Die Suche nach Nähe…
Gestern war es mal wieder so weit, ich befand mich in einem Emotionalen Tief. Gähnende Leere hatte sich in mir breit gemacht und ich wusste nicht worüber ich lachen oder worüber ich weinen sollte. Ein Tag im Bett wäre wohl angebracht gewesen, aber ich entschied mich zum Aufstehen, denn ein paar häusliche Dinge wollte ich schon verrichten, an meinem freien Tag. Mein Elan reichte nicht weit und ich war nur ein Schatten meiner selbst. wie ein Zombie schlurfte ich durch den Flur und nahm die Wäsche ab, welche schon zum brechen trocken war. Ich räumte ein wenig hier und saugte ein wenig da und der Kaffee in meiner Tasse, war genauso tiefschwarz wie mein Gemüt, er deprimierte mich, aber er machte mich nicht munter.
Die Schneekönigin tanzte schon den ganzen Vormittag und hatte besonders große Pallietten an ihrem Kostüm, von denen sie eine Menge zurückließ, selbst hier in der bedrückenden Enge der Stadt. Aber auch ihr Ballett vor dem Fenster ließ mich an diesem Tage völlig kalt. Ich streifte mir ein paar warme Klamotten über und beschloß mir etwas vom Bäcker zu holen denn essen, so habe ich gehört, soll angeblich glücklich machen. Der Hunger war jedenfalls da und so konnte es durchaus eine Möglichkeit sein mich besser zu fühlen. Ich holte mir zwei Apfelpasteten und eine Streuselschnecke mit Kirschen und ich merkte richtig wie ich versuchen musste freundlich zu sein, zur Verkäuferin. Ich war es, wie schon so oft hatte ich ein Lächeln für sie übrig und sie auch eines für mich. Zu hause angekommen verzehrte ich eine dieser wunderbar leckeren Pasteten und ich fühlte wie sie mir etwas Leben einhauchte. Ein Wenig Elan, ein wenig Zufriedenheit und ein wenig der Drang etwas zu tun. Ich wollte malen und ich wollte reden. Die Fotos vom Vortag konnte ich noch nicht holen und mich anschließend über sie freuen und der ebengewonnene neue Mut war noch zu gering um ihn in ein Bild zu verwandeln. Also beschloss ich meine Mutter zu besuchen, denn ich hegte den Wunsch mit einer vertrauten Person zu reden, sie zu sehen und sie nur für einen kurzen Moment zu spühren. Schon zu lange war es her das wir ausgiebig miteinander reden konnten und hier in der Stadt gab es nichts, was an zu hause erinnerte und einen Bezug bot. Mein Entschluss stand also fest, ich besuche Mama.
Das war eine sehr leichte Sache. Man musste gar nicht viel machen, denn um von A nach B zu gelangen, konnte man jeder Zeit den großen Strom benutzen. Er führte und zog sich durch das gesamte Land und bot mit seinen unzähligen Nebenarmen die Möglichkeit jede noch so kleine Ortschaft und jedes noch so versteckte, verschlafene Dörfchen zu finden. Man musste nur mutig genug sein um ihn zu benutzen, denn er war lang, groß, laut, schnell und voller Energie. Seine Wogen aus Stahl glitzerten in der Sonne und man musste schon etwas auf der Hut sein um hier mitzukommen. Denn hier gab es schnelle Wellen und weniger schnelle. Der Strom teilte sich in zwei Betten auf. Auf der einen Seite kam man hin und auf der anderen Seite kam man wieder zurück. So musste man nicht an dem Ort bleiben, den man erreichte sondern man konnte immer wieder zurück, so oft man wollte und wann man wollte, Tag und Nacht. Der große Strom floß ständig und unermütlich, er schlief nie. Ich tat es also, wie es jeder tat und setzte mich auf eine dieser stählernen Wellen und ließ mich mitreißen und davon tragen. Angst hatte ich keine, denn nur all zu oft habe ich es schon getan. Immer dann wenn mir die Stadt zu groß, zu laut und zu eng wurde verließ ich sie über den kraftvollen Fluß. Das einzige was zum Problem werden könnte ist das benutzen des richtigen Abzweiges. Denn um einen Ort zu erreichen musste man gegebenenfalls den großen Strom verlassen und in seichteren und langsameren Gewässern weitertreiben. Die Abzweige waren stets beschildert und man wusste wo man das Ruder rumreißen sollte um sie nicht zu verpassen, aber mitunter kommt es vor dass eine andere Welle oder eine Reihe aus besonders großen Wellen den Weg auf die richtige Spur vereitelten und so kann es durchaus passieren das man den Abzweig verpasst. Das macht aber nichts, denn von Nebenarmen und Kanälen gibt es viele und der nächste Abzweig ist schneller da als man vor sich hinfluchen konnte. In so einem Fall nimmt man den großen Strom einfach in die andere Richtung, oder man versucht über die vielen kleinen seinen Ziel zu erreichen, denn das ist ebenso möglich, man muss nur Ortskundig genug sein. Diese Wege sind oft viel schöner und sehenswerter als der große Strom, das nur mal am Rande.
Ich fand also den richtigen Weg und und fand auch das Tal wo ich meine Mutter wusste anzutreffen. Der Schnee machte die Welt so schön und ließ jedes Dorf wie das nächste erscheinen und ruhig gebettet daliegen. Hier draußen in den Weiten des Landes lag viel mehr Schnee als in den Fluchten der Stadt. Kälter war es auch, aber um so gemütlicher kam es einem vor. Ich hatte Mühe den Ort mit seinen weiß bestäubten Dächern zu entdecken, doch ich fand die Pfefferkuchenstadt und ich fand auch meine Mutter und ich fand das Gespräch nach welchem ich mich so sehr sehnte. Es tat gut sich den ein oder anderen Klatsch und Tratsch vom Körper zu schütteln. sich die Freude, den Kummer, die Hoffnungen, die Wünsche und die ein oder andere Besorgniss von der Sele zu reden. Wie sollte ich es auch loswerden. Telefon ist nicht das richtige, wenn das Herz schwer ist und man sich nach physischer Anwesenheit sehnt, wäre ein Telefonat nur ein allerletzter Ausweg. Mit meinem Mitbewohner brauche ich nicht über sollche Dinge zu reden, welche mich beschäftigen, da er meist nur dazu nickt und mit den Gedanken eh nicht recht anwesend ist. Ich glaube er hört nicht zu. Seine Reacktionen sind nicht recht einzuschätzen und auf sein Wort lege ich nicht viel Gewicht, zu unterschiedlich sind wir. Mit der Katze könnte ich reden, sie würde wenigstens zuhören, aber auf eine Anschließende Umarmung brauche ich hier nicht zu hoffen und wenn doch, dann hätte einer von uns beiden beim feste Drücken das Nachsehen und ich bezweifel, das ich das sein werde. So taten sie mir gut, die sanftmütigen mütterlichen worte. Nicht immer gibt es einen Rat mit auf den weg, doch Trost und Zuversicht sind sehr hilfreich, wenn einem der richtige Weg noch verborgen liegt.
Zeit ist wichtig und ich wünsche mir nichts sehnlicher, das wir sie haben. Denn im Moment beunruhigen mich Ängste. Falsches zu tun und falsches zu sagen macht mich bang und liegt mir nicht im Sinne. Und so übe ich mich in Geduld und trage auf dem Heimweg ein Stück Hoffnung mit mir, den Nachklang der mütterlichen Worte und eine Semmel für das Frühstück am nächsten Morgen, doch noch war der Tag nicht vorüber…