Ein Dunkelelf stahl mir die Nacht!
Ich liege wach, was sonst. Obgleich meine Augenlieder vor Müdigkeit nahezu zusammen kleben, schaffen sie es keine zwei Minuten geschlossen zu bleiben. Ich bin ratlos. Irgendetwas bewegt mich, erregt mich innerlich und raubt mir den Schlaf. Ein Gefühl des unwohl seins, welches sich schon in der Frühe ankündigte. Mit dem Erwachen des Tages war auch das Erwachen meiner Person da und ich ging hinaus um der Elbe einen Besuch abzustatten und Ruhe zu finden. Ich fand eine beschähmte Sonne und genoss die morgendlichen, lichtdurchfluteten Stunden, in denen kaum eine Seele unterwegs war, das mag ich sehr. Dennoch war ich nicht allein und mir begegneten durchaus Menschen. Nicht viele, aber jene die vorüber gingen vielen um so mehr auf. Treibholz der Nacht wankte schlaftrunken an mir vorbei und erzählte mir stumm von durchzechten, berauschenden, feuchtfröhlichen Nächten und Feiern. Ihre verschwommenen, nebligen Blicke ruhten merkwürdig auf meiner Haut. Ich fühlte mich unwohl, irgendwie fehl am Platz und so ließ ich meinen Blick hernieder sinken und erhob ihn nur ab und zu um mir den erhebenden Anblick des Silberglänzenden Flusses in Erinnerung zurück zu rufen und das Bild in meinem Kopf wieder scharf und klar zu machen.
Trotz der ungemütlichen Blicke und der Zurückhaltung der Sonne, denn sie verschwand in den Vormittagsstunden und lugte nur noch selten durch die dichte Wolkendecke, wurde der Tag ein wunderschöner und ich verbrachte ihn an der frischen Luft und mit vertrauten Personen, meiner Familie.
Doch so wie der Tag zu Neige ging kam auch die Einsamkeit und mit ihr setzte ich mich erneut in Richtung Elbe in Bewegung, welche nun weniger verlassen schien als es heute Morgen der Fall war. Und wieder überkamen mich die Blicke der Fremden. Unbehagen! Doch die Sonne schaute zum Abschied noch einmal durch die grau mehlierten Kissen hindurch. Den ganzen Tag machte sie sich rar und nun schickt sie Welt mit ihrem Antlitz schlafen. Ein Hohn! Doch ich ging ihrem Wunsch nach… wenn ich doch nur schlafen könnte. Winzig klein so muss er wohl sein. Zumindest ist er nicht viel größer als ein Stecknadelkopf. Jedenfalls habe ich nicht bemerkt wie sich ein Dunkelelf, so nehme ich an, im Laufe unserer heutigen Wanderung in meinem Ohr einnistete und mir von dort aus Beschwerden bereitet und mir die Nacht und den Schlaf raubte. Mir scheint als hätte er sich zwei Hölzer, Zweige oder Äste mitgebracht. Für uns können sie nicht größer als zwei unheimlich kleine Bindfäden erscheinen… wenn überhaupt! Ihm scheint kalt zu sein, denn er reibt sie unaufhörlich aneinander um ein Feuerchen zu entzünden. Er tut es voller Eifer. Er sitzt im linken Ohr. Das Aneinanderreiben erzeugt ein fortwährend unangenehmes Geräusch. Manchmal quietscht es doch meist gleicht es einem Rauschen. Es scheint als wäre sein Tun nicht von Erfolg gekröhnt. Die Funken erzeugen zwar Wärme, welche sich vom Ohr aus langsam über meinen ganzen Körper ausbreitet, doch ein richtiges Feuer bleibt aus. Ich möchte das er verschwindet. Ich möchte doch nur schlafen…
Das waren die Geschehnisse der letzten Nacht, welche immer dunkler zu werden schien, doch ich sah einen Stern und so wusste ich, dass es nur die Wolken waren welche sich davonstahlen und den Mond mit sich nahmen und irgendwann überkam mich dann doch der Schlaf und heute ist auch vom Dunkelelf keine Spur mehr da, zum Glück.
Stille…