirkte berauschend. Für Ravel ist es ein unbeschreiblich schöner Ort, doch leider zu vergänglich. So bleibt er aber etwas besonderes, dachte sich Ravel und gewann mit dieser Ausrede der Vergänglichkeit etwas gutes ab.

Als er wieder zu seiner Mutter stieß, war diese grade damit beschäftigt ein paar Früchte zu kaufen. Sie hatte einen Schokoladenkuchen mit Birnen im Sinn, den sie sich vorgenommen hatte am Nachmittag noch zu backen. Die Verkäuferin bemerkte das Ravel zu ihrer Kundin gehören musste und so reichte sie ihm einen Apfel als Geschenk, den er sich schmecken lassen konnte. “Danke. Das ist sehr lieb von ihnen.”, sagte Ravel und sah seinen Apfel mit großen Augen an. Er musste ihn mit beiden Händen anfassen um ihn gut im Griff zu behalten. Das war ein wirklich bemerkenswert großer Apfel, wohlgeformt und in einem durchgänigen dunklen Rot mit kleinen hellen Punkten. Beherzt biss Ravel in den Apfel und entriss ein großes Stück. Er war wunderbar fest und so saftig, dass an der Bissstelle und an Ravels Mundwinkeln fingerspitzengroße Tropfen puren Fruchtsaftes herunterliefen. Ravel schmatzte und ließ nach jedem Bissen die Zunge mehrmals an den Gaumen schlagen, er leckte sich über die Lippen er durchkaute selbst die Schale bis sie nur noch von breiartiger Konzestenz war und nicht mehr so derb, doch so oft er die Stücken auch kaute und so sehr er sich bemühte, irgendetwas war eigenartig an diesem sonst so tadellosen Apfel. Er konnte keinen Geschmack feststellen. Hätte er den Apfel mit verbundenen Augen gegessen, wäre er nie darauf gekommen, dass es sich um einen Apfel handelt. Er schmeckte fast wie Wasser. Selbst eine Gurke schmeckt nach mehr. Doch er aß ihn trotzdem auf, denn schließlich war es eine liebgemeinte Geste der Verkäuferin und seine Mutter sah es auch nicht gerne wenn man Lebensmittel achtlos wegwarf…

Einen Kommentar schreiben: