Butter ist so billig wie vor achzig Jahren?

Ein weiser, alter Mann hat einst zu mir gesagt, das positives Denken ungeheuer wichtig sei. Mit einem straffen Ja voranschreiten, das Glas ist niemals halb leer sondern immer nur halb voll. Butter ist heute so  billig wie vor achzig Jahren… ein Zeichen das alles wieder gut wird. Eine Art Motivationstraining, für manche vielleicht auch Gehirnwäsche. Sei es drum, der wesentliche Inhalt ist mir nicht entgangen und in seiner Abhandlung kam er auch immerwieder auf positive Beispiele und Anregungen zurück, sodas auch ja kein Krümel der kostbaren positiven Energie an mir vorbei geschleudert wird. Ich bin ihm Dankbar.

Nun gut. Der Mann, welcher einst zu mir sprach war noch gar nicht so alt. Ob er weise war vermag ich nicht einzuschätzen. Auf jeden Fall war er durchaus klug und ein guter Redner. Es ist auch noch gar nicht so lange her, genau genommen zwei Tage, das er jene Worte an mich richtete und damit an das Beste in mir apellierte. Ob er selber von seiner Rede überzeugt war kann ich ebenso wenig einschätzen, denn er wurde dafür bezahlt das er sprach und für Geld redet es sich bestimmt einfacher daher. Man muss natürlich auch ein wenig dafür gemacht sein, vor Leuten zu reden, aber schließlich ist es nur eine Sache der Übung… wie er meinte. Heinz-Günter W…. ach nee das wäre zu offensichtlich, nennen wir den Referent H.-G. Wirth, jawohl so hieß er. Der konnte das toll! Die Schnute ging auf und es floss und es ergoss sich in Strömen, in Sturzbächen. Was wir als ein Wort formulieren würden, war bei ihm eine komplette gesprochene Seite, in winzig kleiner Schrift. In den Pausen sollten wir essen und etwas trinken und er sollte selbigen Dingen nachgehen, doch was tat er? Reden, reden und nochmals reden. Hut ab! Der verstand sein Handwerk, oder sollte man eher sagen Mundwerk. Was er uns mitteilte war nützlich, brauchbar und obendrein interessant. Daher lasse ich davon ab seine klugen Worte auseinander zu flücken und sein Referat zu kommentieren, denn wie gesagt er tat seinen Job. Was mir an diesem Vormittag die Müdigkeit aus den Knochen trieb, waren seine obengenannten Sätze. Sicher ist es euch aufgefallen und sicher fragt ihr euch was es mit der Butter auf sich hat, denn dieser Satz war jetzt irgendwie fehl am Platz. Es erregte mich zu tiefst als er das von sich gab und ich war drauf und dran loszusülzen, doch ich bin ein deutscher Bürger und mein Naturell verlangt es das ich die Klappe halte, mich im stillen Aufrege, hinnehme und lerne damit zu leben und schluss endlich den Zustand als normal betrachte. Doch der Gedanke an die Butter ließ mich die ganze Zeit nicht mehr los. Ich würde mich im Recht befinden wenn ich behaupte das die Butter billiger ist wie vor acht Wochen, das klingt positiv. Wenn ich aber mit Feuereifer in die Welt hinaus rufe das die Butter heute so billig wie vor achzig Jahren ist, dann ist es weniger positiv um nicht zu sagen strafbar. Denn schauen wir einmal achzig Jahre zurück, was wir da hatten. Der Amerkanische Aktienmarkt brach zusammen und brachte die Welle einer Weltwirtschaftskrise ins Rollen. Das würde den Zusammenhang mit der Butter erklären. Und jetzt ergibt es Sinn.

Er wollte nicht mit der Tür ins Haus fallen und sagen, wir stehen an der selben Stelle wie vor achzig Jahren, daher nahm er die Metapher mit der Butter zur Hand. Denn sonst wäre vielleicht noch einer auf den Gedanken gekommen, in dem Zusammenhang, einen viel größeren Teufel an die Wand zu malen. Denn befanden wir uns damals nicht kurz vor dem zweiten Weltkrieg? Und gab es damals nicht auch den ein oder anderen begnadeten Redner unter den Menschen?

Da mein Buch von Bill Bryson in wunderbar handliche kurze Abhandlungen verpackt wurde, jedes für sich ein Thema und jedes für sich eine Überschrifft, wie eine Sammlung von Aufsätzen wie wir sie aus der Schule kennen, ist es eines von den Büchern welche man auch mal kurzzeitig beiseite legen kann und ohne größere Schwierigkeiten den Lesefluss zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen kann. Denn meine Generationsbedingte Sprunghaftigkeit hat mein Interesse auf ein anderes Buch gelenkt, welches ich dann gleich beim Buchhändler meines Vertrauens käuflich erworben habe, da ich es nicht aushielt, so interessant klang schon der Titel! Und nun lese ich es, das Buch mit dem Namen “Der Nazi und der Friseur”. Ich find schon den Titel allein Spannend und ich freu mich schon drauf wenn ich davon berichten kann.

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