Besser eben…
Träge und triefend legt sich die Dunkelheit über die Stadt und begräbt die herrlich, warmen Eindrücke des Tages unter sich. Wie ein sonnendurchflutetes Winterhoch kam er daher… kühl… von stahlblauen Himmel begleitet und zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen. Flauschige Mäntel und riesige Sonnenbrillen vermittelten ein Flaire wie bei einer dieser Apres Ski Partys und ebenso frohsinnig war die Laune. Doch die Finsternis kam und mit ihr die Wolken. Kurze Schauer strichen die Dächer der Häuser und legten sich eisig auf meinen Wangen hernieder… eine heiße Dusche kam mir grade recht, nachdem ich meinen Abendlichen Spatziergang durch die von Laub bedeckten, weichen, glänzenden Gassen dieser Stadt beendet hatte. Und nun?
Ich weis nicht wohin mit meinem kleinen Körper, der von der Arbeit noch nicht ausgepowert genug ist um mir zu sagen… Ich bin müde, komm lass uns schlafen gehen… nein… stattdessen irrt er im Zimmer umher, von Ecke zu Ecke, von Regal zu Regal… gedankenloss und mit nichtssagendem Blick durchforstet er den Schrank nach etwas zum anziehen… als wäre es Routine greift er in die angefangene Tüte Marzipankartoffeln und stopft sie sich in den Mund… vielleicht würde der süße Brei sein Gemüt etwas erheitern?… einen Moment lang hält er inne und betrachtet das angefangene Bild auf der Staffelei… ein Engel zerrt an einem bewusstlosen Mann… kurz denkt er nach, vielleicht die Französischhausaufgaben? Um sie nicht wieder auf den letzten Drücker zu machen… aber nein, sein Blick wandert weiter… seine schmalen Fingerspitzen tippen sich langsam von Buchrücken zu Buchrücken, nichts gehaltvolles, etwas leichtere Kost sollte es heute wohl besser sein… das Regal mit den Büchern gab eine Menge ungelesener Schätze her und seine Hand kippte einen abgegriffenen Schinken herraus, den er irgendwann beim stöbern im Antquariat um die Ecke entdeckt hat und durch das aushändigen eines symbolischen Euros sein Eigen nennen konnte… Ein großer Aufkleber auf dem geschrieben steht “In großer Schrift” prankte auf dem Einband, ansonsten war es schlicht gehalten in weiß und orange und zwei närrischen Strichmännchen darauf… das würde es sein, dachte er sich… und so war es. “Roald Dahl” und eine Sammlung seiner Geschichten unter dem herrlich erfrischenden Namen “Küsschen, Küsschen!” wird mein Begleiter durch Finstere Stunden und mir eine willkommene Abwechslung sein, etwas das meine Gedanken züchtigt.
Denn ich habe heute ein paar Schalter betätigt deren Wirkung mir unbekannt ist und die vieleicht ungewollte Dinge ins Rollen bringen… nun ja, im Moment kann ich nichts ändern und einfach nur zusehen wie die Nacht verstreicht und sich zu einem neuen wundervollen, alles bereithaltenden Morgen wandelt… und irgendwo in dieser Stadt… in den Schluchten der alten Gemäuer sitzt vermutlich eine andere Seele, deren Tag wahrscheinlich nicht so gelaufen ist wie sie sich es vorgestellt hat und deren Decke der Nacht zusätzlich von unendlich vielen, ungeordneten Gedanken beschwert wird… auf der Lippe kauend, auf ein Bild oder einen Bogen Papier starrend… keine Ruhe findend…wer weis? Morgen sieht die Welt sicher schon wieder etwas anders aus… hoffnungsvoll… besser eben…