Der Dresdner Juli
Auf den Straßen vorm Haus wälzen Blechlawinen,wie ein Lavastrom heiß und flimmernd.
Menschen gefangen in der Klimahölle,
entnervt,
verschwitzt
und wimmernd.
Zu warm, um in den Schatten zu hechten,
zu lahm, um sich auf Arbeit zu knechten,
zu brennend um sich in die Sonne zu legen,
eine Zeitlupenwelt,
bloß nicht bewegen.
Doch im bläulichen Schatten zwischen Sandsteinskulpturen, unter dem dichten Dach der Platanen,
zu Füßen des Reiters,
der wie die Sonne glüht,
lässt ein Hauch von Urlaub sich erahnen.
Touristen sitzen dort auf den Bänken,
Kellner sieht man Bier ausschenken,
Violinenspieler erfüllen die Luft,
neben Eis-, Kaffee- und Kuchen-Duft.
Die Ufer des Wassers liegen in Sicht, die Elbe scheint ein göttlicher Ort,
doch frohlockt sie bei Wüstentemperaturen nicht,
denn kaum Bäume und Sträucher gibt es dort.
Keinen Mensch kann man hier im Grase sehen,
nur laue Lüftchen spürt man wehen,
umsäuselt von See- und Brackwasser-Atem,
liegt die Cosel und der Starke an ihrem Kai und warten.
Auf die Blitzlichter die sie von oben blenden,
auf die Feriengäste die sich der Altstadt zuwenden
und in die Brunnen im Zwinger und auf der Prager Straße,
ihre Füße stecken
und in die Gischt ihre Nase.
Ein Müßiggang für jung und alt,
der Sommer hält alles in seiner Gewalt,
selbst den Bienen und Spatzen fällt das fliegen schwer,
einen so heißen Juli sah Dresden lang nicht mehr.
Am Tage über uns der Himmel brennt,
nur die Nacht ein Fünkchen Erbarmen kennt
und in satten Grün steht noch jeder Baum,
so wird die Nacht der Schlösser zum Sommernachtstraum.
Ja die Julinächte mit ihren grünen Feen,
im Rosengarten kann man sie sehen,
sie tanzen auf dem Rosenball,
zum lieblichen Gesang einer Nachtigall.
Auch in der Heide und im Prießnitzgrund,
wo die Luft nicht versmogt sondern scheinbar gesund,
wo des Tages die Hunde zu ihren Herrchen kläffen,
kann man im Schutze der Nacht Glühwürmchen treffen.
So schönes birgt der Dresdner Juli, wir müssen es nur sehen.
Es genießen und auf Tuchfühlung
mit unserer Umgebung gehen.
Macht die Nächte zum Tage,
geht wandern,
geht baden,
genießt diese traumhafte Zeit,
denn die kalten und ungemütlichen Stunden
stehen nicht all zu fern schon bereit.
Zu lang war der Winter, man ersehnte den Sommer,
ein Sonnenbad auf dem Balkon
und Wünsche sollen doch in Erfüllung gehen,
also nutzt es und habt etwas davon!
thomas kleinstück, 12.07.2010