Braunes Sachsen
Es war eine einfache Alltagssituation, welche einem jeden Tag an jedem Ort begegnen könnte und wie sie wohlmöglich überall an jedem Tage vorkommt. Er, hatte einfach nur Hunger und der andere tat einfach nur seinen Job. Wie immer löcherte er die Kunden mit Fragen. Schnell hintereinander, viele Menschen kamen mit diesem Tempo nicht mit und erkundigten sich oftmals, wenn er fertig gesprochen hat, was er am Anfang gleich nochmal gesagt habe, da sie es in der Fülle von Informationen schon wieder vergessen haben. Das machte natürlich nichts denn er rechnete schon mit den Fragen der überforderten Kundschaft. So leierte er sein Sprüchen erneut von den Lippen, als hätte man den Rückspulknopf betätigt, welcher sich an seinem Rücken befand, gleich neben der kleinen Öffnung in welche man bei Bedarf neue Duracell Batterien hineinstecken konnte. So Utopisch das auch klingen mag, so eine Vorrichtung am Menschlichen Organismus wäre in diesem Job manchmal dringend nötig gewesen und sicher auch in vielen anderen Berufen.
Ein großer, gut gebauter Mann mittleren Alters trat vor den Trehsen. Sein Haar war auffällig kurz und dunkel, ein klarer, durchdringlicher Blick begleitete sein kanntiges, männliches Gesicht, welches sich in den Schatten eines Dreitagebarts versteckte.
“Guten Tag, was darf es Sein?” drang es von Seiten des Verkäufers an den Kunden, welcher seine Wünsche schon weitestgehend bereit gelegt hatte und begann diese zu äußern und kund zu geben.
Des Deutschen liebstes Essen sollte es sein, ein Schnitzel, was sonst. Welche Art der Sättigungsbeilage und welche Gemüse er gerne neben seinem Fleisch gesehen hätte, wusste er erstaunlich schnell zu entscheiden, was das Verkaufsgespräch in einem angenehm schnellen und lückenlosen Fluss erstrahlen ließ. Diese Kunden waren ihm die liebsten. Jene die wussten was sie wollten und dieses auch bekamen. Bei der Frage, ob der Herr noch gerne eine Soße zu seinem Fleisch wünsche, geriet das Gespräch kurz ins Stocken, denn dem Kunden schwebte eine Art Letscho vor und diese Leckerei befand sich ausgerechnet nicht im Angebot. Doch was waren das für rote Soßen dort im Angebot? Und so erkundigte der Mann sich mit daraufzeigen des Fingers nach dem vermeindlichen Letschoersatz.
“Hierbei handelt es sich zum einen um eine Tomatensoße und zum anderen um eine ukrainische Suppe. Beides kann ich ihnen über ihr Schnitzel machen, wenn sie das wünschen doch mit Letscho hat weder das eine noch das andere etwas gemeinsam. Darauf weise ich sie hin, damit sie mich nicht hinterher verantwortlich machen wenn es nicht so schmeckt, wie sie sich das vorgestellt haben.” Der Kunde gibt sich entscheidungsunlustig, ist aber mit der Erläuterung des jungen Mannes zufrieden. Er beschließt seine Wahl zwischen der Tomatensoße und einer Bratensoße fallen zu lassen, aber selbst hier tut er sich schwer. “Ich kann mich nicht entscheiden, mir ist es egal!”
Der Verkäufer erwiedert:” Mir ist es ebenfalls egal welche sie nehmen. Kommen sie, sagen sie einfach ROT oder BRAUN?”
“Dann wähle ich braun! Wir sind ja schließlich in Sachsen” kam es wie aus der Pistole geschossen.
“Das habe ich befürchtet!” entfuhr es schlagfertig dem jungen Mann hinter der Theke.
“Na und? Ich bin ehrlich und ich stehe wenigstens dazu.” kam es von Seiten des Kunden zurück. “Und ich bin dagegen und stehe ebenfalls hinter meiner Meinung!” beendete schließlich der Verkäufer, dieses kleine, aufschlussreiche Privatgespräch und sie setzten freundlich und als wäre nichts gewesen das Verkaufsgespräch fort und brachten es angemessen zu Ende.