Die Bretagne
Vor kurzem habe ich angefangen, den Bericht von meinem Auslandsaufenthalt in Frankreich erneut nieder zu schreiben. So recht fertig geworden bin ich damit noch nicht. Denn ich habe den Text nicht so übernommen, wie ich ihn damals niedergeschrieben habe. Ich habe den ersten Teil mit einem obligatorischen “Fortsetzung folgt” versehen und genau an diese Weiterführung meiner Abenteuer am Atlantik werde ich mich jetzt einmal ranmachen.
…Die Stadt Vannes ist eine wunderschöne und wie ich finde typisch französisch wirkende Stadt. Wenn ich noch nie in Frankreich gewesen wäre und nur vom hören und sagen darüber wüsste, dann würde es in meiner Fantasie überall in Frankreich so aussehen wie dort. Mit ca. vierundvierzigtausend Einwohnern ist sie nicht grade eine Großstadt und ebensowenig ein Dorf. Sie vermittelt nicht den Eindruck vom stessigen Leben, man kann aber auch nicht sagen, das es ein hoffnungslos verschlafenes Nest wäre. Sehr beeindrucken ist die Gestalt der Altstadt. Mit unzähligen alten Fachwerkhäusern, den engen Gassen und einer traumhaften Kathedrale vermittelt sie den Eindruck, das einem hinter jeder Ecke Quasimodo begegnen könnte. Hinter den Fassaden der Häuser verbergen sich zahllose Cafès und dutzende Creperien. Restaurants und Bäckereien dominieren ebenso stark die Szene und luden dazu ein sich hin zu setzen, die Seele baumeln zu lassen und an einer großen Tasse Heiße Schockolade zu nippen.
Einer der herrlichsten Tage, war ein Sonntag. Wir mussten zwar noch vor Sonnenaufgang aus den Federn und dem entsprechend zerknittert war ich, denn das war schon damals so, aber wir blickten voller Erwartung auf einen Tag voller interesanter und bleibender Eindrücke. An diesem Tag bekamen wir einen riesen großen Bus unter den Hintern geschnallt und eine sehr smarte ältere Frau als Reiseleiterin zugeteilt. Sie war eine Französin wie sie im Bilderbuch steht und konnte perfektes Deutsch. Unsere Reise führte uns zunächst nach St. Malo und am Nachmittag besichtigten wir den Mont St. Michelle. Die Hafenstadt St. Malo machte auf mich einen sehr englischen Eindruck. Sie war umgeben von einer massiven Stadtmauer, hinter der sich ein nahezu monotones Grau erstreckte. Die Straßen wirkten sehr symmetrisch, waren durchgehend gepflastert und gingen Ton in Ton einen Partnerlook mit den Fassaden der Häuser ein. Man hatte das Gefühl,das kaum ein Grashalm in dieser trüb wirkenden Stadt das Licht des Tages erblicken würde, aber dem war natürlich nicht so. Weil der Blick von so vielen industriellen Farben völlig übersättigt wurde, hatte man kaum ein Auge für die kleinen Bäumchen welche sich hier und da verschüchtert zeigten. Während des Rundganges auf der Stadtbegrenzung, wanderte mein Auge immer wieder zu der hübschen Kathedrale mit ihren ebenso hübschen Wasserspeiern. Diese Kirchen scheinen sehr typisch für Frankreich zu sein und scheinen einen quasi von Ort zu Ort zu verfolgen. Das Besondere an dieser Stadt, oder besser gesagt an der Lage von St. Malo ist das Meer. Hier sind die größten Gezeitenunterschiede zu erkennen. Nirgendwo sonst gibt es zwischen Ebbe und Flut einen Höhenunterschied von dreizehn bis vierzehn Meter zu verzeichnen. Die Stadt konnte aber auch mit ein paar leckeren und schmackhaften Crepes überzeugen, welche unsere Mägen zur Mittagszeit in geselliger Runde verwöhnten. Satt und zufrieden verließen wir die Stadt und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Haltepunkt auf der Tagesplanung, dem Mont St. Michelle.
Wie der Name Mont St. Michelle vermuten lässt, handelt es sich hier bei um etwas Kirchenähnliches. Wer weiter denkt wird gegebenenfalls auch schon die Vermutung haben, das es sich um einen Berg handelt und wer es schon kennt, wird wissen das es sich um eine Inselfestung auf einer Erhöhung im Golf von St. Malo dreht. Es ist ein sehr imposantes Abtei, wie gesagt auf einem Berg gelegen, welcher völlig eingeschlossen von Wasser dasteht. Da der Bau auf das elfte bis dreizehnte Jahrhundert zurückzuführen ist, weist sie sowohl gotische als auch romanische Stilelemente auf. Die Fassade des Bauwerkes stammt jedoch aus dem achzehnten Jahrhundert und ist daher neugotisch. An dieser Stelle des Landes zieht sich das Wasser bei Ebbe bis zu zwanzig Kilometer zurück und hinterlässt eine triste Einöde. So ein vollgepackter Tag macht müde und den einen oder anderen auch ein wenig glücklich. Wir fielen am Abend jedenfalls erschöpft ins Bett und die Augen gingen schneller zu als man erwartet hätte. Die Arbeit der letzten Tage steckte noch tief in den Knochen und mit der Selbigen sollte es am nächsten Morgen auch schon wieder straff weiter gehen…
Ich hätte es nicht gedacht, aber ich werde diese kleine Geschichte wohl in drei Abschnitten verpacken, denn wenn es jemand liest, möchte ich nicht mit zu langen Abhandlungen abschrecken und wenn ich ehrlich bin war der Bericht von damals nicht annähernd so lang wie diese neue Auflage, aber das macht nichts, denn diese ist um Längen besser. Also sage ich noch ein zweites mal: Fortsetzung folgt…
Wieder ist aus gegebenen Anlass des oben stehenden Textes meine Wahl zum Lied des Tages etwas französischer Natur. Es fällt zumindest unter die Kategorie Chanson und ist damit hoch offiziell ein Lied. Annett Louisan trällert im Hintergrund “Das Gefühl” und offenbart damit ihr ganz eigenes “Bohème”.