Der 1. Oktober…
Es ist der erste Oktober und es ist kaum zu glauben wie katastrophal schmuddelig es draussen ist. Der Regen peitscht und der Wind streichelt die Wunden trocken. Ich liebe den Oktober über alles, er ist wie gesagt mein heimlicher Lieblingsmonat, aber ich möchte ihn doch bitte golden serviert. Danke.
Obwohl sich das Wetter hervoragend mit meinem Gefühlsleben angefreundet hat ist es doch wenig gesellig. In meinem Kopf sieht es derzeit nicht anders aus. Ein Wirrwar, welches seinesgleichen sucht und dem ich mich unmöglich annehmen möchte. Also lasse ich ihn einfach machen. Der Kopf das seine und der Körper eben etwas anderes. Der Schädel ist recht eigen und stur. Gestern trieb er den Körper wieder dazu spatzieren zu gehen, weil er ein paar Gedanken verschickt hat und nun hatte er Lust sie wieder ein zu fangen. Also ging er sie suchen. Da der Körper sich in letzter Zeit mal wieder die meisten Stunden des Tages auf arbeit befindet, ist der Glockenschlag zum Aufbruch doch etwas ungünstig ausgefallen, um nicht zu sagen unchristlich. Es war um Zwei Uhr nachts. Es ist erstaunlich das Dienstags um diese Zeit, nicht nur ich das Interesse hege der Stadt einen Besuch ab zu statten. Ob es alles so verirrte und verwirrte Schäfchen waren wie ich? Es regnete nur leicht und meine Augen waren feucht. Was wohl die Autofahrer dachten als ich dort so zielstrebig und dennoch ziellos unter dem Kastanienbaum stand. Der Blick über die Elbe offenbarte ein wunderschönes Gemälde. In Öl? Nein in echt! Ein traumhaftes Portrait der Stadt bei Nacht. Die vielen Wasserspiegelungen, das Glitzern, die beleuchtete Altstadt, die wenig befahrenen Brücken. Man hatte kaum eine Ahnung in welche Richtung die Elbe wohl fließen mag, so ruhig und sachte lag sie in ihrem Bett und um sie herum schlummerte die Stadt und wartete darauf von den ersten tiefliegenden Strahlen der Herbstsonne wieder wachgeküsst zu werden. Sie erlangt durch ihre Vielzahl von Farben noch einmal einen Rausch in Blüte, während das Jahr verblüht und mit ihm ein paar Erinnerungen. Die Gemäuer und Fassaden sind voll von ihnen. Sie schrieen Namen, aber ich konnte sie kaum hören. Ich sah sie nur im vorbei gehen. Auch ich schreie Namen, manchmal. Ab und zu habe ich das Gefühl eine Antwort zu bekommen. Ich follge den Lauten und folge den Rufen. Bis ich wieder stehen bleibe und merke das es keine Antwort sonderen nur mein eigenes Echo ist. Dann wird mir wieder bewusst wie leichtgläubig und naiv ich manchmal doch bin. Das ich doch aufpassen sollte wo ich hingehe um nicht wieder über meine eigenen Schwächen zu stürzen. Zu meinen Schwächen gehört ab und an auch die Fantasie.
Ich habe ein neues Bild in arbeit und das Letzte ist nach wie vor namenlos. Ich habe mir vorgenommen das Glück zu malen. Dabei bediene ich mich der Fantasie eines anderen. Denn wie bitte sieht so ein Glück denn aus? Mir wurde einmal eine angenehme Darstellung des Glückes gesagt. Von einer Person die in meinem Kopf doch sehr allgegenwärtig ist. Leider oder Gott sei Dank, kann ich an dieser Stelle meines Lebens noch nicht sagen, aber ich trage ihn positiv in Erinnerung. Was genau auf diesem Bild zu sehen sein wird, werde ich noch nicht sagen. Erst wenn es fertig ist und vielleicht habe ich bis dahin eine eigene Deffinition von “Glück”. Wie dem auch sei, nachts denke ich mir den Kopf leer und am Tage lese ich und male mir das Leben etwas bunter, wenn ich Zeit dazu habe. Ich lasse niemandem an meinem Leben teil haben, oder besser gesagt irgend eine tragende Rolle spielen. Ich habe keine Liebe und ich habe keinen Sex und ich mag diese zwei Aspeckte um jeden Preis, in nächster Zeit ausschliessen. Was ich dafür habe ist eine Nachricht im Posteingang, welche ich mich nicht traue zu lesen und mich selbst, was mich hin und wieder frustet. Und das sage ich von mir! Wie mag es wohl anderen gehen? Ich merke ich bin komisch, irgendwie. Mein Telefon liegt den ganzen Tag ohne jegliche Beachtung auf meinem Bett. Ich benutze es nicht, das Telefon meine ich. Das Bett benutze ich schon. In dem hat noch niemand ausser mir Platz gefunden und daher ist es der wohl einzige Ort auf der Welt, der mich nicht mit Erinnerungen belasten kann und konfrontiert. Ein wirklicher Ort der Ruhe eben.
Ich ertappe mich oft beim Weinen…