Bill Bryson erzählt uns eine kurze Geschichte von fast allem

Hätte man mich gerne jagen wollen, so hätte man es mit den Fächern Chemie und Physik erreichen können. Diese habe ich nicht begriffen und ich habe sie wahrscheinlich auch nicht begreifen wollen. Biologie dagegen, war für mich einfacher her zu leiten und erschien mir als Wissenschaft am realistischsten zu sein, aber dennoch war dieses Fach ebenso wenig die erste Wahl. Um so erstaunlicher ist es, das ich mich durch sechshundert Seiten reiner Wissenschaft und Entstehungsgeschichte gekämpft habe. Mit einem Kampf war es allerdings nicht zu vergleichen, denn diese Reise in die Vergangenheit hat verblüffend viel Spaß gemacht! Nicht das mir durch Bill Bryson die Welt der Naturwissenschaften jetzt einiger maßen logisch vorkommt, aber es war interessant zu lesen das hinter all dem hochintelligenten Wissen, oft genauso banale Gedanken und einfache Menschen mit dem gleichen naiven Dasein standen, wie du und ich es sind. Oder eben nur ich, egal.

Er widmet sich in seinem Buch so fast allen Themen die die Menschheit jemals vor Fragen und Aufgaben gestellt hat, beziehungsweise waren es die Menschen selbst die sich die Fragen stellten und sich auf die Suche nach den Antworten begaben. Nicht zuletzt beschäftigt sich das Buch mit dem größten Mysterium seit Entstehung der Erde, nämlich mit uns, dem Menschen. So trägt das Werk berechtigter Weise seinen Namen “Eine Kurze Geschichte Von Fast Allem”. Er presentiert uns das Wissen auf eine unglaublich saftige und fruchtige Art und Weise nur selten wird er so ekelhaft fachlich das das Werk trocken wirkt und man die Lust am weiterlesen verliert. Denn anders als ein herkömmliches Schulbuch bezieht er sich nicht nur auf die wichtigsten Entdeckungen und die wichtigsten Geschehnisse der einzelnen Epochen, er geht ins besondere auf die Werdegänge der einzelnen Wissenschaftler und auf familiäre, fast schon private Details aus deren Leben ein. Was die Sache gleich unheimlich viel bunter gestaltet. Er geht auf die Ignoranz und die Steine ein, welche den Wissenschaftlern bei der Verbreitung und Festigung ihrer Theorien in den Weg gestellt wurden. Der ein oder andere Irrglauben wird in seinem Buch ebenso aufgedeckt und vermittelt, wie die Aufopferung einiger Wissenschaftler, welche sich mit den gefährlichsten Gebieten der Chemie und Physik beschäftigten. Er konfrontiert uns mit Themen welche uns, vielleicht, irgendwann einmal in den Sinn gekommen sind, wir sie aber wieder verworfen haben. Er erzählt uns darüber wie die Erde vermessen wurde und wie in diesem Zusammenhang oft zeitgleich völlig falsche Zahlen und Werte gelehrt wurden. Wir erfahren warum Thomas Midgley jun. zurecht als unglückseeliger Erfinder zu betiteln war und welcher Gefahr sich Marie Curie aussetzte, während sie nur der Wissenschaft zu Liebe mit radioaktiven Elementen experimentierte. Er vermittelt uns einen Eindruck davon, wie klein der von Menschen bewohnbare Teil der Erde im Gegensatz zu ihrer Größe ist. Wie gefährlich unser Planet für uns ist und wie gefährlich wir für ihn. Welche unheimlich glücklichen Umstände dazu führten das wir überhaupt existieren können und wie viel wir über das Universum über und um uns herum wissen und wie wenig wir über unseren blauen Planeten in Erfahrung bringen konnten. Uns wird nahe gelegt das wir Schuld daran tragen warum wir nicht wissen wie ein Dodo aussieht und man erfährt das die hälfte der chemischen Prozesse, welche in einer Banane ablaufen, grundsätzlich jenen in unserem Organismus gleichen. Neben diesen Informationen erfährt man noch allerhand über Einstein und Darwin und das dieser zuletzt genannte am selben Tag wie Abraham Lincoln geboren wurde. Mit sollchen kleinen Hintergrundinformationen bestückt entführt das Buch auf eine Reise in die Vergangenheit, von der man sich sicher nicht alles behält, aber von der dennoch eine Menge interessanter Dinge hängen bleiben. Dinge die einen dazu bringen das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen zu wollen und die einen genauso rasant durch die Seiten treiben wie diese mit schnelligkeit durch die Entstehung der Welt führen. Zum bersten voll mit Geschichte und Weisheit. Doch eine Gewissheit kann uns das Buch, trotz seiner Fülle an kleinen Geschichten, nicht nehmen und darauf geht Bill Bryson ebenfalls sehr häufig ein: Wie viel wir denken, wie viel wir dazu lernen, wie viel wir entdecken und wie wenig wir doch wissen!

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