“Der Ruf”
Ereignisse kamen wie Wellen in Bewegung und trugen ihn fortwährend hin, auf einem Floß der Einsamkeit, kein Land, kein Ziel, kein Sinn.
Endlose Weiten und trostlose Stille, ein Meer so sehr salzig wie tief, ein verkümmertes Herz ohne Form, ohne Wille, wollte tun alles recht… doch es ging schief.
Es plusterte auf zu riesiger Fülle, fassend und gebend was richtig schien, nun ist`s wieder klein… eine pergamentartige Hülle, erinnernd, verdrängend, verziehn.
Ein paar Sandbänke… dicht unter trüben Wogen und doch würde er hier ertrinken, mit letzter Kraft zu einer Leiter gezogen, denn das Stück Holz beginnt langsam zu sinken.
Hebe ihn hoch in einen neuen Himmel und greife nach ihm, halt ihn jetzt. Verwirrende Fluten, Gedankengewimmel… er benebelt einen Fuß vor Fuß stetzt.
Ein hölzerner Steg mit Brettern beschlagen, so konnte der Himmel nicht sein. Er sprang von Brettchen zu Brett ohne zu zagen, ein Abzählvers von einem anderen Sein.
Wo dieser Weg endet? Kerzengrade die Bahn… links und rechts dieses Steges ist`s leer. Im Dunste da vorne deutet ein Zimmer sich an. Was würde dort warten? Oder wer?
Schwarz-weiß gefließt, er ist angekommen, an einem kalten uneinladenden Ort… rings umher Wände keine Chance zu entkommen, von drinnen und draußen kein Wort.
Stählerne Fesseln um Hände und Füße und Seile durchweben den Raum, die Einsamkeit als Gefängniss gewählt, keine Wärme, kein Himmel, kein Traum.
Nackt in der Mitte, unfähig zur Wehr… die Knochen und Muskeln erschlafft, die Stimme verblasst und die Zunge liegt schwer und doch hat die Hoffnung noch Kraft.
Sein Mund… seine Augen… sein Innerstes brennt, obgleich auch sein Körper ruht. Grüne Keime an der Seile End… in seinem Herzen unerlöschbare Glut.
Ein karierter Würfel im Nirgendwo schwebend, ohne Himmel… ohne Anker… ohne Gesuch. Von ihm hervor stößt ein pulsierendes Beben, hör hin was er sagt… hör den Ruf!
thomas kleinstück, 26.01.2009