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	<title>Kleines Stück Dresden und die Welt drumherum &#187; Kleine Geschichten</title>
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		<title>Zwischen Broccoli und Nougat</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 17:07:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Kleinstück</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kleine Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war schon spät. Die Sonne hatte sich schon längst verabschiedet und ihren Platz müde dem alten Mond überlassen und seinen kleinen funkelnden Begleitern. Er war in Eile, das war er fast immer und so sputete er sich den kleinen Weg nach Feierabend hinter sich zu bringen. Schnell noch ein paar Klamotten eingepackt und im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war schon spät. Die Sonne hatte sich schon längst verabschiedet und ihren Platz müde dem alten Mond überlassen und seinen kleinen funkelnden Begleitern. Er war in Eile, das war er fast immer und so sputete er sich den kleinen Weg nach Feierabend hinter sich zu bringen. Schnell noch ein paar Klamotten eingepackt und im Kopfe die Gedanken geordnet, was er denn eigentlich noch besorgen wollte. Er ließ das Auto stehen und machte sich flinken Fußes auf den Weg. Ein kleiner abendlicher Spaziergang würde ihm sicher gut tun und dabei helfen den Arbeitstag hinter sich zu lassen, etwas runter zu kommen, abzuschalten und mit Vorfreude behaftet zu einem Abend in trauter Zweisamkeit überzugehen. Er hatte keine Ahnung in welcher Stunde er lebte. Er schritt zur Arbeit in Finsternis und finster war es, als er diese wieder verließ. Ein Blick auf die Uhr am Handgelenk wäre wenig hilfreich gewesen, denn eine Armbanduhr besaß er nicht. Nur jenen die Zeit im Nacken saß, die sie stehts zu kontrollieren versuchten und nur jener die Zeit auf seiner Seite hatte und stets genug davon, der die künstliche Zeit verschmähte.</p>
<p>Nur das Loch in seinem Bauch verriet ihm das es unlängst an der Zeit war, ein Abendessen zu sich zu nehmen und so führte sein winterlicher Spaziergang ihn unter den Pappeln hinweg, durch Schneematsch und Eisesglätte und über die große vielbefahrene Straße, welche ihn von seinem Ziel trennte. Der Lebensmittelladen um die Ecke, war geeignet genug um auf schnellsten Wege noch ein paar Zutaten einzuholen und ein paar Leckereien, die den Abend noch etwas versüßen sollten. Er wusste dass man ihn erwartete und er wusste auch dass man von ihm erwartete nicht mit leeren Taschen nach hause zu kommen. So sehr er versuchte den Kopf auch frei zu bekommen, gelang es ihm nur selten. Denn Arbeit, Wohnung und Partnerschaft stets unter einen harmonischen Hut zu bekommen war gar keine so leichte Aufgabe. Doch es war ein wunderbares Stück Alltag und er tat es gern, auch wenn es für ihn bedeutete von früh bis spät auf den Beinen zu sein. Doch wer rastet der rostet, so dachte er stets und verdrängte voller Elan und Tatendrang die Müdigkeit. Zum ausruhen hatte er Sonntags Zeit genug.</p>
<p>Die Hauptzutaten, welche das Abendbrot formen sollten standen fest und nun war es an ihm etwas hinzu zu fügen, was das ganze abrundet und erst zu einem vollwertigem Gericht zauberte. Ein paar Beilagen, so wurde es gewünscht und natürlich etwas zu trinken. Ein Dessert durfte es natürlich auch sein, darauf würde man sich freuen. Er betrat den Laden und das helle Licht blendete ihn und richtete sich wie ein Spot auf seine unscheinbare Gestalt. Schlank und groß war er, von oben bis unten in schwarz gekleidet. Ein Dreitagebart legte sein schmales Gesicht in sanfte Schatten, denn zum rasieren hatte er noch keine Zeit gefunden. Er war wie er von Arbeit kam und er fühlte sich matt und war sich sicher, genau jenen Zustand mit seinem Äußeren zum Ausdruck zu bringen und der Stadt zu präsentieren. Er nahm sich einen der Körbe und begann mit seinem Streifzug durch die Regale. Da er sich auskannte waren seine Bewegungen präzise und strukturiert. Er wusste genau wo er hin musste. Zunächst das Dessert, denn es begegnete ihm als erstes, gleich neben den Weinregalen. Ein Joghurt erschien ihm gesund, doch die winterlichen Geschmacksverirrungen der Hersteller sagten ihm alles andere als zu.</p>
<p>Bratapfel und Zimtgeschmack, Backpflaume und Punsch&#8230; alles Dinge die er selbst zur Weihnachtszeit nicht sehr wertschätzen würde und Weihnachten war auch schon vorbei. Die althergebrachten Sorten waren ihm am liebsten&#8230; Vanille oder Pfirsich-Maracuja&#8230; das waren Sorten die ihm persönlich das Herz höher schlagen ließen und doch, so wusste er, hätte er mit der Wahl der saisonbedingten Produkte zu hause ein paar strahlende Augen erzeugt. Zu hause, was war das schon? Er nannte es so, da er sich bei ihm wohl fühlte. Doch offiziell wohnten sie getrennt von einander.</p>
<p>Er entschied sich für etwas, das garantiert auf Zustimmung treffen würde, obgleich er selbst kein großer Freund von roter Grütze mit Vanillesoße war, aber er, so ging es ihm durch den Kopf, würde es lieben und schließlich geht es ja nicht immer nur um das eigene Wohlbefinden. Kompromissbereit griff er zu jener Variante die aus Kirschen gemacht wurde, denn Kirschen können nicht schlecht sein und mit genug Vanillesoße würde es wohl für beide ein hinreichend leckeres Dessert werden und somit war es besiegelt.</p>
<p>Nun noch an der Fleischtheke vorbei, denn das Rahmgeschnetzelte als Hauptkomponente wartete bereits zu hause. Etwas Reis in den Korb, der würde schnell gehen und belastet nicht im Nachhinein&#8230; und als Gemüse? Broccoli finden beide lecker. Ein typisches Modegemüse. Vor ein paar Jahren hätte niemand darüber gesprochen und nun ist Broccoli überall dran und in aller Munde, genau wie Bärlauch. Er scheint bis vor ein paar Monaten nur im Garten der ehemaligen Schrägnachbarn existiert zu haben und dann entwickelte der Knoblauchersatz, welcher aussah wie Maiglöckchen ohne Blühte, ein Eigenleben und war plötzlich in jedem erdenklichen Lebensmittel zu finden. Es war nur noch ein kurzer Schritt bis die erste Marmelade mit Bärlauch auf den Markt kam, da war er sich sicher. Er wählte also den Broccoli, die tiefgefrohrene Variante, denn zum putzen von frischen Gemüse hatte er weder die Lust noch räumte er sich die Zeit ein. Er konnte das Gewese um Frostgemüse eh nie verstehen. Kurz blanchiertes und dann schockgefrostetes Grünzeug besaß seiner Ansicht nach noch ebenso viel an Vitaminen, wie ein frischer, in kleine Rößchen geteilter Broccolie, der zwanzig bis dreißig Minuten am Siedepunkt seiner Existenz vor sich hin köchelte.</p>
<p>So hatte er schließlich genug der benötigten Dinge zusammen und er, als Optimist, sah seinen Korb in seiner Hand halb voll. Das sollte genügen. Noch schnell etwas zu trinken geholt und dann nichts wie weg. Hochprozentig durfte es sein, denn wer weis was der Abend noch so bringt und so trugen ihn seine schweren Beine zu den Spirituosen, gleich neben den Regalen mit den Süßigkeiten. Welch Ironie, so dachte er und griff den Martini, den milden roten, der Kindheit und Erwachsen sein vereinte.</p>
<p>Da war ein Geräusch, hervorgerufen von zu Boden fallenden Schachteln und es zog seine Blicke und seine Aufmerksamkeit magisch an. Nicht weit von ihm, nicht mal zwei Meter, war ein junger Mann damit beschäftigt, das Chaos welches er angerichtet hat, wieder zu richten. Ein schmaler Mann, von guter Größe und guter Statur, gehüllt in einen Mantel, entnahm eine der Pralinenschachteln und riss ein paar andere ungewollt mit sich. Kaum ein anderer Mensch war im Laden zu sehen und nicht einer hätte diese tapsige Situation registriert.</p>
<p>Doch er mit seinem Korb in der einen und dem Martini in der anderen Hand beobachtete es und stellte sich vor, wie sehr er es auch selbst hätte sein können, der da ungewollt die Aufmerksamkeit anderer auf sich zog und wie sehr er sich in solch einer Lage ein Loch im Erdboden herbeigewünscht hätte, in welches er sich verkriechen konnte. Doch nicht ihm passierte es, sondern einem anderen und er fühlte sich weniger allein mit dieser sympatischen Gabe. Doch genug gesehen und genug getrödelt, die Kassen warteten, gleich zwei geöffnet und kein Mensch vor ihm, genauso mochte er es. Noch schnell bezahlen und dann in die Kälte, der Abend wartet&#8230; ein Mann der wartet&#8230; ein hungriger dazu. Bald würde er zur Ruhe kommen und alles fallen lassen, einschließlich sich selbst. Er stand allein an der Kasse. Es war niemand hinter ihm. Nur die Kasse gegenüber war geöffnet, doch das beachtete er nicht. Er sah der Verkäuferin lächelnd zu und versuchte ihr so gut es ging ein netter freundlicher Kunde zu sein. Er bezahlte, verstaute seine Einkäufe und verabschiedete sich höflich in den Feierabend.</p>
<p>Er war in Eile. Es galt einer Einladung am Abend nachzugehen, doch mit leeren Händen wollte er nicht erscheinen. Gleich um die Ecke war noch der Laden. Dort würde er sicher etwas finden. Vielleicht etwas süßes oder ein Wein? Er griff nach der Schachtel mit der Zusammenstellung von Trüffel und Nougat, denn mit Nougat lag man selten falsch&#8230; süß und klebrig&#8230; das mögen Menschen, die zu geselligen Abenden einluden. Wie peinlich, jetzt riss er ein Drittel des Regalinhaltes mit, doch zum Glück hat es wohl keiner gesehen. Er beseitigte noch schnell die Unordnung und schritt zu den Kassen. Gleich zwei waren geöffnet und er entschied sich für jene, an welcher noch niemand stand&#8230; schnell musste es gehen, das war alles was zählte. Die Verkäuferin zog die Schachtel über das Band, doch was sie sagte erreichte nur schemenhaft sein Ohr. Sein Blick war gefesselt. Denn gleich an der Kasse gegenüber stand er, mit dem Martini und der roten Grütze. Er musterte ihn von oben bis unten. Die weichen Stoppeln im schmalen Gesicht, die den schmalen Mund umschmeichelten. Lang und schlank, knabenhafte Statur und völlig in schwarz gekleidet. Eine verschlissene Hose unterstrich den Gesamteindruck und so verwegen er auch wirkte, so tat er das nicht ohne Stil. Er beobachtete ihn und wie er seine Einkäufe verstaute und wie er sich mit einem Lächeln verabschiedete und wie er plötzlich verschwunden war. Etwas ließ ihn in Gedanken mit ihm verschwinden, während er seine Pralinen bezahlte&#8230; etwas an diesem Jungen zog seine Aufmerksamkeit magisch an&#8230; etwas an diesem Jungen erinnerte ihn an seinen Freund&#8230;</p>
<p>Er verabschiedete sich, nahm seine Pralinen und ging seiner Einladung nach.</p>
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		<title>Das Theaterstück Alltag</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Feb 2010 07:57:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Kleinstück</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fest entschlossen seiner Partnerschaft mal wieder etwas Farbe zu verleihen, organisierte Alexander einen erfüllten Abend für ein paar gemeinsame Stunden. Zu sehr hatte die Beziehung in den letzten Wochen gelitten und zu wenig Zeit blieb den beiden um sie effektiv zu nutzen. Beruflich erfuhr Alexander grade einen Aufschwung und so war sein Leben erfüllt von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fest entschlossen seiner Partnerschaft mal wieder etwas Farbe zu verleihen, organisierte Alexander einen erfüllten Abend für ein paar gemeinsame Stunden. Zu sehr hatte die Beziehung in den letzten Wochen gelitten und zu wenig Zeit blieb den beiden um sie effektiv zu nutzen. Beruflich erfuhr Alexander grade einen Aufschwung und so war sein Leben erfüllt von Stress. Es war nicht einfach alles unter einen Hut zu bringen. So war er die meiste Zeit des Tages damit beschäftigt von seiner Wohnung zur Wohnung von David zu orgeln und von einem dieser beiden Domizile seine Arbeitsstelle aufzusuchen, wo er sich dann die meiste Zeit des Tages aufhielt. Gelegenheit zum Nachdenken wie man wieder etwas mehr Pepp in die Partnerschaft bringen konnte, war so gut wie nicht vorhanden und so gestalteten sich die gemeinsamen Abende meist mit einem guten Film und der darauffolgenden frühzeitigen Bettruhe. Sicherlich war die Tatsache, dass es Winter war und die Gemüter eh von einem Winterschlafartigen Dämmerzustand befallen waren, ein wichtiger Aspekt, der zu jener langweiligen Situation beitrug, aber als Vorwand um sich die eigene Inkompetenz schön zu reden konnte man den Winter nun wahrlich nicht nehmen.</p>
<p>Eine banale Sache hatte sich in das Leben der beiden eingeschlichen, die für gemein hin auf den Namen Alltag hört und die für beide, so haben sie es sich irgendwann einmal fest vorgenommen, nicht mehr Einzug halten sollte. Alexander wollte so gerne, dass auch David mal wieder etwas erlebt und etwas hat worauf er sich freuen konnte und so bestellte er einen Tisch in diesem angesagten kleinen Lokal mit der urigen, nostalgischen Einrichtung. Damit wollte er den Vorabend in einer warmen Farbe erstrahlen lassen und die darauffolgenden Stunden, so hatte er es sich vorgestellt, streichte er in bunten, satten Tönen eines Theaterstückes, für welches es gar nicht mal so leicht war, so kurzentschlossen an ein paar Karten heran zu kommen. Er wählte das Stück bewusst aus, so dass er sich sicher sein konnte, dass es David auch einigermaßen zusagte. Denn anders als Alexander, war David für derartige Vorhaben nur schwer zu begeistern und wenn die Thematik einer Aufführung nicht ansatzweise interessant für David war, oder nicht wenigstens ein Hauch von Aktion darin vorkam, so wusste Alexander, würde David nicht zufrieden werden an jenem Abend. Als die Vorbereitungen in Sack und Tüten waren und der Abend eine beschlossene Sache, richtete Alexander sich an David. Beide hatten sich nun schon eine Woche nicht mehr gesehen und die Vorfreude auf David wuchs in Alexander stündlich. Er stellte ihn vor die frisch vollendeten Tatsachen und war  fest entschlossen ein Nein nicht zu akzeptieren.</p>
<p>Doch Alexanders Eifer wurde im Keime erstickt, denn das Nein, welches er nicht hören wollte kam und zu allem Überfluss auch noch begleitet von bedeutungsschwangeren Worten, die vernichtender waren als ein einfaches Nein. David hatte für den geplanten Abend schon etwas anderes vor, aber ohne Alexander und in den Tagen zuvor, an denen sie sich nicht sahen, feilte er allen Anschein nach an einem anderen Gedanken um zu retten was zu retten war. Eine Auszeit sollte die Konsequenz für die nächste Zeit sein und sollte bewirken, dass beide Parteien ihr Leben für sich wieder in geregelte Bahnen bringen könnten. Gelegentliche Tage des sich nicht sehens hielt Alexander für eine gute Sache, aber sich entfernen um sich näher zu kommen, war aus Alexander seiner Sichtweise keine gute Taktik. Schließlich sahen sie sich so selten in letzter Zeit dass man unmöglich davon reden konnte, sie würden sich permanent aufs Dach steigen. Weder David noch Alexander wurden vierundzwanzig Stunden am Stück vom anderen Part belagert und David fand schon immer große Freude daran, wenn man sich eher zu wenig als zu viel sehen würde. Der Entschluss stand jedenfalls fest und Alexander beschloss die Thematik ins gedankliche Abseits zu schieben. Was anderes blieb ihm nicht übrig, zum Schwäche zeigen hatte er augenblicklich keine Zeit und gebrauchen konnte er es ebenso wenig.</p>
<p>Den reservierten Tisch für den Abend bestellte er kurzer Hand ab, denn auch wenn essen eine unabdingbare Notwendigkeit war, so war ein Solocandlelightdinner eine Schmacht. Das Theater aber ließ er sich nicht nehmen, denn zu lange schon ist er dieser heimlichen Leidenschaft nicht mehr nachgegangen und wo es doch so schwer war an die zwei Karten zu gelangen, wollte er diese auf gar keinen Fall wieder aus der Hand geben. Doch zwei Tickets für eine Person waren auch ein bisschen zu viel des guten. Dennoch ließ er den Abend auf sich zu kommen und er freute sich auch schon auf das Stück, würde es ihn doch von all den anderen schwergewichtigen Dingen im Moment zu genüge ablenken. Der Abend war da und das Theater zum bersten voll. Die Nachfrage nach dem Stück war enorm und fast schon fühlte er sich allein unter so vielen fremden Menschen mit seinen zwei Karten in der Hand, währe da nicht ein Gesicht unter der Menge gewesen, welches ihm sehr wohl schon einmal begegnet war. Dennis kannte er zwar nur flüchtig, aber ab und zu hatten sie Kontakt zu einander. Seine Liebe zum Theater trieb ihn an diesem Abend alleine hierher, genau wie Alexander. Sie nutzten die halbe Stunde vor der Vorstellung um ein Glas Rotwein an der Bar zu sich zu nehmen und ein wenig ins Gespräch zu kommen und wie es der Zufall so wollte brachte der Andrang der Menschen es mit sich, dass sie die einzelne Karte von Dennis erfolgreich verkaufen konnten und so war kurzer Hand keiner von beiden mehr alleine an diesem Abend. Ein kleines Stück Glück im Unglück wenn man so will.</p>
<p>Der Vorhang ging auf und nach ein paar Stunden geballter Emotionen fand das Stück schließlich sein Ende und man konnte mit Fug und Recht behaupten dass es hielt was es im Voraus versprach. Die Beliebtheit der Aufführung war berechtigt und Dennis und Alexander mehr als zufrieden gestellt. Sie beschlossen noch ein wenig Platz im Theaterlokal zu nehmen und bei einem Glas Rotwein den Abend und das Stück revue  passieren und angenehm ausklingen zu lassen. Die beiden redeten über alles mögliche, über das vorangegangene Stück, über Malerei und die Kunst, über Bücher, deren Autoren und über gute und schlechte Verfilmungen ihrer Bücher und so wie der Abend später wurde und auf das erste Glas Rotwein noch ein zweites folgte, wurden auch die Zungen lockerer und man redete über gegenwärtige Eindrücke und Umstände im Leben. Es war ein angeregtes Gespräch. Manchmal wurde es von kurzen Pausen begleitet, aber diese waren schnell Geschichte und einer von beiden fand immer wieder einen Einstieg. Irgendwann, als Dennis redete, war Alexander wie gebannt von seinen Worten und sein Blick heftete sich an die Lippen von Dennis wie eine hartneckige Klette an einen Pullover aus hundert Prozent Baumwolle, denn was Dennis da sagte klang wie eine wunderbare Wahrheit und eine ebenso schöne Vorstellung, über die Thematik des Alltages&#8230;</p>
<p>&#8230; Mit dem Alltag ist es so eine Sache. Natürlich ist es schön wenn aufregende Dinge passieren, aber es kann ebenso schön sein, einfach nur beisammen zu sitzen, einen Film zu gucken und anschließend gemeinsam zu Bett zu gehen. Wenn man diesen Zustand ein paar Tage hintereinander erlebt hat und sich auch am achten Tage noch Film guckend dasitzen sieht und sich umschaut und weis dass man die Person, die neben einem sitzt, trotz dessen zu schätzen weis, dann ist der Alltag doch gar nicht als so negativ zu berwerten. Doch wie sollte man es herausfinden, wenn man dieser Form von zusammen sein keinerlei Chance einrichtet zu gedeihen? Denn wie auch immer er aussieht&#8230; der Alltag&#8230; stattfinden wird er so oder so irgendwann.</p>
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		<title>Ein Abend am Feuer</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 10:40:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Kleinstück</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kleine Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Seine Füße versanken im feinkörnigen, trockenen Sand und seine Knie berührten einander während er sich nach vorne beugte, seine Arme verschränkt auf diesen ablegte und verträumt geneigt seinen Kopf auf der weichen, leicht gebräunten Haut seiner Unterarme bettete. So saß er in seinem Liegestuhl, dem Alltag weit entrückt und dem Feuerchen welches vor ihm im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seine Füße versanken im feinkörnigen, trockenen Sand und seine Knie berührten einander während er sich nach vorne beugte, seine Arme verschränkt auf diesen ablegte und verträumt geneigt seinen Kopf auf der weichen, leicht gebräunten Haut seiner Unterarme bettete. So saß er in seinem Liegestuhl, dem Alltag weit entrückt und dem Feuerchen welches vor ihm im Wind tanzte zugeneigt. Bewegt von der Musik und hypnotisiert von lodernder Flamme beobachtete er leicht abwesend die Menschen die ihn umgaben. Er war mitten drin und doch saß er nur am Rande. Um ihn spielte das Leben eines seiner bunten Stücke und er, träumend auf seinem Stuhl, war ein Requisit dieser bunten, überfüllten Einraumwohnung, wie ein Mahagonitisch mit einer massiven, runden Tischplatte auf einem langen von Gravuren geziehrten Sockel und drei schwungvoll abgerundeten Beinen, in einer hellen Ecke eines großen leer wirkenden Flurs um richtig zur Geltung zu kommen und von jedem einen flüchtigen Blick erhaschend&#8230; schön aber unscheinbar&#8230; wartend dass jemand eine Vase gefüllt mit einem dicken Strauß blühenden Lavendels auf ihm abstellt und ihn damit zu einem wahren Blickfang machte. Ruhig, verschlossen, introvertiert, für einige sogar langweilig, aber doch&#8230; irgendwie war er interessant.</p>
<p>Es wurde Später und die Zeit verging. Die Welt vor seinen Augen begann zu verschwimmen und unlängst wusste er das es Zeit war den Heimweg anzutreten. Doch nicht nur er. Die Musik um ihn herum wurde zunehmend auf Gesprächslautstärke reduziert, um die in Feierlaune gestimmten Gäste langsam zur Ruhe zu bringen, denn mitten in der Woche wollte man den Einwohnern in umittelbarer Nähe nicht lästig sein, zumal sich der späte Abend schon längst verabschiedet hat und die Nacht damit begonnen hat einen neuen Tag zu basteln. Doch auf der kleinen Tanzfläche vor ihm haftete noch immer ein überschaubares Grüppchen von unermüdlichen, wie Stecknadeln an einem Magnet, nur nicht so steif&#8230; sie waren frei beweglich und das wollten sie auskosten. Einer von ihnen, der Rebell der Gruppe, begann die Aufmerksamkeit des DJs auf sich zu ziehen in dem er pfiff und dabei die ulkigsten Bewegungen an Tag brachte welche sein Tanzschrittrepertoir zu bieten hatte. Unbeholfene Versuche die in den Schatten der Nacht nach Erhörung flehten und schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt waren. Er wollte heftigen Drum and Bass statt House. Doch welcher DJ würde seine Schiene ändern wenn er sieht das die Leute scheinbar dazu abgehen? Verzweifeltes fuchteln um Aufmerksamkeit kann unter umständen für einen neuen, inovativen Tanzstil gehalten werden, der nicht nur für die ausführende Person zum ultimativen Spassbringer mutieren kann. So lenkte er das Interesse des DJs ohne Erfolg auf sich, doch stille Beobachter erreichte er trotzdem und belustigend war es allemal für den am Feuer sitzenden Mahagonietisch, der das Leiden des jungen Rebellen mit einem Lächeln und ohne Zensur beobachtete.</p>
<p>Dem Rebellen blieb es nicht verborgen dass er die Aufmerksamkeit des Mahagonitisches auf sich gezogen hat und diesen scheinbar sehr amüsierte und so begann er seine Einlage vom DJ Pult abzuwenden und in Richtung des Feuers zu präsentieren, wilder und verrückter, denn das Tischchen blieb nicht untätig und begann, so weit es im sitzen möglich war, in die trolligen Bewegungen einzuspringen. Er führte seine rechte Hand zur Nasenspitze und ließ seine linke Hand neben seinem Kopf in Schlängelbewegungen parallel zum Körper nach unten gleiten und kam in der selben Art und Weise wieder nach oben, sehr zur Belustigung des Rebellen, denn der wurde dadurch nicht nur zum weiter machen animiert&#8230; nein&#8230; er nahm seine Beine in die Hand und nahm einen der leeren Plätze am Feuerchen ein und kam direkt neben dem Mahagonitisch zum sitzen und zum Stillstand. Ohne ein &#8220;Hallo&#8221; wurde das Gespräch aufgenommen und die gegenseitigen Standpunkte in Bezug auf den Abend, auf die Musik und das Vorgehen des DJs einander unterbreitet. Das Tischchen hatte keine Ahnung von Musik und den dazugehörigen Tanzstilen, das gab er offen zu und die Maßnahme der Laustärkenregulierung unterstützte er, denn er war sich der Folgen bewusst die eine unverminderte Party zu so später Stunde nachziehen könnte. Der Rebell wiederum war in Feierlaune und wollte sich am liebsten noch die ganze Nacht genüsslich zu Drum and Bass bewegen, da es bei dieser Richtung wohl egal wäre wie man sich bewegt&#8230; hauptsache man bewegt sich, auch wenn man keine Ahnung davon hat. Darüber hinaus würde sich zum Musikmix jeder anders bewegen und dennoch würde man mindestens fünf Personen entdecken können die es einem gleichtun und gegebenenfalls genauso unbeholfen wirken würden wie man selber, was wiederum zur Verbundenheit beitragen würde.</p>
<p>Das Feuer malte eine warme, gemütliche Atmosphere obgleich die gespenstischen Schleier der Nacht Winkel und Ecken eingenommen haben, welche wohlmöglich noch nie dem Lichte der Sonne ausgesetzt waren. Doch an diesem lodernden Quell der Behaglichkeit fiel es nicht schwer die Finsterniss und die schleichende Kälte zu verdrängen und doch&#8230; die Endlichkeit von allem war nahe. Worte über das Sein und über die Beständigkeit des Lebens hingen träge über den Köpfen der Jugendlichen. Ein Potpourri mit dem Duft der Verwesung wurde sorgfältig in der Schale des jungen Lebens ausgebreitet und mit allerhand frischen, blumigen Noancen angereichert. Was bedeutet der Tod? Was bedeutet das Sein? Was wird bleiben und hinterlassen wenn wir einmal nicht mehr sind und welcher Eindruck von uns wird weiterhin auf Erden verweilen? Wird es denn wirklich entgültig sein? Kommt vielleicht doch noch etwas danach? Wer glaubt schon an Wiedergeburt? Gegebenenfalls ein Wandel der Lebensform? Wäre der Tod sinnlos, weil darüber hinaus nichts mehr käme und nichts von Beständigkeit wäre? Wäre das Leben und das Sein sinnlos, wenn man doch eh nur auf das eine Unausweichliche hinarbeitet? Man erlebt, man genießt und man lässt hinter sich. Ein Gebirge aus verlebten Momenten und Erinnerungen auf dessen höchsten Punkt ein Galgen steht und wir unaufhaltsam, ausdauernd&#8230; ja nahezu euphorisch danach streben diesen zu erreichen. Wie dem auch sei&#8230; Leben ist kostbar&#8230;</p>
<p>&#8230; und so lenkte das Gespräch in eine Richtung der Gegenwart und jenen Dingen zu, welche das Leben definieren. Mittlerweile ist ein Freund des Rebellen dazu gestoßen und bereicherte das Gespräch mit seinen eigenen, unanfechtbaren Gedanken und Einstellungen. Moralische Werte wurden mit Pflichten abgewogen und die Frage nach der eigentlichen Pflicht im Leben wurde behandelt und einstimmig beantwortet. Der Mahagonitisch wurde Stück für Stück zum Zuhörer und Beobachter einer Konversation, welche sich mit politischen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten, aber ebenso mit der Rolle der Kirche in diesem System befasste. Er gab es offen zu, grade in politischer Hinsicht&#8230; gelinde gesagt&#8230; unwissend zu sein und dennoch hörte er gerne zu, versuchte mitzukommen und hier und da etwas mitzunehmen was ihm wichtig erschien und was er verstand. Die Zunge des Rebellen war schwer von der Fülle des Alkohols, doch man merkte es ihm nicht an. Seine Worte waren klar gewählt und er brachte ein ungeheuer großes Talent an den Tag sich auszudrücken und seine Ausführungen mit ausreichend Fremdwörtern und allerhand Fachsimpelein zu schmücken und wiederzugeben. Den Menschen im unmittelbaren Umfeld blieb die Wolke aus ausdrucksschwangeren Worten nicht verborgen und ab und zu wurde die kleine Runde am Feuer mit amüsierten und oftmals verständnisslosen Worten und Blicken bedacht. Hinweise und Andeutungen, welche die Worte der Jungen bestätigten und gleichermaßen positive und negative Beispiele für das Gesagte lieferten.</p>
<p>Das Gespräch wurde dadurch aber keinesfalls überschattet, ganz im Gegenteil, es wurde bereichert und nahm fortwährend seinen Lauf, denn im Moment war das Drumherum unwichtig und man konzentrierte sich auf das Wesentliche&#8230; das Gespräch und das Zuhören. Doch was ist das Wesentliche im Leben? Welche Form wäre erstrebenswert? Welche Gesellschaftsform? Wie wichtig ist Fortschritt? Was geht schief in dieser Welt? Wie kann man dem entgegenwirken? Welchen Wert legt jeder einzelne in materielle Sachen? Wie wichtig ist Luxus? Was ist überhaupt Luxus? Was bedeutet Geld? Wer hat es? Wer braucht es? Bleibt Menschlichkeit auf der Stecke? Ist das überhaupt wichtig? Sind wir uns alle nur selbst der Nächste? Was sind wir eigentlich? Wer wollen wir sein? Sollten wir uns nicht alle einmal fragen, was unser Zweck auf dieser Erde ist? Und sollten wir nicht alle einmal versuchen nach eben diesen &#8220;primitiven&#8221; Grundanforderungen zu Leben? Parasitäres Leben, welches auf wundersame Weise&#8230; man nennt es auch Evolution&#8230; gelernt hat die natürlichen Ressourcen seiner Umgebung auszunutzen und stets zu seinem eigenen Wohle zu verwenden&#8230; ohne Rücksicht auf Verluste und dennoch mit Reue auf Fehler aus der Vergangenheit blickend. Fehler welche durch Unbeständigkeit und zu schnellen Schlüssen und Handlungen begangen wurden, welche aber keinesfalls wieder auszulöschen sind. Ein Volk dass unaufhörlich seinen eigenen Grabstein meißelt und während dessen schon mit der üppig ausgestatteten Trauerfeier begonnen hat. Doch sollten wir nicht daran denken, dass wir unabhängig von Wissenschaft, Technik und allem was wir geschaffen haben, doch nur Lebewesen sind die durch eine Verstrickung günstiger Umstände eine Selbstständigkeit erlangt hat, wie sie wunderbarer und einzigartiger nicht sein kann? Sollten wir uns nicht daran erinnern dass wir jene sind, die zu einem Kreislauf beitragen, den man Leben nennt? Dass wir jene sind die so viel wollen und doch am wenigsten brauchen und schon gar nichts verlangen können? Wir werden geduldet auf dieser Erde und nicht die Erde von uns&#8230;</p>
<p>Die Kullissen des Abends wurden langsam aber sicher abgebaut und das Feuer began sich unter einem Berg von Asche allmählich selber zu ersticken. Es wurde Zeit. Der Morgen war nah und so verabschiedeten sich die Jungen von einander und waren sich dankbar für die Worte, welche sie in den vergangenen Stunden gewechselt haben. Dankbar für das erzählen dürfen und dankbar für das gehört werden. Die Wege trennten sich und jeder nahm sich ein Stück von diesem Abend mit und während sie das taten, erwähnten sie wie beiläufig ihre Namen, denn das haben sie bis zu diesem Augenblick noch nicht getan und ganz gleich ob sie sich irgendwann in ihrem Leben noch einmal begegnen würden oder nicht, ganz gleich&#8230; denn eines wusste sowohl der Rebell, als auch der Mahagonitisch&#8230; eine solche Begegnung gibt es nicht jeden Tag, doch genauso sollte das Leben doch sein.</p>
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		<title>Vertraute Fesseln&#8230;</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Mar 2009 09:15:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Kleinstück</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Philip und Alexander waren ein ungleiches Paar. Beide waren sie Berufstätig und ihre Arbeitszeiten wichen von einander ab, wie Hund und Katze nicht unterschiedlicher sein konnten. So kam es das sie selten zur selben Zeit zu hause waren und in den meisten Fällen war es Alexander, der die Wohnung seltener betrat als er sie verlies. Oft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Philip und Alexander waren ein ungleiches Paar. Beide waren sie Berufstätig und ihre Arbeitszeiten wichen von einander ab, wie Hund und Katze nicht unterschiedlicher sein konnten. So kam es das sie selten zur selben Zeit zu hause waren und in den meisten Fällen war es Alexander, der die Wohnung seltener betrat als er sie verlies. Oft ging er früh im dunklen hinaus und kam abends im dunklen wieder heim und oft wollte er einfach nur seine Ruhe. Das was Philip zu überdreht daher kam, war Alexander zu ruhig geraten doch wie so oft ziehen die Gegensätze sich auf magische Weise an und so gingen sie Kompromisse ein und kamen gut miteinander zu recht. Wie es sich so oft in den Beziehungen der Menschen abspielt, muss ein Gleichgewicht gefunden werden. Man muss auf das Gegenüber eingehen können und gewisse Dinge in Kauf nehmen um an anderer Stelle seinen eigenen Bedürfnissen etwas Platz einzuräumen. Das Gilt für alle Situationen, welche das Leben so bietet. Sei es der Alltag, das gemeinsame Zusammenleben oder sei es der Sex.</p>
<p>Philip brachte eine Neigung mit in das Leben des jungen und noch recht unerfahrenen Alexander welche in der Szene, in der sie sich bewegten, sich an großer Beliebtheit erfreute. Bondage nennt man die Kunst zu fesseln und ist mit allerhand Utensilien in Verbindung zu bringen. Alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Paketband, Tesafilm oder Folie fanden gleichermaßen Verwendung wie Seile, Ketten, Lederbänder oder ganz banale Handschellen, wie man sie nur am Hosenbund eines Polizisten vermuten konnte. Letzteres war eines der einfachsten Mittel, welche man benutzen konnte und diente in erster Linie der Wehrlosigkeit. Wenn Handschellen zu fest um die Gelenke geschnallt werden, konnten sie in Verbindung mit der ohnehin schon unnatürlichen Stellungen während des Geschlechtsverkehrs eine Taubheit in der Hand hervorrufen, welche sich vom Daumenballen über den Zeigefinger erstreckte, oft den kleinen Finger in Mitleidenschaft zog und sich über mehrere Tage, meist zwei, hinziehen konnte. Dies ist als sehr unangenehm zu bezeichnen, aber nicht als schmerzhaft. Schmerzhaft konnten andere Dinge sein, welche hin und wieder Verwendung fanden und der physische Schmerz ist nichts im Vergleich zum seelischen Schmerz. Zumindest nichts was man nicht ertragen könnte.</p>
<p>Denn wie in vielen Situationen und grade im Zusammenleben zweier Menschen spielte beim Bondage ein wesentlicher Punkt eine tragende und große Rolle. Vertrauen&#8230; eine Sache die so schwer zu finden war wie eine Blume in der Wüste und die man so schnell wieder verlieren konnte wie man einen Fisch im Meer aus den Augen verlieren konnte.</p>
<p>Steve war ein alter Bekannter von Philip. Sie teilten sich die selbe Heimat und Steve und Alexander das selbe Alter. Steve kam zu besuch und blieb für ein paar Tage um sich die Stadt anzusehen und um sich, wie es der Zufall so will, mit Alexander anzufreunden. Die beiden Jungen verstanden sich gut miteinander, das zeigte sich schon in den ersten paar Minuten ihrer Zusammenkunft. Sie waren beide recht in sich gekehrt und eher von der stillen Sorte. Hatten Sinn und ein Auge für schönes in der Natur und im Menschen. Sie teilten beide die Leidenschaft für das Rauchen und gingen, wenn es die Freizeit von Alexander zulies, spatzieren. Doch schnell waren die Tage vorbei und schnell kam der Moment an dem Steve wieder in die Heimat zurückkehren musste. Von wollen konnte keine Rede sein, denn es zog ihn in die Stadt, da ihm das Leben auf dem Lande mit all seinen kleinen und großen Steinen im Weg zu wieder geworden ist. Das Wochenende stand mal wieder im Zeichen der Arbeit und so sahen sich die beiden neugewonnen Freunde nur Kurz an den zwei Tagen, welche man als Wochenende bezeichnet. Am Montag würde Steve seinen Zug zurück nehmen und so beschloss er Alexander am Nachmittag von Arbeit abzuholen. So würden die beiden noch etwas Zeit miteinander verbringen können und ein wenig über Gott und die Welt phylosofieren können. Denn daran fanden sie Freude.</p>
<p>So saßen sie am Nachmittag unter der Platanenallee und genossen das warme, sonnige Wetter und die trockene von Pollen durchflochtene Luft. Hier im Schatten des satten Grüns verbrachten sie die Stunden, bis es an der Zeit war zum Zug aufzubrechen und die Wege zu trennen. Hier im Gesang der Vögel viel es trotz des Lederarmbandes auf, das Steve diese typischen roten Striemen an seinen Handgelenken trug, für welche Alexander mittlerweilen ein Auge hatte und hier zwischen den Klängen von Schifferklavieren, welche eifrig von den Straßenmusikern gespielt wurden, beklagte sich Steve über eine eigenartige Taubheit, welche sich vom Daumenballen, über den Zeigefinger erstreckte und offenbar noch im kleinen Finger spürbar gewesen ist. Eine Taubheit, von der Alexander nur zu gut wusste, wodurch sie ausgelöst wurde.</p>
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		<title>Braunes Sachsen</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Mar 2009 09:21:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Kleinstück</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kleine Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war eine einfache Alltagssituation, welche einem jeden Tag an jedem Ort begegnen könnte und wie sie wohlmöglich überall an jedem Tage vorkommt. Er, hatte einfach nur Hunger und der andere tat einfach nur seinen Job. Wie immer löcherte er die Kunden mit Fragen. Schnell hintereinander, viele Menschen kamen mit diesem Tempo nicht mit und erkundigten sich oftmals, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war eine einfache Alltagssituation, welche einem jeden Tag an jedem Ort begegnen könnte und wie sie wohlmöglich überall an jedem Tage vorkommt. Er, hatte einfach nur Hunger und der andere tat einfach nur seinen Job. Wie immer löcherte er die Kunden mit Fragen. Schnell hintereinander, viele Menschen kamen mit diesem Tempo nicht mit und erkundigten sich oftmals, wenn er fertig gesprochen hat, was er am Anfang gleich nochmal gesagt habe, da sie es in der Fülle von Informationen schon wieder vergessen haben. Das machte natürlich nichts denn er rechnete schon mit den Fragen der überforderten Kundschaft. So leierte er sein Sprüchen erneut von den Lippen, als hätte man den Rückspulknopf betätigt, welcher sich an seinem Rücken befand, gleich neben der kleinen Öffnung in welche man bei Bedarf neue Duracell Batterien hineinstecken konnte. So Utopisch das auch klingen mag, so eine Vorrichtung am Menschlichen Organismus wäre in diesem Job manchmal dringend nötig gewesen und sicher auch in vielen anderen Berufen.</p>
<p>Ein großer, gut gebauter Mann mittleren Alters trat vor den Trehsen. Sein Haar war auffällig kurz und dunkel, ein klarer, durchdringlicher Blick begleitete sein kanntiges, männliches Gesicht, welches sich in den Schatten eines Dreitagebarts versteckte.</p>
<p>&#8220;Guten Tag, was darf es Sein?&#8221; drang es von Seiten des Verkäufers an den Kunden, welcher seine Wünsche schon weitestgehend bereit gelegt hatte und begann diese zu äußern und kund zu geben.</p>
<p>Des Deutschen liebstes Essen sollte es sein, ein Schnitzel, was sonst. Welche Art der Sättigungsbeilage und welche Gemüse er gerne neben seinem Fleisch gesehen hätte, wusste er erstaunlich schnell zu entscheiden, was das Verkaufsgespräch in einem angenehm schnellen und lückenlosen Fluss erstrahlen ließ. Diese Kunden waren ihm die liebsten. Jene die wussten was sie wollten und dieses auch bekamen. Bei der Frage, ob der Herr noch gerne eine Soße zu seinem Fleisch wünsche, geriet das Gespräch kurz ins Stocken, denn dem Kunden schwebte eine Art Letscho vor und diese Leckerei befand sich ausgerechnet nicht im Angebot. Doch was waren das für rote Soßen dort im Angebot? Und so erkundigte der Mann sich mit daraufzeigen des Fingers nach dem vermeindlichen Letschoersatz.</p>
<p>&#8220;Hierbei handelt es sich zum einen um eine Tomatensoße und zum anderen um eine ukrainische Suppe. Beides kann ich ihnen über ihr Schnitzel machen, wenn sie das wünschen doch mit Letscho hat weder das eine noch das andere etwas gemeinsam. Darauf weise ich sie hin, damit sie mich nicht hinterher verantwortlich machen wenn es nicht so schmeckt, wie sie sich das vorgestellt haben.&#8221; Der Kunde gibt sich entscheidungsunlustig, ist aber mit der Erläuterung des jungen Mannes zufrieden. Er beschließt seine Wahl zwischen der Tomatensoße und einer Bratensoße fallen zu lassen, aber selbst hier tut er sich schwer. &#8220;Ich kann mich nicht entscheiden, mir ist es egal!&#8221;</p>
<p>Der Verkäufer erwiedert:&#8221; Mir ist es ebenfalls egal welche sie nehmen. Kommen sie, sagen sie einfach ROT oder BRAUN?&#8221;</p>
<p>&#8220;Dann wähle ich braun! Wir sind ja schließlich in Sachsen&#8221; kam es wie aus der Pistole geschossen.</p>
<p>&#8220;Das habe ich befürchtet!&#8221; entfuhr es schlagfertig dem jungen Mann hinter der Theke.</p>
<p>&#8220;Na und? Ich bin ehrlich und ich stehe wenigstens dazu.&#8221; kam es von Seiten des Kunden zurück. &#8220;Und ich bin dagegen und stehe ebenfalls hinter meiner Meinung!&#8221; beendete schließlich der Verkäufer, dieses kleine, aufschlussreiche Privatgespräch und sie setzten freundlich und als wäre nichts gewesen das Verkaufsgespräch fort und brachten es angemessen zu Ende.</p>
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