Èdith Piaf “La vie en Rose”
“La Môme Piaf”, der kleine Spatz von Paris, so nannte man sie einst. Obgleich ein Spatz kein typischer Singvogel ist, da andere Sänger der Lüfte mit weitaus klangvolleren Stimmen überzeugen können, so sollte dieser Sperling sich ausschließlich dem Gesang witmen und das Fliegen gänzlich sein lassen. Denn das mit dem Singen das konnte sie gut und wie gut, oh ja! “La vie en rose” heißt eines ihrer berühmtesten Chansons und mit eben diesem Titel schmückt sich der Film, welcher vom Leben dieser einzigartigen Frau, Sängerin und Künstlerin erzählt.
Von keiner anderen als Èdith Piaf ist die Rede. Deren Leben in Scheibenform auf DVD gepresst meinen gestrigen Abend beschallte, versüßte und verzauberte. Wenn man alles zur Person sagen wollte, so würde der Platz an dieser Stelle nicht ausreichen und mein Elan zum schreiben gleich garnicht, obgleich sie es wert ist. Geboren wurde sie 1915 als Èdith Gassion und als Tochter einer Cafèsängerin und eines Akrobaten. Von ihrer Mutter wurde sie schon kurz nach der Geburt allein gelassen und ihr Vater war mehr unterwegs als zu hause. So wurde sie von ihrer Großmutter erzogen, bei der sie unterkam um zu kräften zu kommen. Mit vier Jahren erlitt sie eine Entzündung der Augenhornhaut und erblindete. Zwei Jahre später nahm man sie mit auf Wallfahrt zu Theresia Martin nach Lisieux und sie erfuhr tatsächlich Heilung. Ab diesem Zeitpunkt war sie überzeugt gläubig und beetete wann immer sie es für nötig hielt zu Theresia. Mit zehn Jahren begann sie schließlich damit auf der Straße zu singen und wurde vom Kabarettbesitzer Louis Leplée entdeckt und gefördert. Ihre Karriere kam in Gang und unter dem Namen “La Môme Piaf” wurde sie schließlich berühmt. Fortan bestand ihr Leben aus unbeschreiblichen Höhen und Tiefen und glich einer Achterbahn, die ihres Gleichen sucht. Obgleich man sie für ihren Gesang liebte, für ihr Schandmaul und ihre nicht vorhandenen Manieren tat man es sicherlich nicht. Doch ihr Herz war groß und geräumig und so verbrachte sie den zweiten Weltkrieg in Paris und sang für Kriegsgefangene und verhalf dem ein oder anderen sogar zur Flucht. Ihr eigener Sohn starb mit zwei Jahren an Hirnhautentzündung und ihr eigenes Leben drohte zu zerbrechen, als die große Liebe ihres Lebens die Liebe zum Boxer zerbrach, weil dieser bei einem Flugzeugabsturz ums Leben Kam. Der Schock den sie darauf hin erlitt verursachte schweres Reuhma und die überdosierten Schmerzmittel, welche sie fortan mehrmals am Tag zu sich nahm, machten sie abhängig und verwandelten sie zunehmend in einen Schatten ihrer selbst. Sie verabschiedete sich 1963 im Alter von achtundvierzig Jahren von der Bühne und vom Leben.
So grausam dieses Leben gewesen sein mag, dennoch war es ein fantastischer Film. Wunderbar geschauspielert, wunderbar in Szene gesetzt, bildgewaltig und dank der Person um die es sich handelt mit einer grandiosen Musik unterlegt. Man möchte fast sagen die Musik war der heimliche Star des Filmes. Wie der Titel schon sagt gleicht er einer Rose. Am Anfang ist sie unscheinbar, mit Dornen besetzt, aber nicht wissend sie richtig einzusetzen. Doch langsam öffnet sich die Knospe und aus dieser plumpen kleinen, großschnauzigen Person wird eine gutaussehende, vornehme Diva und sie erblüht auf den Bühnen der Welt. Während ihre Musik, ihre Stimme, ihre Ausdruckskraft immer besser wird, so verblüht langsam die sterbliche Hülle, doch ihre Sucht zum Leben, die Sucht zur Bühne und die Sucht zur Musik treibt sie weiter und lässt sie kämpfen bis zum Schluss. Eine starke Frau, eine starke Geschichte, ein starker Film! Gänsehautkino für zu hause und ein Poem für die Sinne. Und wer mit dem Namen noch immer nichts anzufangen weis, dem sei der untenstehende Link ans Herz gelegt, ein Lied welches sicherlich jeder kennt. Das Lied, welches das furiose Ende des Filmes unterstreicht und ihren letzten Auftritt im Jahre 1963 zu einem unvergessenen machte. Ein Lied so legendär wie diese Künstlerin, wie diese Stimme, wie dieses Leben, welches ein einziges Kunstwerk ist, das Kunstwerk Èdith Piaf. Und mit Stolz sang sie:
”Nein, ich bereue nichts” – “Non, je ne regrette rien” http://www.youtube.com/watch?v=UW3djaihdu0&feature=related