Die Oase im Herzen der Stadt…

Noch ist die Woche nicht an ihrem Ende angekommen, doch die bisherige Resonanz ist mehr als positiv und wenn ab diesem Moment nichts mehr passieren würde in den nächsten Tagen, so würde ich dennoch sehr zufrieden auf den Verlauf zurückblicken. Denn bisher konnte ich das Level der letzten Zeit sehr gut halten und ohne reue schaue ich auf Tage und Abende zurück, welche mich vor halb zwei in der Nacht nicht ins Bett gebracht haben. Mein persönliches Highlight war am Dienstag, an dem ich wie jede Woche meinem Französischunterricht nachgehe und dieser gestalltete sich durch unsere Komunikationsschwierigkeiten dieses mal mehr als lustig und eine der Französinnen zauberte mir ein nachhaltiges Lächeln auf die Lippen.

Schon am ersten Tag im Institut Francais begegnete ich ihr, dieser niedlichen, jungen, sehr fraulichen Person mit dem schwarzgefärbten Pagenschnitt und dem dazugehörigen strengen Pony, der sehr kurz gehalten ist und damit einen ungehemmten Blick auf ihr freundliches Gesicht nicht vereitelte. Ich habe an diesem Tage einen gestreiften Pullover getragen, dessen Ärmel ich auf verspielte Art und Weise bis über meine Ellebogen gekrämpelt habe… wobei gekrämpelt milde ausgedrückt ist, das Wort gewurschtel trifft es wohl eher… und dazu trug ich eine sehr zerschlissene Nadelkurthose, deren Kurt derartig abgewetzt ist dass niemand auf den Gedanken kommen würde dass es sich tatsächlich um eine handelt. Die Beine der Hose waren ebenfalls bis knapp unter die Knie gekrämpelt und meine Fahrradhandschuhe und mein Cappy taten wohl das Übrige um mich wie einen kleinen Schuljungen mit Dreitagebart aussehen zu lassen und in der Tat so fühlte ich mich dann auch. Ich wollte natürlich mit meiner neuerworbenen Mitgliedschaft im Institut Francais das bereitgestellte Angebot nutzen und ein Buch in der hauseigenen Bibliothek ausleihen und ich wand mich direkt an jene kleine verheißungsvolle Frau. Das Buch welches ich wollte war natürlich nicht auffindbar, da die Bücherei vor kurzen erst umgeräumt wurde und jene Person die einen Überblick in diesem neuentstandenen Chaos hatte, war grade nicht im Haus. Sie merkte sich mein Anliegen und versprach mir bis zur nächsten Woche das Buch herraus zu suchen. Das wir schwierigkeiten mit dem Verständnis hatten war nebensächlich und ging in allerhand Gesten und Gekichere unter und war zuweilen sehr belebend. Von diesem Tage an bedachte sie mich stet mit einem Lächeln und einem Winken, wenn wir uns begegneten oder sie wie ein junges Reh die Treppen heruntergesprungen kam während ich bedächtig den Worten unserer Lehrerin Lauschte. Am letzten Dienstag begegneten wir uns an der Info und das Thema Buch wurde noch einmal hervorgekramt und ausreichend geklärt… wieder mit Witz und Gestik… ich eilte zu meinem Kurs der jeden Augenblick beginnen sollte und sie erklärte mir im Verabschieden wie süß sie mich finden würde und ich erwiederte diese warmen Worte, in dem ich ihr sagte das ich das gleiche über sie denke… denn es ist die Wahrheit… und ein Grinsen meißelte sich in mein Gesicht, wie man es niemehr missen möchte.

Da ich mich auf der entsprechenden Seite der Elbe befand, beförderte mich mein Dratesel bestärkt durch meinen Willen zu einer kleinen Oase in der sommerlichen Wüste dieser Stadt und gradewegs zu einem interessanten Abend, welcher von netter Gesellschaft, leckerem Wein und Gesprächen am offenen Feuer bis weit nach null Uhr begleitet wurde. Wer den Anblick von Prada und Gucci tragenden Möchtgernbarbies die ihren in einen Nadelanzug genähten Plastikken an der kurzen Leine halten nicht ertragen kann und sich daraus resultierend vom Purobeach abwendet, sich aber aus Angst vor Mitbringseln, welche selbst in den abgelegensten Orten der Welt noch keinen Einzug gehalten haben, nicht wagt auf eine der Sitzgelegenheiten des Citybeach sein gepudertes Hinterteil zu quetschen… wobei ich dem Klientel des Citybeach keinesfalls skeptisch gegenüber stehe… dem sei die dresdner Stadtoase unterhalb der Albertbrücke sehr ans Herz gelegt. Denn hier wird einem das Gefühl von Ebenbürtigkeit vermittelt und zwar von allen Beteiligten sowohl vor als auch hinter dem Tresen mit Südseeoptik. Die kleine, überschaubare Kulisse ist nicht so überfüllt wie seine entfernten Pendants und bietet daher Ruhe für jene die abschalten wollen und Gespräche für jene die gern unterhalten sind. Wasserpfeife rauchen, in Kuschelecken knietschen, auf Liegestühlen den blauen Himmel genießen der hier und da von orangefarbenen Sonnenschirmen unterbrochen wird, mit den nackten Füßen im herrlich weichen cremigen Sand versinken während sich junge Atleten bei einer geselligen Runde Beachvolleyball den letzten Tropfen Schweiß aus den Poren kämpfen, einen großen Cocktail mit Schirmchen schlürfen und dabei im Rythmus zur chilligen Musik abgehen oder einfach nur an einem der Tische sitzen, ein Buch lesen und sich einen lauen Wind um die Nase wehen lassen, der erfüllt von Sonnenmilch und dem Duft nach frisch gegrillten Würschten vom Strandeigenen Grill einen Hauch von Urlaub in den Alltag eines jeden von uns bringt. All das ist in diesem gedigenen, bonbonfarbenen Idyll in der Nähe der Elbe möglich und wer ohnehin schon vielerorts auf den Elberadwegen unterwegs ist um diversen sportlichen Betätigungen nachzugehen, der ist gerne dazu angehalten seine Rast an diesem sonnigen Fleckchen Erde zu verbringen um sich sein eigenes Bild davon zu machen. So da ich nun ohnehin schon die Werbetrommel gerührt habe, werde ich das Süppchen auch gleich noch zuende würzen in dem ich beiläufig auf die Internetseite der Einrichtung hinweise www.stadtoase-dresden.de so, nu is aber gut! Mein Abend dort lag nicht in der Voraussicht eine Kritik des ganzen zu verfassen sondern einen angenehmen, ungezwungenen Abend zu verbringen der hoffentlich im Nachhinein von beiden Seiten in positiver Erinnerung getragen wird und ein Stück weit sogar im Herzen. Ich für meinen Teil habe mich unheimlich wohl gefühlt und zuweilen auch bereichert. Während Gespräche über Gott und die Welt in der Luft getragen wurden, erweckte die Leinwand um mich herum ein Theaterstück zum Leben, welches mit allerhand neuen und alten bekannten Gesichtern besetzt wurde und mich gedanklich voran trieb und gleichermaßen auch mal zurückblicken ließ und so wurde der Abend zu einer rundum gelungenen Vorstellung und ja… der Sommer wird schön… Fortsetzung folgt… vielen Dank.

Zwischen all den schönen und neuen Eindrücken bedachte mich mein “inneres” mit einem kurzen Stelldichein in Form einer Postkarte von den Seyshellen. Es war eine von diesen Karten, welche man aufklappen kann und einem ein hämisches Gelächter entgegengeschmettert wird. Es wollte sich nur mal kurz bei mir melden und berichtete mir in welcher neuen Situation ich mich befände… dafür bin ich dankbar… doch es teilte mir ebenso mit, dass es mich für weitere unbestimmte Zeit mit meinem Verstand alleine lassen würde und ich selbst meine Entscheidungen treffen müsse ohne jeglichen Antrieb von Emotionen zu folgen. Es bedachte mich mit ein paar Erinnerungen und zwang mich zu neuen Sichtweisen. Ich erinnerte mich an Dinge wie Golfbälle, Macadamianüsse, den Geruch von Krankenhäusern, den Geschmack von Toffifee, kleine Schnapsgläser gefüllt mit Heidelbeerlikör und mit Weintrauben und einer Passionsfrucht garniert, Nutellatoast am frühen Morgen, Kaltschale mit Milch zubereitet, Atemnot in der Dusche, ein Zwergkaninchen, den Duft von Axe, Hähnchenbrust auf frischem Salat und angeschwenktem grünen Spargel, um nur ein paar zu nennen… und ich liebe diese Erinnerungen und möchte sie auf keinen Fall missen. Auch wenn mir meine Situation nun bewusst ist, fällt es mir schwer die Richtung der neuen Schritte zu wählen ohne mich zu verrennen. Denn auch wenn ich es hier nicht bei Namen nennen werde, so sei euch versichert… sie ist verzwickt!

Zum Schluss werde ich noch auf ein Lied hinweisen, welches mir sehr durch den Kopf geht und mich an eine Person erinnert, der ich vor fünf Jahren begegnen durfte und dieser Jemand wird meine Erinnerung wohl nie verlassen. Es ist zwar schon ein paar Jährchen alt aber es ein so wunderschönes welches, dass ich es euch nicht vorenthalten möchte. Ihr kennt es bestimmt http://www.youtube.com/watch?v=kbTc_NJ4F2c

2 Kommentare zu “Die Oase im Herzen der Stadt…”

  1. spontiv

    Hmm. Verzwickt ist alles. Irgendwie. Lass dich davon nicht aufhalten…

  2. summertimeDD

    das mass an poesie, dass man für das durchleben des alltags benötigt, sollte schier grenzenlos sei, aber die realität lehrt uns, das man nie genug davon bekommen kann. die möglichkeit, über gott und die welt zu philosophieren eröffnet auf jeden fall einen weg, mehr von der poesie des alltags zu partizipieren und man trifft nicht jeden tag menschen, mit denen dies auch unvoreingenommen möglich ist. insofern und das ist ganz ohne hintergedanken gesagt, ist immer ein platz im liegestuhl am lagerfeuer der so wunderschön beschriebenen oase mitten in der stadt frei für einen menschen, den ich eigentlich noch gar nicht kannte, der mir aber fürwahr seelenverwandt scheint, der sommer bleibt also spannend, zumal dieser noch gar nicht begonnen hat.

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