Die Bretagne
Ich habe ja in meiner kurzen Zusammenfassung der Woche bereits darauf hingewiesen das ich mich kurz aber intensiv in Frankreich befand. Dies hier soll zwar nicht das Resultat meiner kleinen Gedankenreise sein, doch genau in diesem Zusammenhang fiel mir ein dass ich schon lange mal etwas fertigstellen wollte, bevor es ganz in Vergessenheit gerät. Meine kleine Abhandlung meiner Frankreichreise, im Zuge meiner Ausbildung, wartet noch sehnsüchtig auf den dritten Teil und damit auf die Vollendung. Wo waren wir nur stehen geblieben… ach ja mir fällt es wieder ein, wir beendeten unseren kleinen Ausflug zu den sehenswürdigkeiten des Landes und machten uns am nächsten Tage wieder frisch ans Werk und an die Arbeit.
Die Kollegen waren meist nett. In sofern man das beurteilen konnte. Denn mir ist schon oft aufgefallen das man anderssprachige Nationen nicht so recht einschätzen kann, was sie denken, was sie sagen… wie sie es meinen. Freundlichkeit kann aufgestzt sein, das gilt aber auch für unser Volk. Bestes Beispiel für Leute, welche ich garnicht einzuschätzen weis und welche mir demnach völlig suspekt sind… Asiaten. Mehr muss ich nicht sagen. Zurück zu den Franzosen. Sie nahmen sich nicht immer die rechte Zeit um etwas zu erklähren, wenn man etwas mal so überhaupt nicht verstehen wollte, konnte… wie auch immer. Natürlich blieb nur selten die Zeit für umfangreiche, ausschweifende Erklährungen. Denn in der Küche gab es anderes zu tun, als einen Kaffeeklatsch anzuzetteln. Das Mercure Hotel war ein Tagungshotel und dem entsprechend groß waren die Gruppen, welche es zu beköstigen galt. Nicht selten unter einhundertsechzig Mann. So waren wir von früh bis spät damit beschäftigt drei Gänge Menüs auf die Beine zu stellen. Das Geschäft lebte also ausschließlich von Vorbereitungen. Eine angenehme Alternative zum “à la Carte” Geschäft, welches zwischendurch, wenn auch nur in kleinem Maße, zu bewältigen war. So galt es kalte Vorspeisen, herzhafte Hauptgänge, oft in Form von Meeresspezialitäten und süße Nachspeisen in einem engen Zeitplan unterzubringen und pünktlich zu servieren.
So lernte ich einiges über den Umgang mit Meeresfrüchten, Fischen und den restlichen Bewohnern der Ozeane. Dort zeigte man mir wie man Garnelen isst und wie man Jackobs Muscheln und Mießmuscheln zubereitet. Ich bekam die Gelegenheit eine Auster zu probieren, doch als das arme Wesen sich ängstlich vor mir zurückzog, bekam ich mitleid und ließ sie laufen… oder glibbern… oder wie man das nennt. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn in Wirklichkeit rebellierte mein Magen gegen die Aufnahme und ließ vorbeugend von dieser Köstlichkeit ab und widmete mich lieber den toten Geschöpfen des Meeres. Rotbarben zum Beispiel, von denen gab es genug! Und ich durfte mich sattsehen an diesen formvollendeten Fischen und hunderte von ihnen entschuppen… mit bloßen Händen! Ja, so war das kein Zuckerschlecken und kein Däumchen drehen für mich armen Lehrling. Ich wurde nicht mit Samthandschuhen angefasst. Das Gegenteil war der Fall. Säckeweise Kartoffeln und Säckeweise Karotten galt es zu schälen. Äpfel zu entkernen und in hauchdünne Scheiben zu schneiden. Tomaten zu häuten und millionen Obstspieße zu stecken. Da konnte es schon mal vorkommen, dass man gebeten wird “Pineapple” aus der Vorratskammer zu holen und mit Äpfeln wieder kommt. Anstatt vollbeladen mit Annanas zu sein. Das brachte die Sprachmischung aus Französisch und Englisch nämlich mit sich. Hätte man das französische Wort für Annanas benutzt, welches nahezu identisch mit dem deutschen Begriff ist, wäre mir der zweite Lauf in den Keller erspart geblieben und ebenso gespart hätten wir an Zeit, denn die war immer knapp.
Es ist also kein Wunder das der Ton in der Küche oft zu wünschen übrig ließ, aber das ist ein Bestandteil der Gastronomie, welcher sich… glaube ich… in allen Küchen Weltweit etabliert und eingenisstet hat. Hart aber Herzlich. Wenn auch auf uns arme kleine deutsche Praktikanten genügend Rücksicht genommen wurde so mussten die Facharbeiter vom Dienst einiges an Kritik einstecken, natürlich von Seiten des Chefkoches. Doch einfach war sie nicht die Zeit und die Arbeit dort, doch bereuen tu ich es keineswegs. Bevor wir nicht zehn stunden gearbeitet haben war so gut wie kein Tag vorüber und die Teilschichten machten mir, der sie nicht gewöhnt war, zu schaffen. Früh um Acht in die Küche, meist bis halb eins oder um zwei und dann ein paar Stunden Freizeit, so siebzehn/achtzehn Uhr ging es wieder los und dann bis wir halt fertig waren, selten vor zwölf. Die Anstrengungen trugen dazu bei, dass in der Mitte unserer Aufenthaltszeit ein schreckliches Loch namens Heimweh klaffte. Alles schien zu viel zu sein und alles war so befremdlich. Man hatte das Gefühl sich niemals richtig einzuleben und obgleich das Lebensgefühl in der Stadt sehr heimisch und vertraut anmutete, hielt es einen nicht mehr dort. Man war jung, man wollte nach hause.
Doch diese Fase hielt sich nur kurz und der positive Eindruck der Expedition überwog und machte das ganze zu einem Erlebniss welches ich aus meinem Leben nicht rausdenken möchte. Denn als der Monat zu Neige ging und die Zeit des Abschiedes kam, so wollte man doch am liebsten noch ein Weilchen bleiben, zumal man nach Deutschland zurückkehren würde, wo die hecktische Weihnachtszeit schon in den Startlöchern stand und man doch eigendlich dringend einen Hauch von Erholung benötigte, denn wie schon gesagt war es kein Urlaub. Doch es war schön. Viel zu schön und kürzer hätte es nicht sein dürfen. Meine Küchenkollegen händigten mir noch ein paar Rezepte aus, in erster Linie Süßspeisen, unter denen sich das Rezept für die Far Breton… ihr erinnert euch?… befand und so traten wir mit einem Kopf voller Erinnerungen, Begegnungen, Gedanken und einem Rucksack voller Andenken, kleine souvenire, die lange, bevorstehende Heimreise an und wir freuten uns über das Vergangene und wir freuten uns auf zu hause. An dieser Stelle ist es jedem zu empfehlen, wenn ihr die Chance dazu bekommt und die Möglichkeit geboten bekommt so nutzt sie und lasst sie nicht verstreichen. Auch wenn nicht immer nur gute Erfahrungen dahinter stecken, so lässt es euch dennoch wachsen und es wird euch formen…
Somit habe ich tatsächlich das Ende meiner kleinen Abhandlung erreicht und während ich es schrieb waren die Erinnerungen, welche in mir erblühten, das schönste Geschenk an mich selbst. Mir kamen Dinge in den Sinn welche ich gar nicht mehr so recht bedachte und welche diesen Bericht hätten noch unendlich in die Länge ziehen können und zum Zerbersten voll gemacht hätten. Da wären noch die Erlebnisse in den Discos, das Ambiente der Cafes, die Halbinsel Quiberon und der Kaffee im Casino und ach… ihr seht da geht noch was und ich wäre längst nicht fertig…