Dresden ist nicht die Welt, doch die Welt ist ein Dorf

Hier nun also die Fortsetzung eines Auszuges von vor und hinter meiner Ladentheke, denn wie folgt ereignete sich ein Treffen der Generationen und mitten drin stand ich und mein fruchtig, süßer Daiquirischweif. Ich habe mir erlaubt die Namen etwas abzuwandeln, doch die Ortschaften entsprechen der Realität.

Auf Grund von diversen Ausfällen auf Seiten des Personals, bekamen wir ein wenig Unterstützung zugeteilt. Jene Kollegin kannte ich schon vom sehen und reden und daher wusste ich dass ihre umgängliche und arbeitssame Art kein Hindernis, sondern eine Bereicherung darstellen würde. Wir bedienten quasi im Duett und unsere Stimmen verwoben sich über der Ladentheke zu einem Kauderwelsch, welches wohl für den Kunden wie ein schlechter Film anmutete. Doch beide Seiten bekamen das was sie verlangten und der Unklarheiten gab es keine. Sie bediente einen etwas älteren Mann und ich war der weilen mit einer jungen Frau beschäftigt, welche mir vom Äußeren her schon bekannt vor kam. Doch wusste ich sie nicht zuzuordnen und da in der heutigen Zeit nahe zu jeder dem nächsten gleicht, tat ich auch keinen weiteren Gedanken daran zu ergründen wo ich sie schon einmal gesehen hätte.

Ich kam aber nicht ohnehin zu bemerken, dass meine Kollegin ihrem Kunden einen schönen Gruß an seine Frau ausrichten ließ. Denn jene Person musste wohl ihre Zahnarztschwester sein. Doch mit dem Namen hatte sie ihre Probleme, er wollte ihr nicht so recht einfallen. Ich beugte mich zu ihr rüber und half ihr auf die Sprünge, in dem ich sagte: “Das ist der Herr Pfoste. Mein ehemaliger Zeichenunterichtslehrer!”. Worauf hin er mich verdutzt anschaute und auch meine Kundin sich interessiert zu ihm wendete. ” Tatsächlich! Der Herr Pfoste aus Oberlichtnau!”, nun sprach sie wieder zu mir, ” Und du bist mit der Susanna in einer Klasse gewesen! Mit ihr war ich gemeinsam im Heim.” Darauf hin lachte Herr Pfoste laut und machte den Vorschlag den Laden zu schließen und ein spontanes Klassentreffen daraus zu machen, was natürlich nicht ging, aber diesem fröhlichen aufeinander treffen keinen Abbruch tat. Denn in der Tat ist es schon sehr selten und ungewöhnlich, dass vier Menschen so überhaupt nichts miteinander zu tun haben und doch an ein und dem selben Tage, nach zehn Jahren, durch puren Zufall aufeinander treffen und merken dass sie sich gar nicht so fremd sind. Eine schöne Begegnung, die mir ein langanhaltendes Lächeln auf die Lippen zauberte und auch wenn Dresden nicht grade die Welt ist, so kann man dennoch sagen, dass die Welt nur einem Dorfe gleicht!

Am Nachmittag brachte mein Mitbewohner mir einen Knacker ins Zimmer und meinte der würde toll schmecken und gar nicht so komisch wie er aussieht und ein anderer Mensch brachte mir fast Zeitgleich eine Mitteilung mit der ich wohl schon seit längerem gerechnet habe. Nun ja, da ich den Knacker nicht essen wollte und mein Mitbewohner ein sehr hartnäckiger welcher ist, legte er ihn auf mein Tischchen und verließ wieder mein Zimmer. Da saß ich nun… auf der Ersatzbank und starrte ohne irgendeinen Gemütszustand auf etwas, dass gut und gerne auch meiner Katze entsprungen sein könnte, wenn ihr Katzenklo mal wieder nach einer Reinigung ruft…

… heute kam der Tag einer mittelschweren Katastrophe gleich und sowohl der Knacker als auch die Mitteilung liegen immernoch im Raume. Der weilen wird die Stadt von einer grün/weiß und blau/weißen Lawine überrollt und die Stimmen des morgigen Tages nehmen unaufhaltsam Form an und werden langsam laut. Eine Dunstglocke über der Stadt, welche mir unbehagen bereitet. Doch ich freue mich ein wenig. Ich gehe morgen ins Theater. Das habe schon ewig nicht mehr getan…

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